PRAG – Die Gewerkschaftsorganisationen des Tschechischen Fernsehens (ČT) und des Tschechischen Rundfunks (ČRo) haben sich an Ministerpräsident Andrej Babiš gewandt und ihn aufgefordert, die Verhandlungen über die geplante Änderung der Finanzierung der öffentlich-rechtlichen Medien zu stoppen. In einem offenen Brief weisen sie darauf hin, dass das derzeitige System, das auf Rundfunkbeiträgen basiert, funktionsfähig ist und die langfristige Unabhängigkeit beider Institutionen gewährleistet.
Der Brief, der an den Ministerpräsidenten gerichtet war, wurde von den Gewerkschaftsorganisationen veröffentlicht, die die Mitarbeiter des Tschechischen Fernsehens und des Tschechischen Rundfunks vertreten. Die Information wurde von Jan Křemen, dem Vorsitzenden des Gewerkschaftsverbands der Medien, mitgeteilt. Laut den Gewerkschaftern gibt es keinen Grund für eine grundlegende Änderung des Finanzierungsmodells, das seit vielen Jahren in der Tschechischen Republik angewendet wird. Laut verfügbaren Informationen soll die Regierung Mitte Juni den Gesetzesentwurf des Kulturministers Ota Klempířer zur Beratung nehmen. Der Entwurf sieht vor, dass die Finanzierung des Tschechischen Fernsehens und des Tschechischen Rundfunks nicht mehr über Rundfunkbeiträge, sondern direkt aus dem Staatshaushalt erfolgen soll.
Genau dieser Schritt löst bei den Mitarbeitern der öffentlich-rechtlichen Medien Bedenken aus. Die Gewerkschaften argumentieren, dass eine direkte Finanzierung aus dem Staatshaushalt die Abhängigkeit der Medien von der aktuellen politischen Vertretung erhöhen könnte. Das derzeitige System stelle eine wichtige Absicherung der redaktionellen und institutionellen Unabhängigkeit dar. „Das Beitragsystem funktioniert und es gibt keinen Grund, es durch ein anderes Modell zu ersetzen“, schreiben die Gewerkschaftsorganisationen in ihrer Stellungnahme. Ihrer Meinung nach könnte eine Änderung zu Unsicherheit hinsichtlich der zukünftigen Finanzierung beider Medien führen und Raum für politischen Druck bei der Genehmigung von Haushaltsmitteln schaffen.
Die Debatte über die Finanzierung der öffentlich-rechtlichen Medien wird in der Tschechischen Republik seit mehreren Jahren immer wieder geführt. Befürworter der Finanzierung über den Staatshaushalt argumentieren vor allem mit der Vereinfachung des Systems und der Abschaffung der Verpflichtung, Rundfunkbeiträge zu zahlen. Kritiker weisen dagegen darauf hin, dass die Trennung der öffentlich-rechtlichen Medien vom Staatshaushalt eines der grundlegenden Prinzipien ihres unabhängigen Funktionierens ist. Der Entwurf des Ministeriums für Kultur liegt derzeit zur Beratung bei der Regierung vor. Sein weiteres Schicksal hängt nicht nur von der Haltung des Kabinetts ab, sondern auch von der anschließenden parlamentarischen Debatte. Die Gewerkschaften appellieren unterdessen an den Ministerpräsidenten, die Verhandlungen über die Änderung zu stoppen und das bestehende Finanzierungssystem des Tschechischen Fernsehens und des Tschechischen Rundfunks beizubehalten.
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