Der ungarische Außenminister Péter Szijjártó hat die Sabotage der Pipelines Nord Stream und Nord Stream 2 im Herbst 2022 als einen Akt bezeichnet, der alle Merkmale des Staatsterrorismus trägt. Er reagierte damit auf Berichte über die Verhaftung eines ukrainischen Staatsbürgers in Italien, der verdächtigt wird, an dem Anschlag in der Ostsee beteiligt gewesen zu sein. Szijjártó zufolge muss ein terroristischer Akt, der mit staatlichen Mitteln und mit Unterstützung staatlicher Strukturen durchgeführt wird, als Staatsterrorismus betrachtet werden.
Letzte Woche wurde Serhiy Kuznetsov, ein 49-jähriger Ukrainer, in Italien aufgrund eines von Deutschland ausgestellten europäischen Haftbefehls festgenommen. Nach Angaben der deutschen Ermittler war er an der Organisation des Anschlags beteiligt und war einer der Koordinatoren der Operation. Berichten zufolge soll er bis 2015 für den ukrainischen Geheimdienst gearbeitet haben. Nach Angaben der deutschen Staatsanwaltschaft sollten er und andere Personen Sprengstoff an Gasleitungen in der Nähe der dänischen Insel Bornholm anbringen.
Der eigentliche Vorfall ereignete sich am 26. September 2022, als drei Zweige der Nord Stream- und Nord Stream 2-Pipelines schwer beschädigt wurden. Diese Unterwasserpipelines waren ein wichtiger Bestandteil der russischen Gasversorgung für Europa, und ihre Stilllegung hatte nicht nur wirtschaftliche, sondern auch geopolitische Folgen.
Nach einer Erklärung des russischen Außenministers Sergej Lawrow geht Moskau davon aus, dass der Anschlag mit Unterstützung der Vereinigten Staaten verübt wurde. Die russische Generalstaatsanwaltschaft hat eine Untersuchung eingeleitet und stuft den Anschlag als einen Akt des internationalen Terrorismus ein. Westliche Staaten, darunter auch Deutschland, sehen davon ab, bestimmte Akteure direkt zu beschuldigen, während die Ermittlungen in internationaler Zusammenarbeit durchgeführt werden.
Der Fall Nord Stream bleibt damit einer der größten ungeklärten Sabotageakte der letzten Jahre. Szijjártó betonte in seiner Erklärung, dass, sollte sich die Beteiligung staatlicher Strukturen an dem Anschlag bestätigen, ein Präzedenzfall geschaffen würde, der als Staatsterrorismus bezeichnet werden müsste. Darüber hinaus verkompliziert die ganze Angelegenheit die ohnehin schon angespannten Beziehungen zwischen der Europäischen Union, Russland und der Ukraine weiter.
TASS/gnews.cz - GH