Das deutsche Militär testet eine ungewöhnliche Methode, um neue Interessenten für den Dienst zu gewinnen. Die Rekrutierungskampagne der Bundeswehr wird nun auf Dönerverpackungen präsentiert, über die Menschen mithilfe von QR-Codes direkt zu Stellenangeboten gelangen können. Hinter dieser unkonventionellen Kampagne verbirgt sich jedoch ein ernstes Problem: Deutschland muss in den nächsten Jahrzehnten deutlich mehr Soldaten rekrutieren, wie das Portal Politico berichtet.
Die Bundeswehr sucht neue Rekruten dort, wo viele junge Menschen täglich anzutreffen sind – in Dönerbuden und Restaurants. Die speziell bedruckten Verpackungen für das beliebte Streetfood enthalten einen QR-Code, der Interessenten zu Möglichkeiten des Dienstes im Gesundheitsbereich der deutschen Streitkräfte führt.
Die neue Rekrutierungskampagne wurde vom Portal Politico unter Berufung auf den Berliner Kurier beschrieben. Laut dem deutschen Verteidigungsministerium soll die Werbung nicht nur junge Menschen ansprechen, die sich gerade über ihre berufliche Zukunft informieren, sondern auch erfahrene Mitarbeiter, qualifizierte Fachkräfte oder Personen, die eine Karriereveränderung in Erwägung ziehen.
Die Bundeswehr nutzt dabei das Konzept des „Ambient Advertising“ – also Werbung, die direkt in die Umgebung platziert wird, in der sich potenzielle Bewerber aufhalten.
Restaurants erhalten die Verpackungen kostenlos
Die Betreiber von Dönerrestaurants beteiligen sich freiwillig an der Kampagne und werden laut dem deutschen Verteidigungsministerium nicht für die Verbreitung der Werbung bezahlt.
Ein Anreiz ist unter anderem, dass die Unternehmen die bedruckten Verpackungen kostenlos erhalten. Für die Bundeswehr bietet dies gleichzeitig die Möglichkeit, Rekrutierungsbotschaften außerhalb traditioneller Plakate, Online-Kampagnen oder Jobmessen zu verbreiten.
Döner gehört insbesondere in den großen deutschen Städten zu einem äußerst beliebten Fastfood. So kann die Werbung Menschen erreichen, die sonst keine militärischen Rekrutierungsmaterialien suchen würden.
Bundeswehr benötigt Zehntausende weitere Soldaten
Hinter der etwas humorvollen Kampagne verbirgt sich ein deutlich ernsteres Personalproblem. Deutschland plant, seine Streitkräfte in den kommenden Jahren erheblich zu erweitern, um neue Verpflichtungen im Rahmen der NATO-Verteidigungspläne erfüllen zu können.
Laut dem aktuellen Personalplan soll die Bundeswehr bis zum Jahr 2035 mindestens 260.000 aktive Soldaten und etwa 200.000 Reservisten umfassen. Dieses Ziel basiert auf neuen Anforderungen der NATO, die im Jahr 2025 verabschiedet wurden.
Ende Juni 2026 dienten in den deutschen Streitkräften 185.196 Soldaten, und weitere über 81.000 Personen waren in zivilen Positionen für die Bundeswehr tätig. Laut Angaben von Politico stieg die Zahl der aktiven Soldaten bis Ende Juli weiter auf 186.705.
Deutschland muss also in den kommenden Jahren etwa 73.000 zusätzliche aktive Soldaten gewinnen, um das geplante Ziel zu erreichen.
Die Bundeswehr wächst bereits. Im Jahr 2025 wurden rund 25.000 Männer und Frauen eingestellt, was die höchste Zahl neuer Rekruten seit der Aussetzung des Wehrdienstes darstellt. Seit Januar 2026 gibt es zudem ein neues System des Wehrdienstes, das in Friedenszeiten vor allem auf Freiwilligkeit basiert.
Armeen suchen nach neuen Wegen, um junge Menschen zu erreichen
Deutschland ist nicht das einzige europäische Land, das mit unkonventionellen Rekrutierungsmethoden für das Militär experimentiert.
Das britische Militär erregte bereits im Jahr 2019 Aufmerksamkeit mit einer Kampagne, die sich an eine Generation junger Menschen richtete, die beispielsweise als „Snowflakes“, Selfie-Liebhaber oder „Zombies, die an ihren Telefonen kleben“ bezeichnet werden. Ziel war es, zu zeigen, dass Eigenschaften dieser jungen Generation, die manchmal verspottet werden, vom Militär als Stärke genutzt werden können.
Frankreich hat im Jahr 2024 eine umfassende Multimedia-Rekrutierungskampagne gestartet, und die Niederlande bieten jungen Menschen die Möglichkeit, ein bezahltes Jahr in Uniform zu verbringen.
Die europäischen Armeen reagieren damit auf einen grundlegenden Wandel der Sicherheitslage. Die Bundeswehr selbst gibt an, dass sich nach dem russischen Angriff auf die Ukraine gezeigt hat, dass ihre ehemals geplante Stärke von 203.000 aktiven Soldaten für eine glaubwürdige Abschreckung und für neue Aufgaben der NATO nicht ausreichend sei.
Kebabverpackungen mit QR-Code können auf den ersten Blick wie eine Marketingneuheit wirken. Tatsächlich sind sie jedoch Teil eines viel umfassenderen Bestrebens Berlins, Zehntausende weitere Deutsche davon zu überzeugen, ihre Zukunft mit dem Militär zu verbinden.
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