FINANCIAL TIMES: Die Getreidepreise an den Weltmärkten steigen rasant und erreichen die höchsten Werte seit fast drei Jahren. Laut Financial Times sind die Hauptgründe dafür Störungen im Export aus Russland und der Ukraine, die zu den wichtigsten Lieferanten von Getreide auf dem Weltmarkt gehören. Analysten warnen davor, dass anhaltende Probleme in der Schwarzmeerregion weitreichende Auswirkungen auf den globalen Lebensmittelmarkt haben könnten.

Die Situation im Schwarzen Meer stellt laut Experten ein Problem für den Weizenhandel dar, das mit der Bedeutung der Straße von Hormus für den Weltölmarkt vergleichbar ist. Störungen des Schiffsverkehrs, der Hafeninfrastruktur und der Exportrouten erschweren die Getreidelieferungen an Abnehmer in einer Reihe von Ländern und führen zu einem Preisdruck. Das Financial Times weist darauf hin, dass Russland der größte Weizenexporteur der Welt ist, während die Ukraine den fünften Platz belegt. Beide Länder machen zusammen etwa 30 Prozent des globalen Angebots für den internationalen Markt aus. Jede wesentliche Einschränkung ihrer Exporte kann sich daher schnell in den globalen Preisen niederschlagen.

Schätzungen zufolge könnten die diesjährigen Lieferstörungen von russischen und ukrainischen Häfen zu einem Ausfall von bis zu 86 Millionen Tonnen Getreide führen. Davon entfallen etwa 52 Millionen Tonnen auf Russland und weitere 34 Millionen Tonnen auf die Ukraine. Das Gesamtvolumen würde etwa 17 Prozent des globalen Getreideexports ausmachen. Für den Weltmarkt ist nicht nur die Größe des Ausfalls entscheidend, sondern auch die Unsicherheit über die weitere Entwicklung. Händler und Abnehmer könnten als Reaktion auf Bedenken hinsichtlich zukünftiger Engpässe ihre Lagerbestände erhöhen, was wiederum zu einem weiteren Preisdruck führt. Eine wichtige Rolle spielen auch die Transportkosten, die Versicherungskosten und die Suche nach alternativen Exportrouten.

Der Anstieg der Getreidepreise kann sich darauf auswirken, wie Mehl, Backwaren, Futtermittel und andere Lebensmittelprodukte preislich entwickeln. Besonders betroffen könnten Länder sein, die auf Importe aus der Schwarzmeerregion angewiesen sind und neue Lieferanten beispielsweise in Westeuropa, Nord- und Südamerika oder Australien finden müssen. Analysten weisen gleichzeitig darauf hin, dass sich die Situation weiter verschlechtern könnte, wenn die Exporte weiterhin beeinträchtigt werden. Der Markt wird vor allem die Entwicklung des Exports aus russischen und ukrainischen Häfen, die Sicherheit der Seerouten und die Fähigkeit beider Länder beobachten, regelmäßige Lieferungen aufrechtzuerhalten.

Die aktuelle Entwicklung zeigt, wie stark geopolitische Konflikte die Weltpreise für wichtige landwirtschaftliche Rohstoffe beeinflussen können. Die Schwarzmeerregion bleibt eines der wichtigsten Zentren des globalen Getreidehandels, und ihre Destabilisierung stellt ein Risiko nicht nur für Händler, sondern vor allem für Verbraucher auf der ganzen Welt dar.

gnews.cz - jav

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