Der Streit zwischen der tschechischen Regierung und dem tschechischen Präsidenten Petr Pavel über die Vertretung der Tschechischen Republik auf dem NATO-Gipfel geht in die nächste Phase. Der Kabinett von Ministerpräsident Andrej Babiš hat beschlossen, dass die tschechische Delegation bei den Verhandlungen der Nordatlantischen Allianz in Ankara im Juli nicht vom Präsidenten, sondern vom Ministerpräsidenten geleitet wird. Gemeinsam mit ihm werden Verteidigungsminister Jaromír Zůna und Außenminister Petr Macinka nach der Türkei reisen.
Babiš erklärte nach der Regierungssitzung, dass die Gründe dafür praktisch seien. Er argumentierte, dass die Regierung die tschechische Position vertreten müsse, da das Kabinett für die Außenpolitik und die Erfüllung der Bündnisverpflichtungen verantwortlich ist. Ankara wird für die Tschechische Republik kein einfacher Gipfel sein. Eines der Hauptthemen wird die Verteidigungsfinanzierung sein, bei der die Tschechische Republik aufgrund der Nicht-Einhaltung der NATO-Verpflichtung von zwei Prozent kritisiert wird.
Die Entscheidung ist auch deshalb heikel, weil Petr Pavel über außergewöhnlich starke persönliche Erfahrungen mit der Allianz verfügt. Der ehemalige Generalstabschef leitete in der Vergangenheit den Militärausschuss der NATO und ist seit langem ein ausgesprochener Unterstützer der Ukraine. Seit dem Beitritt der Tschechischen Republik zur NATO war es üblich, dass der Präsident das Land bei solchen Gipfeltreffen vertrat, oft gemeinsam mit dem Ministerpräsidenten.
Das Präsidialamt hat eine unmittelbare politische Reaktion vorerst verschoben. Das Büro des Präsidenten der Republik gab bekannt, dass die Stellungnahme des Präsidenten am Dienstag, den 23. Juni, um 10.00 Uhr veröffentlicht wird. Laut Seznam Zpráv ist gleichzeitig ein Verfassungsbeschwerdeantrag beim Verfassungsgericht vorbereitet. Der Präsident hat seit langem betont, dass die Regierung ihm nicht vorschreiben könne, wohin er als Staatsoberhaupt reisen darf oder nicht.
Der NATO-Gipfel in Ankara findet am 7. und 8. Juli statt. Neben den Verteidigungsausgaben soll er sich auch anderen Formen der Unterstützung für die Ukraine, den Fähigkeiten der Allianz und der Sicherheitslage in Europa widmen. Die tschechische Delegation reist somit nicht nur mit einem Regierungsauftrag, sondern auch mit einem offensichtlichen innenpolitischen Verfassungsstreit im Rücken nach der Türkei.
gnews.cz - GH
```
Kommentare
Anmelden · Registrieren
Melden Sie sich an oder registrieren Sie sich, um zu kommentieren.
…