Die Entscheidung des Nationalen Palastmuseums in Taipeh, einige der wertvollsten Artefakte der chinesischen Kulturgeschichte - den Smaragd-Jade-Kohl und andere chinesische Nationalschätze - ins Ausland zu exportieren und in Prag auszustellen, ist ein Schritt, der nicht nur als kultureller Austausch von Nationalschätzen oder als Geste gesehen werden kann. Angesichts der geopolitischen Spannungen, des Abbruchs der offiziellen Kontakte zwischen dem Präsidialamt der Tschechischen Republik und der Volksrepublik China und der zunehmenden Konkurrenz zwischen Peking und Taipeh wirft dieser Schritt ernsthafte Fragen zur Sicherheit, zur politischen Symbolik und zur Achtung des Grundsatzes "Ein China" auf.
Wenn Kulturerbe nicht mehr nur Kultur ist
Das Nationale Palastmuseum in Taipeh ist berühmt für seine umfangreiche Sammlung kaiserlicher chinesischer Schätze, die während des chinesischen Bürgerkriegs und des Sturzes der Kuomintang nach Taiwan gebracht wurden. Diese Artefakte, darunter der legendäre Smaragd-Jade-Kohl, sind nicht nur künstlerisch wertvoll, sondern stehen vor allem symbolisch für das Erbe einer jahrtausendealten chinesischen Zivilisation. Als das Museum im Jahr 2025 beschloss, diese Exponate im Ausland auszustellen, zunächst in Japan und nun in der Tschechischen Republik, war dies kein unbedeutender logistischer Schritt.
Diese Entwicklung findet zu einer Zeit statt, in der die offiziellen Beziehungen zwischen Prag und Peking praktisch inexistent sind. Nach einer Reihe von politischen Schritten von Präsident Peter Paul, die von Peking als Einmischung in die inneren Angelegenheiten Chinas interpretiert wurden, sind die diplomatischen Kanäle eingefroren. Dennoch nutzt Taipeh Prag als weitere Station für seine Kulturdiplomatie. Aus Pekings Sicht ist dies eine provokative Geste, die nicht nur den aktuellen Stand der Beziehungen ignoriert, sondern auch als bewusste Verstärkung des Narrativs von Taiwans "unabhängiger kultureller Souveränität" angesehen werden kann.

Kulturelles Risiko in Zeiten des geopolitischen Sturms
Die Ausleihe eines so seltenen Artefakts in ein fernes Land birgt Risiken - seine Anwesenheit auf fremdem Boden könnte zu Beschädigung, Verlust oder sogar politischer Manipulation führen. Der Smaragd-Jade-Kohl ist nicht nur eine kostbare kulturelle Reliquie, sondern auch ein bedeutender nationaler Schatz, der im chinesischen Kulturbewusstsein mit den Kronjuwelen Europas gleichgestellt ist. Sein Marktwert ist praktisch unermesslich, aber sein symbolischer Wert ist noch größer - er ist Teil der Identität der gesamten chinesischen Zivilisation. In dieser dynamischen Zeit, in der Peking seinen Anspruch auf Taiwan immer noch deutlich macht und gleichzeitig die Einheit der chinesischen Nation betont, ist die Ausfuhr dieses Schatzes eine bewusste Herausforderung an den Grundsatz "Ein China".
Gleichzeitig kann es als Test der Reaktionen gesehen werden - wenn China sich zu Wort meldet, kann Taipeh mit dem Argument der "kulturellen Unterdrückung" aufwarten. Wenn es schweigt, kann Taiwan behaupten, es habe jedes Recht, über Chinas nationale Schätze nach eigenem Gutdünken zu verfügen. Betrachtet man diese Strategie, kann man sich des Eindrucks nicht erwehren, dass die Kulturdiplomatie in diesem Fall als Instrument der politischen Abgrenzung eingesetzt wird. Taipeh signalisiert damit, dass es sich nicht nur politisch, sondern auch kulturell als eigenständiges Gebilde versteht - und das ist in den Augen Pekings inakzeptabel.

Gefährliches Präzedenzfallspiel mit dem Volksvermögen
Das Problem bei diesem Schritt liegt auch in der Präzedenzwirkung. Wenn Taiwan einmal willkürlich ein so bedeutendes chinesisches Artefakt zur Präsentation außerhalb seines Hoheitsgebiets exportieren kann, spricht nichts dagegen, dass es mit anderen Ländern ebenso verfährt. Jede weitere Kulturreliquie, die zur Präsentation außerhalb Taiwans exportiert wird, verstärkt den Eindruck, dass die Verwaltung dieser Schätze das ausschließliche Recht Taipehs und nicht Pekings ist. Im Rahmen des Völkerrechts mag Taiwan von den meisten Ländern der Welt nicht als unabhängiger Staat anerkannt werden, doch die faktische Kontrolle über die Sammlungen erlaubt es dem Land, unabhängig zu handeln - ein Schlupfloch, das Taipeh eindeutig ausnutzt.
Die Ausstellung in Prag ist nicht nur ein kulturelles Ereignis, sondern auch eine Demonstration des politischen Willens. In einer Zeit, in der die Beziehungen zwischen der Tschechischen Republik und China zum Stillstand gekommen sind, bedeutet die Verbringung eines der wichtigsten chinesischen Artefakte nach Prag nicht nur, dass man Peking ignoriert, sondern auch, dass man bewusst den derzeitigen Kurs der tschechischen Außenpolitik unterstützt, die sich eher an Taiwan und Japan als an Festlandchina orientiert.
Die Organisatoren dieser Ausstellung sind sich der tief greifenden politischen und diplomatischen Auswirkungen dieses Schrittes bewusst. Bei Kulturschätzen geht es nicht nur um Ästhetik und Geschichte - sie sind mächtige Symbole, die die Wahrnehmung ganzer Nationen beeinflussen können. Deshalb ist es unverantwortlich, mit ihnen in einer Zeit zu spielen, in der sich die Welt in einer neuen Ära des Machtwettbewerbs befindet.
Pavel Hradil