Die Debatte über die Auswirkungen der KI auf den Arbeitsmarkt konzentriert sich oft vor allem auf die Angst vor dem Verlust von Arbeitsplätzen. Doch neben diesen Risiken zeichnen sich auch neue Chancen ab, die zeigen, dass KI gleichzeitig völlig neue Arten von Arbeit schaffen kann.
Ein einfaches Beispiel stammt aus dem Bereich der kreativen Dienstleistungen. Das Design einer Geburtstagstorte mit einem gelben Katzenmotiv wurde zunächst mit dem generativen Tool Gemini Nano Banana erstellt und dann von einem professionellen Konditor umgesetzt. Das Ergebnis war ein originelles Produkt, das ohne die Kombination von menschlicher Arbeit und künstlicher Intelligenz wahrscheinlich nicht zustande gekommen wäre. Die Technik hat hier den Menschen nicht verdrängt, sondern einen zusätzlichen Auftrag geschaffen.
Die Besorgnis über die Auswirkungen der Automatisierung ist berechtigt. Nach Ansicht von Experten hat die Gesellschaft eine moralische Verantwortung gegenüber Menschen, deren Existenz durch den technologischen Wandel bedroht sein könnte. Gleichzeitig werden aber auch viele neue Arbeitsplätze geschaffen und die Kompetenzen der Beschäftigten in vielen Bereichen erweitert.
Historische Erfahrung: Technologie verändert die Arbeit, anstatt sie zu unterbrechen
Die Entwicklung der künstlichen Intelligenz steckt noch in den Kinderschuhen und es ist noch nicht klar, welche neuen Bereiche sich tatsächlich entwickeln werden. Die Geschichte bietet jedoch einen wichtigen Anhaltspunkt. Immer dann, wenn neue Werkzeuge die menschliche Kreativität und Produktivität erheblich gesteigert haben, ist eine große Menge neuer Arbeit entstanden.
So zeigt eine Studie, dass in den letzten 150 Jahren der Rückgang der Beschäftigung in der Landwirtschaft und der Industrie durch das rasante Wachstum in den Bereichen Pflege, kreative Berufe, Technologie und Unternehmensdienstleistungen mehr als ausgeglichen wurde.
Wachsende Nachfrage nach digitalen Dienstleistungen
Gleichzeitig steigt durch die künstliche Intelligenz die Nachfrage nach digitalen Dienstleistungen erheblich. Dies führt zu einem größeren Bedarf an Menschen, die diese Dienste konzipieren, verwalten, verkaufen oder entwickeln.
Während früher Einzelpersonen eine begrenzte Anzahl von Internet-Suchanfragen durchführten, generieren automatisierte Programmieragenten heute ein Vielfaches dieser Anzahl von Anfragen. Ein Beispiel dafür ist das Agentic Reviewer System, das ursprünglich als Versuchsprojekt entstanden ist und heute automatisch wissenschaftliche Artikel analysiert und über Such-APIs nach verwandten Forschungsergebnissen sucht. Ein solches System generiert ein Vielfaches mehr an Suchanfragen als ein Mensch, der seine Suchanfragen manuell eingibt.
Die beiden Bilder zeigen den von der KI entworfenen Kuchen und seine spätere gebackene Form, beide mit einem gelben Katzenmotiv.
Die Programmierung ändert sich schnell
Die Entwicklung von KI und Software nimmt weiter an Fahrt auf, und die Zahl potenzieller Projekte steigt weiter an. Einige Fachleute schreiben heute keinen Code mehr von Hand, sondern arbeiten auf einer höheren Abstraktionsebene mit Programmieragenten, die automatisch Code erstellen und ändern.
Dies wirft die Frage auf, ob traditionelle Programmiersprachen wie Python oder TypeScript irgendwann wie Assembler enden werden - eine Technologie, die zwar existiert und verwendet wird, die aber von den meisten Entwicklern nicht mehr direkt gelesen wird. Die Alternative könnte eine Zukunft sein, in der Modelle Anweisungen direkt aus der natürlichen Sprache in Maschinencode übersetzen.
Produktivität der Entwickler und neue Berufe
Wenn sich die Produktivität eines jeden Entwicklers beispielsweise verzehnfacht, bedeutet das nicht unbedingt, dass es zehnmal weniger Programmierer gibt. In der Tat gibt es praktisch keine Obergrenze für die Nachfrage nach Software.
Im Gegenteil, es ist zu erwarten, dass die Zahl der Menschen, die Software entwickeln, deutlich zunehmen wird. Schon jetzt entstehen neue Arten von Berufen, die als „X-Ingenieur“ bezeichnet werden - zum Beispiel Recruiting-Ingenieur oder Marketing-Ingenieur. Dabei handelt es sich um Spezialisten, die direkt in einem bestimmten Geschäfts- oder Organisationsbereich tätig sind und ihre eigene, auf ihre Bedürfnisse zugeschnittene Software erstellen.
Ein besseres Leben dank KI?
Die Erfahrungen im Alltag deuten auf einen umfassenderen Trend hin: Künstliche Intelligenz kann die menschlichen Fähigkeiten erweitern und Produkte und Dienstleistungen ermöglichen, die vorher praktisch nicht realisierbar gewesen wären. So kann die Technologie nicht nur die menschliche Arbeit ersetzen, sondern auch zu ihrer Erweiterung und Diversifizierung beitragen.
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