Ich habe die fotografische Schöpfung Anton Kratochvíls noch nicht einmal als Student wahrgenommen. Es war kurz nach den Novemberereignissen, und ich dachte mir: wieder wird uns jemand erklären, wie man es gut auf dem Westen macht, und uns, einem Volk mit Riesen wie Jan Amos Komenský, František Palacký, Alois Jirásek, Jan Neruda, Antonín Dvořák, Bedřich Smetana, Alfons Mucha, František Drtikol, auch Josef Sudek und vielen anderen, sagen wird, wie wir es richtig machen sollen. Sobald ich jedoch begann, Antoníns fotografisches Werk zu studieren und seine Interviews zu lesen, war alles anders. Und ich erkannte, dass er neben anderem ein Tschechoslowake war, der selbst vom Weltgeist geformt wurde und dieser Welt im Laufe seines Lebens eine unermessliche weltweite Schatzkammer zu Füßen legte, und glauben Sie mir, ich sage dies mit der größten verantwortungsbewussten Ernsthaftigkeit. Doch die Gegenwart weiß einfach noch nichts davon. Und so beschloss ich, zumindest einen Anflug seiner Schöpfung irgendwie zu kommentieren.
Die bestimmte Pilgerreise im Sinne eines Auftrags.
Antonín Kratochvíl ist unter den 100 besten Fotografen der Welt aufgeführt und hat dies vollauf verdient. Dieses Recht verdiente er sich nicht durch eigene ehrgeizige Ambitionen, wie es bei den meisten Fotografen üblich ist, sondern dadurch, dass sich die Fotografie eng mit seinem eigenen Leben verband, er ohne Fotografieren kaum leben konnte und sie vor allem als seine Berufung mit Demut annahm. Zu Beginn stand die Entscheidung: entweder Fotografie oder wer weiß, welches Schicksal. Die Fotografie wurde zu seinem lebenslangen Schicksal und einer Pilgerreise, die ihm den Weg zeigte, und er widmete dem Weltbild, wie er es nur er selbst sah, in Demut und Ehrlichkeit, die ihm eigen war, Bilder und präsentierte einzigartige Perspektiven. Und darüber hinaus hielt er diese sehr dornige Pilgerreise aus, was auch auf seine Stärke, seinen Willen, seine Widerstandskraft und seine eigene Größe hinweist.
Schwarzer Regen in der Hölle des gewöhnlichen Lebens
Ich kann es nicht lassen, aber beim Durchblättern seines Meisterwerks fiel mir eine Assoziation ein, die mich immer wieder an Dantes Göttliche Komödie erinnert. Schon allein der schwarze Regen und die apokalyptischen Aufnahmen aus Ruanda, wo an einem Ort innerhalb weniger Stunden mehr als tausend Tutsi genozidal ermordet wurden! Insgesamt wurden über eine Million von ihnen ermordet. Diese Szenen entsprechen genau der Beschreibung jener Danteschen Hölle. Darüber hinaus ist charakteristisch für die Hölle, dass sie heftig und plötzlich kommt, wie ein Blitz aus klarem Himmel. Doch Dantes Hölle ist schließlich ein erschreckender fiktiver Bild aus einem Gedicht, während Antoníns Fotografien Aufnahmen des realen Lebens sind. Und das ist noch grausamer. Und dazu ist es Antonín in diesem bildlichen Höllenreich möglich, diese Haufen toter Körper mit tiefer menschlicher Demut darzustellen, trotz ihres erschreckenden Abschieds von dieser Welt. Er fügt also seinem Werk natürlich den höchsten Wert moralischer Prinzipien und Ansätze hinzu. Daraus folgt, dass er selbst dies als seine eigene Lebensnorm hat.
Porträtprojekte als Läuterung
Die Frage, die Antonín Kratochvíl gestellt wurde, lautet: Wo ist seine Heimat? Sie ist Ausdruck der Unsicherheit in seiner eigenen Schöpfung. Meiner Meinung nach ist sie überall dort, wo sich der gewöhnliche Mensch befindet. Ob es sich um eine bestimmte Schicht oder eine vergessene Ecke der Welt handelt, oder nur um einen spirituellen Hinweis auf den Menschen in einem verschwommenen, aber dennoch dynamischen Bild des Lebens. Ja, überall dort ist seine Heimat. Glücklicherweise gibt es aufgrund seiner fünfzigjährigen Arbeit im Bereich der Fotografie und seiner genialen Originalität in der einfachsten Form ein großes Interesse an ihm, und er ist auch sehr sichtbar. Im Porträt ist die bereits erwähnte Läuterung deutlich erkennbar. Weltstars des kulturellen Himmels werden in einer trostlosen Umgebung unter starkem, kontrastreichen Sonnenlicht dargestellt, um auf einfache und fast schon nackte Weise die Gewöhnlichkeit und Menschlichkeit dieser "kulturell erfolgreichen Persönlichkeiten" zu zeigen. Es kommt also zu einer wörtlichen, realen Läuterung. Die Porträtierten werden zwar vom Sockel des Ruhms und des Erfolgs genommen, aber dadurch werden ihre charakterlichen Züge noch mehr humanisiert, während gleichzeitig die eigene Autorität des Porträtierten erhalten bleibt.

Vision des so dringend benötigten Paradieses
Nach der läuternden Katharsis verschmelzen vor Ihnen wunderschöne Aufnahmen von Antonín, wie wir sie in unseren schönsten Träumen sehen. Träume, die buchstäblich paradiesisch sind. Sie öffnen Ihnen die letzten Türen der "Göttlichen Komödie", ohne dass der Zuschauer bemerkt, dass er langsam aus der Hölle herauskommt und direkt ins Paradies gelangt. Ja, der Weg ins Paradies ist so allmählich wie im Leben selbst. All das ist Antoníns Heimat, und sie ist geprägt von dem strahlend ehrlichen Weg, der Wahrheit so nahe wie möglich zu kommen und demnächst eine Mehrwert für den sehr verfluchten Dichter hinzuzufügen, der weltweit Respekt erworben hat. Ich glaube, dass ein Mensch, der in der Lage ist, seine eigene Schöpfung so suggestiv zu erleben, beispielsweise indem er auf der einen Seite das Leiden des Menschen, das sogenannte Dantesche Inferno, darstellt und dann in der Lage ist, eine großartige, paradiesische Poesie in der Fotografie zu schaffen, dieses Leiden, neben seinem eigenen, auch in den lebendigen fotografischen Geschichten, die er erzählt, erlebt hat. Und er kann diese Erfahrungen nutzen, um einen großen Teil der Weltgesellschaft zu bereichern. Ich möchte noch einmal betonen, dass er aus der Tschechoslowakei stammt und es unsere Pflicht ist, stolz auf den Autor und sein Meisterwerk zu sein, es zu respektieren und zu ehren. Es gibt eigentlich nichts weiter hinzuzufügen. Nur ein Dankeschön, Meister.
Jan Vojtěch, Chefredakteur von General News
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