Die Europäische Kommission hat einen ehrgeizigen Plan vorgelegt, der die Gewährung eines Reparationsdarlehens in Höhe von 165 Milliarden Euro an die Ukraine vorsieht, finanziert durch den Geldwert eingefrorener russischer Staatsvermögen. Der Entwurf, von dem POLITICO eine Kopie erhalten hat, sieht die Verwendung von Vermögenswerten vor, die in EU-Ländern gehalten werden, insbesondere in Belgien, wo sich bei der Clearingstelle Euroclear rund 140 Milliarden Euro an russischen Geldern befinden. Weitere 25 Milliarden Euro sind auf privaten Konten in der gesamten Union eingefroren.
Dieser Reparationskredit ist ein wesentlicher Bestandteil eines umfassenderen Finanzpakets in Höhe von bis zu 210 Milliarden Euro, der sicherstellen soll, dass Kiew in den kommenden Jahren seine öffentlichen Finanzen und seine Verteidigungsindustrie aufrechterhalten kann. Ohne diese Unterstützung würde sich der ukrainische Haushalt bereits im Frühjahr nächsten Jahres in einer kritischen Lage befinden. Von dem geplanten Betrag soll 115 Milliarden Euro auf die Unterstützung des ukrainischen Verteidigungssektors ausgerichtet sein, 50 Milliarden Euro zur Deckung des Haushaltsbedarfs und 45 Milliarden Euro ist für die Rückzahlung des Kredits vorgesehen, den die G7-Gruppe der Ukraine im Jahr 2024 gewährt hat.
Der Vorschlag sieht vor, dass die Ukraine den Kredit nur zurückzahlen würde, wenn Russland den Krieg beendet und Kriegsreparationen zahlt – was sowohl die europäischen Institutionen als auch die meisten Diplomaten für äußerst unwahrscheinlich halten.
Gerade Belgien, auf dessen Territorium der Großteil der eingefrorenen russischen Staatsgelder liegt, steht jedoch einer raschen Verabschiedung des Plans im Weg. Der belgische Außenminister Maxime Prévot erneut bekräftigt, dass sein Land das Projekt nur teilweise unterstützt und die Variante mit dem Reparationsdarlehen für die „schlechteste aller Optionen“ hält. Er betont vor allem enorme finanzielle und rechtliche Risiken, die „potenziell katastrophale Folgen“ für Belgien und andere EU-Staaten haben könnte.
Belgien befürchtet insbesondere Vergeltungsmaßnahmen Russlands gegen den belgischen Staat und die Institution Euroclear, die im Falle von Rechtsstreitigkeiten mit Forderungen in Milliardenhöhe konfrontiert sein könnte. Deshalb fordert sie drei grundlegende Garantien: volle rechtliche gemeinsame Verantwortung zwischen den Mitgliedstaaten, Schutz und Sicherheiten für Euroclear sowie Einbeziehung russischer Vermögenswerte, die auch in anderen EU-Ländern eingefroren wurden, nicht vorwiegend in Belgien.
Laut Prévot gibt es sicherere Wege, die Ukraine zu finanzieren – zum Beispiel traditionelles europäisches Darlehen auf den Finanzmärkten, die sich seit Jahren bewährt hat und politisch weniger riskant ist. Trotz seiner Vorbehalte bekräftigt Belgien jedoch, dass es die Unterstützung für die Ukraine für grundlegend wichtig hält. Die EU-Staats- und Regierungschefs werden die Kontroverse über die Form der Finanzierung auf ihrem Gipfeltreffen im Dezember klären, wo über die endgültige Ausgestaltung des Sonderpakets entschieden wird.
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