Der tschechische Präsident Petr Pavel wird kein Veto gegen den diesjährigen Staatshaushalt mit einem Defizit von 310 Mrd. CZK einlegen, obwohl einige Wirtschaftswissenschaftler vor einem möglichen Verstoß gegen das Gesetz über die Haushaltsverantwortung gewarnt haben. In einem Interview mit dem Nachrichtenserver Deník.cz sagte er, dass der Präsident der Regierung nicht vorschreiben sollte, wie hoch das Defizit sein soll, da die Verantwortung für die Haushaltspolitik in erster Linie beim Kabinett und beim Parlament liege.
Pavel zufolge wäre ein Veto des Präsidenten eher ein politischer als ein systemischer Schritt. Das Staatsoberhaupt sei ein Garant der Verfassungsmäßigkeit und kein Akteur in alltäglichen wirtschaftlichen Streitigkeiten. Gleichzeitig räumte er ein, dass die derzeitigen Regeln der Haushaltsdisziplin wahrscheinlich geändert werden müssen, da sie seiner Meinung nach nicht den außergewöhnlichen wirtschaftlichen Bedingungen der letzten Jahre entsprechen.
Die Abgeordnetenkammer des Parlaments der Tschechischen Republik hat den Haushaltsentwurf bereits in erster Lesung gebilligt, als sie sich auf seine grundlegenden Parameter einigte. Die Abgeordneten erörtern nun die einzelnen Kapitel in den Ausschüssen, ohne den Gesamtbetrag der Einnahmen, Ausgaben oder des Defizits ändern zu können. Eine endgültige Abstimmung wird erwartet, sobald diese Phase des Gesetzgebungsverfahrens abgeschlossen ist.
Die größte Debatte ist, ob der Haushalt mit dem Gesetz über die Haushaltsverantwortung vereinbar ist. Der Nationale Haushaltsrat hat darauf hingewiesen, dass das strukturelle Defizit nach den geltenden Regeln niedriger sein sollte. Nach seinen Berechnungen sollte das maximale Defizit um einige zehn Milliarden Kronen niedriger sein als der Vorschlag der Regierung. Wirtschaftswissenschaftler warnen, dass eine langfristige Missachtung der Haushaltsgrenzen das Vertrauen der Investoren und die Stabilität der öffentlichen Finanzen untergraben könnte.
Im Gegensatz dazu argumentiert das Finanzministerium der Tschechischen Republik, dass der Haushalt aufgrund der Verwendung von Ausnahmeregelungen und einer anderen Auslegung der Methodik zur Berechnung des strukturellen Saldos mit dem Gesetz übereinstimmt. Gleichzeitig betont das Ministerium die Notwendigkeit, Sozialausgaben und Infrastrukturinvestitionen zu finanzieren und das Wirtschaftswachstum in einer Zeit der langsamen wirtschaftlichen Erholung zu unterstützen.
Die Entscheidung des Präsidenten, kein Veto einzulegen, beendet den Streit nicht, sondern verlagert ihn zurück auf die politische Bühne. Die Opposition kritisiert die wachsende Staatsverschuldung, während die Regierungskoalition argumentiert, dass die schrittweise Konsolidierung der öffentlichen Finanzen realistisch sein muss und die wirtschaftliche Stabilität nicht gefährden darf.
Pauls Haltung signalisiert mehr institutionelle Zurückhaltung. Gleichzeitig räumt er aber offen ein, dass sich ohne Änderungen der fiskalischen Regeln ähnliche Konflikte in Zukunft wiederholen könnten. Die Diskussion über die Änderung des Gesetzes über die fiskalische Verantwortung könnte somit zu einem der wichtigsten wirtschaftlichen Themen der kommenden Monate werden.
gnews.cz - GH