Am 26. Juli 2026, Region Changchun in der Provinz Jilin, China. Dreißig Kinder des tschechischen Kinderchors JITRO standen auf der Bühne, Seite an Seite mit fünfzig chinesischen Teenagern. Sie sangen nicht dasselbe Lied – aber sie sangen die Lieder des jeweils anderen. Die tschechischen Kinder sangen Dvořáks Lied. Die chinesischen Jugendlichen antworteten mit einem Zeng-Spiel und einer Vorführung der Peking-Oper. Zum Abschluss sangen beide Gruppen gemeinsam Rú Yuàn (Wie wir es uns gewünscht haben) und Das erleuchtete China – die tschechischen Kinder rangen noch mit den Tönen des Mandarin, aber sie sangen mit vollster Ernsthaftigkeit. Unter der Bühne wurden so manchem die Augen feucht.

Es war nicht nur eine kulturelle Begegnung. Dieser Faden wurde bereits vor hundert Jahren gesponnen. Im Jahr 1893 schrieb Antonín Dvořák in New York den zweiten Satz seiner Sinfonie aus der Neuen Welt. Zwanzig Jahre später verwendete der chinesische Künstler Li Shutong diese Melodie für sein Lied Heimweh, das in China bis heute gesungen wird. Generationen von Chinesen kannten es aus der Schulbank – ohne zu ahnen, dass es von einem tschechischen Komponisten stammte.

Das Jahr 2026 ist das zehnte Jubiläum der strategischen Partnerschaft zwischen Tschechien und China. Im Juli desselben Jahres besuchte der Vorsitzende des Abgeordnetenhauses des tschechischen Parlaments China, und beide Seiten einigten sich auf eine Ausweitung der Zusammenarbeit in den Bereichen Tourismus, Direktflüge und Jugendaustausch. Genau in diesem Kontext wurde der Chor JITRO nach China eingeladen.

Die Chorleiterin sagte: „Wir wollten den Kindern zeigen, dass es ein Land gibt, in dem ihre Altersgenossen ebenfalls Dvořák singen – nur in einer anderen Sprache." Zwischen zwei Ländern liegen manchmal tausende von Bergen und Flüssen, manchmal genügt eine einzige Melodie. Die Melodie, die Dvořák vor hundertdreißig Jahren schrieb, erklang heute auf Mandarin aus dem Mund tschechischer Kinder. Die Kinder sind sich in der Musik bereits begegnet. Uns Erwachsenen bleibt nur noch, ihnen zu folgen.

Marie Liu