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Die französischen Präsidentschaftswahlen 2027 entwickeln sich laut einer neuen Umfrage von Odoxa zu einem viel spannenderen Wettkampf, als es noch vor kurzem die ersten Prognosen vermuten ließen. Laut dem Nachrichtenportal Politico könnte der Vorsitzende der rechtspopulistischen Partei Rassemblement National, Jordan Bardella, laut der aktuellen Umfrage im zweiten Wahlgang den ehemaligen Premierminister Édouard Philippe knapp mit 52 zu 48 Prozent besiegen. Eine noch wichtigere Nachricht ist jedoch der deutliche Anstieg der Unterstützung für den linksradikalen Politiker Jean-Luc Mélenchon, der sich im ersten Wahlgang Édouard Philippe annähert.

Die Umfrage zeigt, dass Bardella seine Position als Hauptfavorit behauptet. Sein Ergebnis bestätigt einen längerfristigen Trend, wonach die Rassemblement National nicht mehr nur am Rande der französischen Politik agiert, sondern zu einer der wichtigsten Kräfte geworden ist, die realistische Chancen auf das Élysée-Palast hat. Für die französischen Mitte- und Liberalpolitiker ist vor allem die Schwächung von Édouard Philippe alarmierend, der als akzeptabler Kandidat für einen Teil der Rechten, der Mitte und der gemäßigten Wähler galt.

Laut Odoxa würde Mélenchon im ersten Wahlgang 16 Prozent der Stimmen erhalten, während Philippe auf 17 Prozent sinken würde. In einer früheren, vergleichbaren Umfrage hatte Philippe 21 Prozent und Mélenchon 12 Prozent. Das bedeutet, dass sich der Unterschied zwischen ihnen deutlich verringert hat und der Einzug von Philippe in den zweiten Wahlgang nicht mehr als selbstverständlich gilt. Der Leiter von Odoxa, Gaël Sliman, bezeichnete das Ergebnis als Warnung für Philippe, da dieser gleichzeitig gegen Bardella an Boden verliert und den Druck von Mélenchon spürt.

Für das französische politische Zentrum wäre ein Duell zwischen Bardella und Mélenchon ein äußerst unangenehmes Szenario. Eine ältere Umfrage von Odoxa aus dem November zeigte, dass Bardella gegen Mélenchon im zweiten Wahlgang sehr deutlich siegen würde, mit 74 zu 26 Prozent. Das deutet darauf hin, dass Mélenchon zwar linke Wähler mobilisieren kann, aber gleichzeitig für einen großen Teil des Wählerstamms eine sehr polarisierende Persönlichkeit bleibt.

Mélenchon gewinnt jedoch vor allem im linken Spektrum an Zustimmung. Laut der Umfrage ist er bei linken Wählern beliebter als der ehemalige Präsident François Hollande und der Europaabgeordnete Raphaël Glucksmann. Das könnte die Bemühungen der Linken um einen gemeinsamen Kandidaten weiter erschweren. Gleichzeitig gilt, dass Präsident Emmanuel Macron aufgrund der Verfassung im Jahr 2027 nicht zum dritten Mal kandidieren kann, sodass der politische Mittelbereich die Nachfolge regelt und das Risiko einer Zersplitterung der Stimmen besteht. Der ehemalige Premierminister Gabriel Attal ist ebenfalls in das Rennen eingestiegen, was den Wettbewerb im politischen Zentrum weiter verkomplizieren könnte.

Das Ergebnis der Umfrage ist daher nicht nur ein momentanes Stimmungsbild. Es zeigt, dass Frankreich auf Wahlen zusteuert, bei denen nicht nur die Stärke der Rassemblement National, sondern auch die Schwäche und Zersplitterung ihrer Gegner entscheidend sein könnten.

gnews.cz - GH