VENEZIEN – Das historische Drama Woman Unknown (Die unbekannte Frau) der dänisch-ägyptischen Regisseurin Mayi el-Toukhy hat den Hauptpreis des diesjährigen 83. Internationalen Filmfestivals in Venedig erhalten. Die Entscheidung des Juryausschusses reihete das Werk unter die herausragendsten Beiträge dieses Festivals, das zu den bedeutendsten Kinowelt-Veranstaltungen gehört. Der Goldene Löwe stellt eine der prestigeträchtigsten Auszeichnungen der internationalen Filmkunst dar und zieht jährlich die Aufmerksamkeit von Filmschaaffern, Kritikern und Verleihfirmen aus vielen Ländern auf sich.

Der Film Woman Unknown überzeugte das Jurymitglied durch seine Behandlung des historischen Themas und den Regiestil Mayi el-Toukhy. Die dänisch-ägyptische Filmerin konzentrierte sich in ihrem Werk auf eine Geschichte, die persönliche Schicksale mit weiteren historischen Zusammenhängen verbindet. Die Verleihung des Hauptpreises bestätigt gleichzeitig das wachsende Gewicht einer international ausgerichteten Filmproduktion, in der verschiedene kulturelle Traditionen und Perspektiven auf die Vergangenheit zusammentreffen.

Auch den Dokumentarfilm Naza israelischer Journalisten Juval Abrahams und Rachel Szors zog erhebliche Aufmerksamkeit beim Festival an. Der Film erhielt einen Sonderpreis des Juryausschusses. Der Dokumentarfilm bringt anonyme Aussagen ehemaliger und aktueller israelischer Soldaten, die über das Töten palästinenscher Zivilisten während des Krieges im Gazastreifen sprechen.

Das Thema des Films berührt eines der empfindlichsten und kontroversesten Konflikte unserer Zeit. Die Autoren eröffnen durch Zeugnisse ehemaliger und aktueller Angehörigen der israelischen Armee Fragen, die mit dem Führung von Militäroperationen, der Verantwortung Einzelner sowie dem Schutz der Zivilbevölkerung verbunden sind. Die Wahl der Anonymität ermöglicht es den Befragten laut Autorennachricht offen über Erfahrungen zu sprechen, die für sie persönliche oder berufliche Konsequenzen haben könnten.

Der Sonderpreis des Juryausschusses würdigte neben dem künstlerischen Aspekt auch eine dokumentarische Arbeit zum aktuellen politischen und humanitären Thema. Die Einordnung des Films in den Hauptpreis des Festivals kann gleichzeitig zu einer breiteren internationalen Debatte über die Situation im Gazastreifen und über Darstellungsweisen von Kriegereignissen im Film beitragen.

Das diesjährige venezianische Festival zeigte erneut, dass zeitgenössisches Kino neben dem künstlerischen Wert oft auch grundlegende historische, gesellschaftliche und politische Themen aufwirft. Der Goldene Löwe für Woman Unknown und der Sonderpreis des Juryausschusses für Naza repräsentieren zwei unterschiedliche Formen filmischer Erzählung – historisches Drama und dokumentarisch basierte Zeugnisse.

gnews.cz - Jana Černá