Im Vorfeld der Tagung des Europäischen Rates hat Premierminister Andrej Babiš die Staats- und Regierungschefs der EU gewarnt, dass die derzeitige Energiepolitik und der regulatorische Druck die Verfügbarkeit von Gas und Öl grundlegend gefährden könnten. In seinem Schreiben fordert er eine Überprüfung der Emissionsvorschriften, die Verschiebung einiger Maßnahmen und die Stärkung der Energiesicherheit.
Premierminister Andrej Babiš hat sich mit einem langen Brief an die Staats- und Regierungschefs der Europäischen Union, Bundespräsidentin Ursua von der Leyen und den Präsidenten des Europäischen Rates Charles Michel, gewandt. Darin warnt er vor den wachsenden Risiken im Zusammenhang mit den Energiepreisen und der Festlegung europäischer Vorschriften.
In ihrer Mitteilung betont die Kommission, dass die Energieversorgungssicherheit nicht mehr nur eine strategische Frage ist, sondern ein direkter Wirtschaftsfaktor, der sich auf die Wettbewerbsfähigkeit der EU als Ganzes auswirkt. Sie weist darauf hin, dass die EU im Jahr 2025 rund 330 Mrd. m³ Erdgas verbrauchen wird, wobei sie nur etwa zehn Prozent ihrer eigenen Produktion nutzt. Den Rest muss Europa importieren, wobei Norwegen und die Vereinigten Staaten mit rund 60 % der Importe eine Schlüsselrolle spielen.
Babiš zufolge ist der Markt zwar derzeit relativ stabil, reagiert aber äußerst empfindlich auf geopolitische und regulatorische Veränderungen. Die aktuellen Entwicklungen, insbesondere im Nahen Osten, zeigen, wie schnell das Gleichgewicht gestört werden kann, sagte er.
Besonders kritisch sieht der Premierminister die europäische Verordnung über Methanemissionen, die die Bedingungen für die Förderung, den Transport und den Import von Gas ab 2024 erheblich verschärft. Er weist darauf hin, dass die neuen Vorschriften strenge Grenzwerte für Leckagen vorschreiben, das routinemäßige Ablassen und Abfackeln von Methan verbieten und schrittweise auf Importeure ausgedehnt werden. Ab 2027 müssen neue Verträge strenge Vorschriften zur Überwachung der Emissionen in der gesamten Lieferkette erfüllen.
Nach Modellrechnungen der Industrie könnten unter diesen Bedingungen bis zu 41-43 % der derzeitigen EU-Gaseinfuhren formell nicht konform sein. Babiš warnt, dass dies kein hypothetisches Risiko ist, sondern ein Faktor, der sich bereits auf Investitionen und Energiepreise auswirkt.
In diesem Zusammenhang fordert sie die Europäische Union auf, schnell und pragmatisch zu handeln. Er schlägt vor, den Zeitplan für die Einführung von Methanregeln zu überdenken, die CSDDD zu verschieben und die Taxonomie so anzupassen, dass Erdgas bis mindestens 2045 eine anerkannte Übergangsressource bleibt.
Gleichzeitig fordert er die Schaffung eines klaren Rechtsrahmens, der es den Mitgliedstaaten ermöglicht, langfristige Gaslieferverträge außerhalb der EU abzuschließen, wobei Rechtssicherheit, eine Risikoteilung zwischen dem Staat und dem Privatsektor und die Nutzung von Instrumenten wie Differenzverträgen gewährleistet werden müssen. Ohne diese Schritte laufe Europa Gefahr, seine Verhandlungsmacht zu verlieren und zu einem reinen „Preisnehmer“ auf dem Weltmarkt zu werden.
Das Schreiben befasst sich auch mit dem Erdölsektor. Dem Schreiben zufolge verbraucht die Europäische Union jährlich etwa 520 Millionen Tonnen Öl, wobei der Anteil der eigenen Produktion nur gering ist. Die EU importiert daher mehr als 99 % Öl, wobei die Hauptlieferanten wiederum die Vereinigten Staaten, Norwegen und Kasachstan sind.
Babiš zufolge ist auch der Verlust von Raffineriekapazitäten ein großes Problem: Die Europäische Union hat in den letzten fünfzehn Jahren mehr als 40 % ihrer Kapazitäten verloren, was die Abhängigkeit von Importen fertiger Kraftstoffe und die Empfindlichkeit gegenüber geopolitischen Schocks erhöht. Europa wird somit allmählich von der Rolle des Produzenten zur Rolle des Verteilers.
Der Premierminister fordert daher eine offene Debatte über die erforderlichen Mindestraffineriekapazitäten, die Abmilderung der Auswirkungen von Vorschriften auf den Sektor und die Unterstützung strategischer Energieinfrastrukturen.
Das Schreiben schließt mit dem Hinweis, dass die Anhäufung von Regulierungsmaßnahmen beginnt, sich direkt auf die Energiepreise und die Verfügbarkeit auszuwirken. Wenn die Europäische Union die Wettbewerbsfähigkeit der Industrie und die soziale Stabilität erhalten will, muss sie schnell, koordiniert und mit Blick auf die wirtschaftliche Realität handeln.
gnews.cz - GH
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