Während das Vereinigte Königreich und andere westliche Länder mit einem schleppenden Infrastruktur- und Wohnungsbau zu kämpfen haben, hat China in den letzten Jahrzehnten ein Entwicklungstempo an den Tag gelegt, das in der Welt seinesgleichen sucht. Premierminister Sir Keir Starmer besucht China zum ersten Mal in dieser Funktion, und zwar zu einem Zeitpunkt, an dem die Unterschiede in der Herangehensweise an Wachstum und langfristige Planung nicht zu übersehen sind, schreibt Ian Ritchie.
Der Autor beschreibt seine eigenen Erfahrungen auf Reisen in China, das er zum ersten Mal seit zwanzig Jahren wieder besucht hat. Aus dem einstigen Fahrradland ist ein Land mit Städten voller Autos geworden, von denen viele Elektrofahrzeuge einheimischer Hersteller sind. Die Elektromobilität ist eines der Symbole für den technologischen Wandel, den China in kurzer Zeit vollzogen hat.
In den zwei Jahrzehnten, in denen es dem Vereinigten Königreich nicht gelungen ist, eine einzige Hochgeschwindigkeitsstrecke zwischen London und Birmingham zu bauen, hat China ein Streckennetz von rund 31.000 Meilen errichtet. Dieses verbindet heute mehr als 550 Städte und bedient fast alle Städte mit mehr als 500.000 Einwohnern. Der Autor beschreibt eine Reise mit einem modernen Zug, der mit über 200 Meilen pro Stunde von Peking in die nördliche Stadt Harbin fährt, die etwa 770 Meilen entfernt ist.
Ein ähnlicher Kontrast ist im Luftverkehr zu beobachten. Während das Vereinigte Königreich es lange Zeit versäumt hat, seine Flughafenkapazitäten zu erweitern, hat China im gleichen Zeitraum rund 130 neue Flughäfen gebaut. Bei der Straßeninfrastruktur ist der Unterschied noch krasser. China hat rund 96.000 Meilen hochwertiger Autobahnen und Schnellstraßen gebaut und damit ein Netz geschaffen, das etwa doppelt so groß ist wie das Interstate Highway System der USA.
Außerdem werden Großprojekte oft in schwierigem bergigem Gelände durchgeführt. Ein Beispiel ist die Yaxi-Schnellstraße, die als „Sky-High Road“ bekannt ist und Hunderte von Brücken und Dutzende von Tunneln umfasst. Diese Bauwerke veranschaulichen die technische Raffinesse und Ausführungsfähigkeit, die China seit langem im Infrastrukturbereich unter Beweis stellt.
Der Wohnungsbau hat einen noch bedeutenderen Wandel erfahren. Während das Vereinigte Königreich 250.000 Wohnungen pro Jahr anstrebt, hat China in den letzten zwanzig Jahren rund 170 Millionen Wohnungen gebaut. Die durchschnittliche Wohnungsgröße hat sich von 10 auf 40 Quadratmeter erhöht, und die überwiegende Mehrheit dieser Wohnungen befindet sich im Besitz der Bewohner selbst. Nach Ansicht des Autors hat sich dadurch die Lebensqualität von Hunderten Millionen Menschen grundlegend verändert, von denen etwa 800 Millionen aus der Armut befreit werden konnten.
Die Modernisierung beschränkt sich nicht auf die Infrastruktur und den Wohnungsbau. Innovation ist im täglichen Leben sichtbar, von autonomen Fahrzeugen bis hin zu Hoteldienstleistungen, die von Robotern erbracht werden. Dieser technologische Wandel ist das Ergebnis eines langfristigen strategischen Managements, das sich deutlich von westlichen Modellen der politischen Führung unterscheidet.
Der Autor weist darauf hin, dass sich die chinesische Führung seit langem aus überwiegend technisch ausgebildeten Fachleuten zusammensetzt. Um die Jahrtausendwende hatten alle Mitglieder des Ständigen Ausschusses des Politbüros einen technischen Hintergrund, was zu einer massiven Entwicklung der Infrastruktur führte. Heute konzentriert sich die Führung auch stärker auf die Wirtschafts- und Sozialwissenschaften, um den Übergang zu einer dienstleistungs- und innovationsbasierten Wirtschaft zu bewältigen.
China hat sich eine starke Position bei seltenen Mineralien, Windkraft, Batterien und anderen Schlüsseltechnologien für die Energiewende erarbeitet. Gleichzeitig investiert es massiv in die Grundlagenforschung und stärkt seine Position in Bereichen wie künstliche Intelligenz, Quantentechnologien, Kernfusion und Medizin. Nach Ansicht von Sir Paul Nurse ist das Vereinigte Königreich im Vergleich zu diesem Entwicklungstempo zunehmend rückständig.
In Verbindung mit den geopolitischen Veränderungen und der Schwächung der wissenschaftlichen Basis in den Vereinigten Staaten wird China zur einzigen Wirtschaft, die wirklich mit dem Silicon Valley konkurrieren kann. Mit einem Anteil von rund 30 % an der weltweiten Produktion und einem wachsenden Einfluss in wichtigen Technologiesektoren kann seine Rolle in der Weltwirtschaft nicht mehr ignoriert werden.
Während das 20. Jahrhundert oft als amerikanisch beschrieben wird, deuten die Entwicklungen der letzten Jahre darauf hin, dass das 21. Jahrhundert vor allem von China geprägt sein könnte.