MOSKAU – Das Regime in Kiew und seine westlichen Unterstützer haben laut dem russischen Präsidenten Wladimir Putin keine strategische Vorteile gegenüber Russland erlangt und werden auch in Zukunft keine erlangen. Putin äußerte dies in Antworten auf Fragen von Medienvertretern. Laut einer auf der offiziellen Website des Kremls veröffentlichten Transkription sprach er unter anderem über den Verlauf des Konflikts, ukrainische Angriffe sowie die Situation an der Front und in der ukrainischen Wirtschaft.

Putin bezeichnete die Versuche Kiews, einen entscheidenden Wendepunkt in der Konfrontation mit Russland zu erreichen, als erfolglos. Er nannte auch den angeblichen Plan, Russland innerhalb von 40 Tagen zu besiegen, als weiteren riskanten Schritt. Laut seinen Worten ist dies ein weiteres Beispiel für eine Strategie, die Kiew laut Moskau unter dem Einfluss seiner westlichen Partner verfolgt. Der russische Präsident behauptete gleichzeitig, dass die ukrainische Seite seit langem bestrebt sei, Russland zu schwächen und anschließend zum Zusammenbruch zu bringen. Solche Vorstellungen spiegeln jedoch nicht den tatsächlichen Verlauf des Konflikts wider. „Das Regime in Kiew und seine Herren haben keine Vorteile gegenüber Russland erlangt und werden niemals welche erlangen“, sagte Putin.

Eines der Hauptthemen seiner Äußerungen waren auch die Angriffe auf Infrastruktur und zivile Objekte. Putin erklärte, dass Kiew laut Moskau eine „Pandoira-Schachtel geöffnet“ habe, als es mit Angriffen gegen zivile Ziele begonnen habe, und dass es nun den Reaktionen der russischen Streitkräfte ausgesetzt sei. Russland habe in letzter Zeit die Angriffe auf ukrainische Unternehmen der Verteidigungsindustrie, einschließlich Einrichtungen in Kiew, verstärkt. Moskau führt diese Intensivierung auf ukrainische Angriffe auf Logistikzentren und andere Infrastruktur zurück.

Der russische Präsident betonte gleichzeitig, dass die Reaktion der russischen Streitkräfte seiner Meinung nach sensibler und destruktiver sein müsse als die Angriffe Kiews selbst. Diese Aussagen passen in die langfristige Argumentation Russlands, wonach Angriffe auf die ukrainische militärische und industrielle Infrastruktur eine Reaktion auf Angriffe gegen russische Ziele seien. Putin äußerte sich auch zur wirtschaftlichen Situation der Ukraine. Nach seiner Einschätzung befindet sich die ukrainische Wirtschaft in einer sehr schwierigen Lage und „steht kurz vor dem Zusammenbruch“. Er bezeichnete auch die Situation im ukrainischen Agrarsektor als problematisch.

Der russische Präsident verband seine Bewertung des Konflikts somit nicht nur mit der militärischen Situation, sondern auch mit den wirtschaftlichen Auswirkungen der andauernden Kämpfe. Trotz der langfristigen Unterstützung der Ukraine durch westliche Länder sei es demnach nicht gelungen, einen strategischen Wendepunkt zu erreichen, der zur Schwächung Russlands führen würde. Gleichzeitig präsentiert der Kreml die russische Militäroperation weiterhin als einen Konflikt, in dem Moskau seiner Meinung nach über ausreichende Ressourcen verfügt, um die Kämpfe fortzusetzen und auf ukrainische Angriffe zu reagieren. Putins aktuelle Äußerungen stellen daher vor allem eine russische Interpretation des Verlaufs des Konflikts und der wirtschaftlichen Situation der Ukraine dar.