BERLIN/VILNIUS – Deutschland bereitet sich laut Informationen des deutschen Tageszeitungs „Bild“ darauf vor, die Wehrpflicht für eine deutsche Brigade einzusetzen, die in Litauen stationiert wird. Der Grund dafür ist ein Mangel an Freiwilligen, durch die es bisher nicht möglich war, die geplanten Personalstände zu erreichen. Laut verfügbaren Informationen könnten die ersten Wehrpflichtigen bereits im Herbst dieses Jahres nach Litauen entsandt werden.
Laut „Bild“ plant das deutsche Verteidigungsministerium, Ende September eine Rekrutierungskampagne zu starten. Ziel ist es, bis zu 1000 Soldaten zu gewinnen, die in einem Dienstverhältnis auf der Grundlage der Wehrpflicht eingesetzt werden sollen. Der deutsche Verteidigungsminister Boris Pistorius hatte bereits im Juni angedeutet, dass es bei der Besetzung der deutschen Brigade in Litauen notwendig sein könnte, zur Wehrpflicht zu greifen. Damals sprach er von einer Zahl unter 1000 Soldaten.
Die Brigade des Bundeswehr in Litauen ist Teil einer langfristigen Stärkung der militärischen Präsenz der NATO an der Ostflanke der Allianz. Ihr geplantes Ziel ist es, bis Ende 2027 eine Personalstärke von etwa 4800 Soldaten zu erreichen. Deutschland will damit die Verteidigungsfähigkeiten der NATO im Baltikum stärken und gleichzeitig eine Einheit schaffen, die in der Lage ist, langfristig direkt auf dem Territorium eines Mitgliedsstaates der Allianz zu operieren.
Laut „Bild“ konnten bisher etwa 60 Prozent der geplanten Stellen durch Freiwillige besetzt werden. Weitere rund 20 Prozent sollen laut den aktuellen Plänen durch die Wehrpflicht ersetzt werden. Das deutsche Verteidigungsministerium strebt jedoch an, den Anteil der wehrpflichtig eingezogenen Soldaten schrittweise auf etwa zehn Prozent zu reduzieren.
Der Personalmangel betrifft dabei nicht nur einfache Soldaten. Dem Bundeswehr fehlen laut den genannten Informationen auch Spezialisten in den Bereichen Informationstechnologie, Logistik und Köche. Für das Funktionieren der Brigade sind diese Berufe jedoch genauso wichtig wie die eigentlichen Kampfverbände, da sie ihre technische Ausstattung, Versorgung und ihren täglichen Betrieb gewährleisten.
Eine mögliche Wehrpflicht für Soldaten zur Stationierung in Litauen könnte in Deutschland eine weitere politische Debatte über die Form des Militärdienstes und den Umfang der Verpflichtungen des Landes gegenüber der NATO auslösen. Berlin strebt gleichzeitig eine deutliche Stärkung der deutschen Streitkräfte an und sucht nach Wegen, um genügend Personal für neue Verteidigungsaufgaben bereitzustellen. Die Situation rund um die litauische Brigade zeigt somit, dass neben finanziellen Mitteln und moderner Technik auch ein Mangel an qualifizierten Soldaten ein grundlegendes Problem für europäische Armeen darstellt.
gnews.cz - Geoffrey Hunt
