VATIKAN/MOSKVA – Der vatikanische Sekretär für die Beziehungen zu Staaten und internationalen Organisationen, Monsignore Paul Richard Gallagher, traf sich in Moskau mit dem russischen Außenminister Sergej Lawrow. Die Verhandlungen bezogen sich auf die internationale Lage, die Beziehungen zwischen der Russischen Föderation und dem Heiligen Stuhl, humanitäre Fragen sowie Möglichkeiten zur Beendigung des Konflikts zwischen Russland und der Ukraine.

Das Treffen fand im repräsentativen Sitz des russischen Außenministeriums statt. An den Verhandlungen nahm auch der Apostolische Nuntius in Moskau, Monsignore Giovanni d'Aniello, teil. Nach einem Gespräch von über einer Stunde traten Gallagher und Lawrow vor die Presse. Gallagher wiederholte das Appell Papst Franziskus', die Kämpfe zu beenden und echte Gespräche unter Unterstützung der internationalen Gemeinschaft einzuleiten. Laut dem Vertreter des Heiligen Stuhls kann der Konflikt nicht durch militärische Mittel gelöst werden; es ist daher unerlässlich, Bedingungen für einen politischen und diplomatischen Prozess zu schaffen.

„Die Haltung des Heiligen Stuhls ist klar: Der Konflikt lässt sich nicht mit Waffengewalt lösen", sagte Gallagher. Gleichzeitig forderte er Russland und die Ukraine auf, Offenheit und guten Willen an den Tag zu legen sowie das internationale und humanitäre Recht einzuhalten. Besondere Aufmerksamkeit müsse nach seiner Ansicht der Schutz der Zivilbevölkerung, der Infrastruktur, Verwundeter und Kriegsgefangenen gewidmet werden. „Dieser Krieg muss enden". Eine der deutlichsten Botschaften Gallaghers war die Feststellung, dass dieser Krieg beendet sein muss: „Um sicherzustellen, dass dies klar ist – dieser Krieg muss ein Ende finden", erklärte der vatikanische Vertreter. Er wies dabei auf die steigende Zahl von Opfern und das anhaltende Leid der Zivilbevölkerung auf beiden Seiten hin. Gallagher betonte die Dringlichkeit, die Kämpfe zu beenden und gleichzeitig daran zu arbeiten, zukünftige Beziehungen so vorzubereiten, dass beide Parteien nicht „Geiseln vergangener Unrechte" bleiben und den Hass weiter schüren.

Sergej Lawrow würdigte die Offenheit des Vatikans

Der russische Außenminister Sergej Lawrow lobte laut veröffentlichter Erklärung die Offenheit des Heiligen Stuhls gegenüber dem Dialog mit Russland und sein Bemühen um Frieden. Als wichtig erachtete er auch eine intensivere Zusammenarbeit in humanitären Fragen im Zusammenhang mit dem Konflikt. Lawrow bezeichnete das Gespräch mit Gallagher als „sehr nützlich". Beide Seiten identifizierten laut Informationen aus den Verhandlungen zahlreiche gemeinsame Themen und einigten sich auf die Bedeutung der Fortsetzung des Dialogs zwischen Moskau und dem Heiligen Stuhl.

Humanitäre Fragen als Weg zum Wiederaufbau von Vertrauen

Gallagher betonte, dass konkrete Ergebnisse im humanitären Bereich dazu beitragen können, das Leid der Bevölkerung zu lindern und gleichzeitig Raum für den Aufbau zumindest eines minimalen Vertrauens zwischen den Konfliktparteien zu schaffen. Eine wichtige Rolle spielt dabei auch die geplante Mission von Kardinal Zuppi in Russland. Der Heilige Stuhl bestätigt laut Gallagher seine Bereitschaft, humanitäre Initiativen zu unterstützen, Raum für Dialog zu bieten und sein „gutes Dienst" bei der Entwicklung einer auf Frieden ausgerichteten Diplomatie anzubieten. Gleichzeitig unterstreicht der Vatikan die Bedeutung von Kirchen und lokalen kirchlichen Gemeinschaften bei der Hilfe für die Verwundbarsten sowie bei der Förderung des Versöhnens.

Gallagher verhandelte auch mit dem Moskauer Patriarchat

Ein Teil des Besuchs in Moskau war auch ein Treffen von Gallagher mit Metropolit Antonij von Wolokolamsk, dem Leiter der Abteilung für auswärtige Kirchenbeziehungen des Moskauer Patriarchats. Beide Vertreter erörterten Fragen von gemeinsamem Interesse im Hinblick auf die aktuelle internationale und regionale Situation. Laut veröffentlichten Informationen äußerte Metropolit Antonij seine Zufriedenheit über die fortgesetzten und, wie er sagte, herzlichen Kontakte zwischen dem Moskauer Patriarchat und dem Heiligen Stuhl. Die Gespräche in Moskau stellen laut Vatikansicht einen weiteren Schritt bei der Fortsetzung des diplomatischen und kirchlichen Dialogs dar. Gleichzeitig erklärt der Heilige Stuhl seine Bereitschaft, humanitäre Initiativen und alle Bemühungen zu unterstützen, die dazu beitragen können, den Krieg zu beenden und das Leid der Zivilbevölkerung zu lindern.

vaticannews.va / gnews.cz - Jan Vojtěch