In den folgenden Zeilen wird die fotografische und kuratorische Tätigkeit dieser bedeutenden künstlerischen Persönlichkeit der Tschechischen Republik für Liebhaber dieser Kunstform vorgestellt. Die Präsentation der Werke Štreits findet vom 21.5. bis zum 6.9. dieses Jahres im Olmützer Museum für moderne Kunst statt und wurde in Zusammenarbeit mit der Galeria Fotografii Miasta Rzeszowa und dem Muzeum Górnictwa Węglowego w Zabrzu realisiert. Wie bereits angedeutet, stellt die Ausstellung zwei wichtige Ebenen von Štreits Wirksamkeit dar: seine fotografische Schaffensarbeit und seine langjährige kuratorische Tätigkeit an der ehemaligen Schule in Sovinci. Beide verbinden ein gemeinsames Thema – den tiefen Interesse an Menschen und ihrem täglichen Leben.

Menschen an erster Stelle

Der erste Teil der Ausstellung präsentiert bisher unveröffentlichte Fotografien aus den 1980er Jahren des vergangenen Jahrhunderts, die in der Umgebung der ehemaligen Sudeten entstanden. Der Autor hat sie damals angefertigt, stellte sie jedoch niemals aus. Erst nach vielen Jahrzehnten werden sie nun wieder lebendig. Es geht jedoch, wie Tomáš Kasal, der Pressesprecher des Museums, feststellt, nicht nur um eine Dokumentation des ländlichen Raums vor 1989. Štreit erfasst zwischenmenschliche Beziehungen, Traditionen, Freuden und Schwierigkeiten des alltäglichen Lebens. In seinen Bildern wird das Dorf zum verkleinerten Modell der gesamten Gesellschaft. Hier sehen wir Zusammenhalt und Einsamkeit, Müdigkeit und Hoffnung. Was jedoch entscheidend ist – seine Fotografien sind keine Sensation oder Kritik aus der Distanz. Sie entstanden aus einer persönlichen Beziehung, aus Vertrauen und langfristigem Kontakt mit den lokalen Menschen. Štreit stand niemals beiseite. Er war Teil der Umgebung, die er fotografierte. Und gerade diese Menschlichkeit verleiht seinen Aufnahmen auch nach Jahrzehnten Kraft.

imageresize_20260605_121942.jpg

Der Mut, in schwierigen Zeiten zu schaffen

Der zweite Teil der Ausstellung erinnert an Štreits kuratorische Tätigkeit in Sovinci, wo er ab 1974 einen Treffpunkt für Künstler außerhalb der offiziellen kulturellen Zentren schuf. In der Zeit der Normalisierung, unter der Aufsicht der Zensur und der Staatsmacht, gelang es ihm, einen Raum für freien Meinungsaustausch und Schaffensarbeit zu schaffen. Das Jahr 1982 brachte für ihn jedoch einen dramatischen Bruch – er wurde des Verleumdens der Republik beschuldigt. Diese Erfahrung hätte viele gebrochen. Bei Štreit hingegen, wie Kasal bestätigt, stärkte sie seinen Entschluss, weiterzumachen. Auch wenn er nur eingeschränkt ausstellen und überwiegend in alternativen Räumen konnte, hörte er nicht auf, zu schaffen und andere zu unterstützen.

imageresize_20260605_121949.jpg

Aktivität als Lebenshaltung

Das Leben von Jindřich Štreit zeigt, dass Aktivität keine Frage des Alters, sondern der Haltung ist. Sein ganzes Leben lang interessiert er sich für soziale Themen, für Menschen am Rand der Gesellschaft, für diejenigen, die nicht so sichtbar sind. Er fotografierte Senioren, gesundheitlich benachteiligte Personen und Menschen in schwierigen Lebenssituationen. Immer mit Respekt und Empathie. Seine Geschichte kann inspirieren: Jeder von uns kann innerhalb seiner Möglichkeiten aktiv sein. Manche helfen durch Fotografie, andere durch Ehrenamt, Pflege für Angehörige oder Interesse an Nachbarn. Wichtig ist, nicht gleichgültig zu bleiben. Die Ausstellung „Z města ven!“ orientiert sich grundsätzlich nicht in die Vergangenheit. Wie Tomáš Kasal bei der Vernissage dieser außergewöhnlichen kulturellen und gesellschaftlichen Veranstaltung feststellte, zeigt sie eher, dass man auch im Achtzigsten voller Energie, Interesse und Schaffenslust sein kann. Und dass ein aktives Leben, Offenheit gegenüber anderen und Hilfsbereitschaft dem menschlichen Alter Tiefe und Sinn verleihen.

imageresize_20260605_121946.jpg

Lebenslauf

Telegrafisch: Jindřich Štreit wurde am 5.9.1946 in Vsetín im Valašsko geboren. Er besuchte das Gymnasium in Rýmařov (1963) und die Pädagogische Fakultät der Universität Palacký in Olmütz, Fachbereich Bildende Erziehung (1967). Neben seiner pädagogischen Arbeit und fotografischen Tätigkeit widmet er sich gemeinnützigen Arbeiten.

`

Seit 1974 leitete er eine Galerie in Sovinec, seit 1997 in Bruntál.

Seit 1981 arbeitet er eng mit progressiven Künstlern aus Prag, Brünn und Bratislava sowie aus anderen kulturellen Zentren der Tschechischen Republik und des Auslandes zusammen. Jindřich Štreit ist seit 1994 freier Fotograf. Im Jahr 2000 habilitierte er sich an der Film- und Fernsehfakultät der Akademie der Musischen Künste in Prag und wurde zum Dozenten für den Bereich Fotografie ernannt. Im Jahr 2014 verlieh ihm der Kunstbeirat der Hochschule für Kunst und Design in Bratislava den Ehrendoktortitel.

Die künstlerische Tätigkeit von Jindřich Štreit ist beeindruckend. Er hat mehr als 1.600 eigene Ausstellungen realisiert, 98 fotografische Publikationen herausgegeben und zahlreiche Ausstellungskataloge veröffentlicht. Seine Werke sind in einer Reihe bedeutender internationaler Sammlungen vertreten, darunter das UMPRUM in Prag und die National Gallery in Washington.

Ivan Černý