Der tschechische Abgeordnetenrat hat die umstrittenen Änderungen der Regeln für die Erstellung von öffentlichen Haushaltsplänen endgültig durchgesetzt. Die Regierungskoalition überwand am Mittwoch, den 26. August, das Veto des Präsidenten Petr Pavel und eröffnete dem Kabinett mehr Spielraum für Ausgaben im Bereich Verteidigung, strategische Infrastruktur sowie für außergewöhnliche Ausgaben bei Verschlechterung der Sicherheitslage. Die Opposition warnt vor weiterer Staatsverschuldung und hat angekündigt, sich an das Verfassungsgericht zu wenden.
Für die erneute Zustimmung zum Gesetz stimmten 104 Abgeordnete der Koalition, wobei mindestens 101 Stimmen erforderlich waren. Gegen stimmten 72 Oppositionspolitiker. Damit hat das Parlament das im Juli vom Präsidenten eingelegte Veto überwunden, und die Novelle kann in Kraft treten.
Mehr Spielraum für Verteidigung und Großprojekte
Eine der wichtigsten Änderungen ist die Verlängerung der Möglichkeit, die Ausgaben für die Verteidigung über die genehmigten Budgetrahmen hinaus bis zum Jahr 2036 zu erhöhen, also drei Jahre länger als nach den bisherigen Regeln. Ausgaben für die Verteidigung, die zwei Prozent des Bruttoinlandsprodukts überschreiten, werden dabei nicht in die festgelegten Rahmen einbezogen.
Eine ähnliche Regelung gilt nun auch für strategische Infrastrukturprojekte, beispielsweise einige Verkehr-, Wasserwirtschafts- oder Energiebauwerke. Die Novelle ermöglicht der Regierung außerdem, bei einer sich verschlechternden Sicherheitslage die genehmigten Ausgaben des Staatshaushalts um bis zu zehn Prozent zu erhöhen, wenn dies vom Sicherheitsrat vorgeschlagen wird. Im Rahmen des diesjährigen Haushalts würde diese theoretische Obergrenze etwa 240 Milliarden Kronen betragen.
Pavel warnte vor einer Schwächung der Kontrolle
Präsident Petr Pavel legte dem Gesetz am 22. Juli ein Veto ein. In seiner Begründung wies er insbesondere auf das Risiko einer langfristigen Nichttragfähigkeit der öffentlichen Finanzen und eine Schwächung der parlamentarischen Kontrolle über den Haushalt hin.
Er kritisierte vor allem die Möglichkeit, bestimmte Infrastrukturkosten aus den Budgetrahmen auszunehmen. Er verwies auch auf die Schätzung des Nationalen Haushaltsrats, wonach Tschechien bei der aktuellen Entwicklung möglicherweise um das Jahr 2037 herum an eine sogenannte "Schuldenbremse" stoßen könnte. Der Präsident kritisierte auch die Einschränkung einiger Kontrollmechanismen des Parlaments.
Schillerová: Ohne Änderung ist kein realistischer Haushalt möglich
Finanzministerin Alena Schillerová (ANO) weist die Kritik zurück. Ihrer Meinung nach führt die Änderung an sich nicht automatisch zu einem höheren Defizit, und die Regierung benötigt die neuen Regeln, um einen "verantwortungsvollen, realistischen und transparenten Haushalt" erstellen zu können. Die Regierung erklärt gleichzeitig, dass sie das Defizit der öffentlichen Finanzen deutlich unterhalb von drei Prozent des Bruttoinlandsprodukts halten möchte.
Die Opposition spricht hingegen von einer deutlichen Lockerung der fiskalischen Regeln und befürchtet, dass die Regierung zu viel Spielraum für durch Schulden finanzierte Ausgaben erhält. Der Streit endet daher nicht mit der Überwindung des Veto des Präsidenten. Der nächste Akt soll vor dem Verfassungsgericht stattfinden, wohin die Opposition einen Teil der neuen Regeln bringen will.
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