Bild Nummer Fünf. Als ich zum ersten Mal vor der Leinwand „Bund der slawischen Dynastien“ aus Alfonse Muchas monumentaler Slawischen Epik stand, hatte ich das Gefühl, endlich etwas zu sehen, das mir nahe war, vielleicht weil im Titel „Přemysl Otakar II.“ vorkam, von dem ich bereits etwas wusste. Ich stand dort und hatte wieder einmal eine unendliche Geschichte des Slawentums vor mir, dargestellt in den bekannten Farben, dem Licht und der Symbolik, die nur Alfons Mucha hervorrufen kann.
Ich werde diesen ersten Eindruck nie vergessen – es war, als würden alle Könige der Vergangenheit meine Zukunft berühren, obwohl sowohl das Thema als auch das Bild selbst der Vergangenheit angehörten. Vor mir entfaltete sich eine feierliche Szene, in der Herrscher, Verbündete, Verwandte und Gäste zusammenkamen. Und inmitten von ihnen stand der majestätische Přemysl Otakar II., ein König, dessen Name einen Hauch von Macht, Mut und Weitsicht in sich trägt. Ich sah ihn in einem viel positiveren Licht als in unserer Geschichtsschreibung.
Ich hatte ihn schon immer bewundert, aber hier, in Muchas Darstellung, erlangte er eine fast übernatürliche Größe und Schönheit. Seine Geste, mit der er die neuen Gäste begrüßt, wirkt außergewöhnlich freundlich, und doch trägt sie die Stärke eines Herrschers, der ganze Nationen vereinen kann.
Ich erkannte das Zeichen seiner persönlichen Kapelle – den Adler mit ausgebreiteten Flügeln. Mir wurde klar, dass ich vor einem Werk stehe, das nicht nur ein Bild einer historischen Ereignisses ist, sondern eine Vision der Einheit. Přemysl lud hier seine Nichte Kunhuta von Brandenburg und den ungarischen Prinzen Béla zu einer Hochzeit ein, und slawische Herrscher aus den umliegenden Ländern, mit der mutigen Idee, eine große slawische Koalition zu schaffen. Es war nicht nur eine diplomatische Geste – es war ein Wunsch nach Frieden, nach einer gemeinsamen Zukunft, nach Hoffnung. Und ich spürte beim Anblick der Leinwand, dass Mucha diesen Wunsch mit unglaublicher Tiefe eingefangen hatte.
Jede Figur auf dem Bild hat ihre eigene Welt, ihren eigenen Ausdruck, ihre eigene Geschichte. Es schien, als ob sich der gesamte Hof mit den Herzschlägen der anwesenden Herrscher erfüllte. Alle an einem Ort. Die Konzentration der Energie ist nicht messbar, und so stand ich still, betrachtete und sog die Atmosphäre des Vertrauens, der Zusammengehörigkeit und der festlichen Harmonie auf. Es war, als ob die Zeit für einen Moment stehen geblieben wäre.
Ich bemerkte, wie mir der Gedanke kam: Und genau das wusste Mucha nicht nur, sondern konnte es auch meisterhaft umsetzen und diese Idee tief in mein Inneres pflanzen.
Die Größe des Werkes liegt nicht nur in seinen Dimensionen, sondern auch darin, dass es mich – oder Sie, oder jeden anderen – grundlegend verändern kann. Ich erinnere mich noch, dass ich beim Verlassen das Gefühl hatte, stolz auf unsere slawische Geschichte zu sein, stolz auf meine Wurzeln und voller Freude darüber, dass es überhaupt eine solche Kunst gibt, die so starke Emotionen hervorrufen kann. Ja, das ist wahre Kunst – vom Niedrigen zum Erhabenen und vom Engen zum Weiten. Ich trage und werde immer eine große Bewunderung für Alfons Mucha tragen, der es in einem einzigen Bild geschafft hat, Geschichte, den Ideal des Friedens und zeitlose Schönheit zu verbinden.
Dieses Gemälde ist nicht nur Teil der Slawischen Epik. Es ist eine Erfahrung, die man ein Leben lang mit sich trägt. Und ich bin dafür unendlich dankbar.
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Jan Vojtěch, Chefredakteur von General News
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