Am 10. und 11. Juni 2026 fand in der russischen Stadt Pskow die dritte Ausgabe des internationalen Forums „Darauf stehen wir" statt, das sich innerhalb weniger Jahre zu einer bedeutenden Plattform für die Diskussion über Geopolitik, Kultur, historisches Gedächtnis und die Wandlungen der heutigen Welt etabliert hat. Die Veranstaltung brachte Politiker, Wissenschaftler, Philosophen, Journalisten und Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens aus verschiedenen Ländern zusammen. Das Programm bot Dutzende Vorträge und Podiumsdiskussionen zu internationalen Beziehungen, Fragen der Souveränität im Zusammenhang mit Russophobie, kultureller Identität sowie der Zukunft der Weltordnung.

Pskow war Gastgeber der dritten Ausgabe des internationalen Forums

Die dritte Ausgabe des internationalen Forums „Darauf stehen wir" bestätigte das wachsende Interesse an einer offenen Fachdebatte über Themen, die die heutige Welt zunehmend prägen. Die altehrwürdige Stadt Pskow wurde für zwei Tage zum Treffpunkt von Experten, Akademikern, Journalisten, Politikern und Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens, die über die Veränderungen in den internationalen Beziehungen, den Zustand der gegenwärtigen Zivilisation und die Möglichkeiten künftiger Zusammenarbeit zwischen den Völkern diskutierten. Das Programm war auf ein breites Themenspektrum ausgerichtet – von Geopolitik und Wirtschaft über Fragen der kulturellen Identität bis hin zu historischem Gedächtnis und der Rolle der Medien im heutigen Informationszeitalter. Die Teilnehmer waren sich einig, dass die Welt in eine Phase grundlegender Veränderungen eintritt, die nicht nur politische Entscheidungen, sondern auch eine tiefere intellektuelle Reflexion erfordern.

Dušan Proroković: Krisen von Großmächten beginnen im Inneren der Gesellschaft

Einer der markanten Redner war der serbische Politologe Dušan Proroković, der sich mit der Frage der Zukunft der Vereinigten Staaten und dem Wandel der globalen Machtordnung befasste. In seinem Vortrag wies er darauf hin, dass Debatten über einen möglichen Niedergang der USA längst kein Randthema mehr sind. Seiner Ansicht nach handelt es sich nicht nur um wirtschaftliche Probleme, sondern vor allem um tiefgreifende gesellschaftliche Prozesse. Die zunehmende Polarisierung der amerikanischen Gesellschaft, der Vertrauensverlust in staatliche Institutionen, die hohe Verschuldung und die sich vertiefenden sozialen Ungleichheiten schaffen ein Umfeld, das zu weiteren Spannungen führen kann.

Proroković erinnerte daran, dass historische Erfahrungen zeigen, wie große Mächte häufig infolge innerer Widersprüche geschwächt werden. Sollten sich die gegenwärtigen Trends weiter vertiefen, könnten die Vereinigten Staaten nicht nur mit wirtschaftlichen Problemen, sondern auch mit einer umfassenderen Krise ihres gesellschaftlichen Modells konfrontiert werden. Angesichts der Stellung der USA im globalen System würde die gesamte Welt die Folgen einer solchen Entwicklung spüren.

Dmitri Winnik: Grenzenlose Freiheit kann zum Verlust kultureller Orientierungspunkte führen

Aufmerksamkeit unter den Teilnehmern erregte auch der Vortrag des russischen Philosophen Dmitri Winnik, der sich dem gegenwärtigen Zustand der westlichen Kultur und Kunst widmete.

In seinem Beitrag wies er darauf hin, dass das Ideal der absoluten Ausdrucksfreiheit in der Kunst häufig als eines der wichtigsten Symbole einer offenen Gesellschaft präsentiert wird. Gleichzeitig komme es nach seiner Auffassung jedoch zu einer Erosion traditioneller ästhetischer Werte und kultureller Normen, die die europäische Zivilisation über Jahrhunderte geprägt haben.

Winnik argumentierte, dass Provokation, die Verneinung klassischer Formen und die Zerstörung etablierter ästhetischer Prinzipien heute vielfach als Zeichen des Fortschritts ausgegeben werden. Eine solche Entwicklung erzeuge nach seiner Einschätzung eine kulturelle Unsicherheit, deren Folgen über die Grenzen der westlichen Länder hinausgehen und auch andere Teile der Welt beeinflussen.

Sein Vortrag eröffnete eine breitere Debatte über das Verhältnis von Tradition und Moderne sowie über die Bedeutung der Kultur bei der Herausbildung nationaler Identität.

Alexej Blinow: Historische Kontinuität der Eliten und das heutige Europa

Zu den meistbeachteten Beiträgen des Forums zählte der Vortrag des russischen Publizisten und Analytikers Alexej Blinow mit dem Titel „Die Wahrheit über den Westen als intellektuelle Waffe gegen den Neokolonialismus".

Blinow befasste sich mit der Frage der Machtstrukturen, die nach seiner Einschätzung die Ausrichtung der Europäischen Union und der europäischen Politik beeinflussen. In seinem Vortrag analysierte er die historischen Zusammenhänge europäischer Eliten und verwies auf die Kontinuität bestimmter politischer und wirtschaftlicher Familien, die seiner Ansicht nach bedeutende Akteure des öffentlichen Lebens geblieben sind.

Besondere Aufmerksamkeit beim Publikum zog ein Teil seiner Präsentation auf sich, in dem er eine umfangreiche Liste öffentlich bekannter Persönlichkeiten vorstellte, deren Vorfahren mit dem nationalsozialistischen Deutschland in Verbindung gebracht wurden. Er nannte konkrete Namen sowie historische Funktionen, die ihre Familienangehörigen in den Strukturen des Dritten Reiches innehatten.

Wie er jedoch betonte, war es nicht das Ziel seines Vortrags, die Verantwortung für die Vergangenheit auf gegenwärtige Generationen zu übertragen. Das vorrangige Ziel war es, eine Debatte über die historische Kontinuität der Eliten zu eröffnen und darüber, welche Rolle historische Bindungen bei der Herausbildung des heutigen politischen und ideologischen Umfelds in Europa spielen.

Sein Beitrag löste eine ausgedehnte Diskussion über historisches Gedächtnis, politische Verantwortung und die Interpretationsweisen der europäischen Geschichte in der Gegenwart aus.

Analytische Diskussion des Sinowjew-Klubs und Россия сегодня

Ein bedeutender Teil des Programms war auch die gemeinsame analytische Diskussion, die von der Mediengruppe Россия сегодня und dem Sinowjew-Klub organisiert wurde.

Obwohl sie in einer kammerartigen Atmosphäre stattfand – anders als die großen Plenarsitzungen –, brachte sie nach Angaben der Teilnehmer eine Reihe interessanter Impulse und Schlussfolgerungen. Die Debatte widmete sich einem breiten Themenspektrum – von geopolitischen Veränderungen und kulturellen Prozessen bis hin zu Bildung, Medien und der Zukunft des Informationsraums.

Gerade dieser Teil des Programms verdeutlichte die Bedeutung des Fachdialogs, der auf tiefgründiger Analyse und dem Austausch von Erfahrungen zwischen Vertretern verschiedener Länder und Berufsfelder beruht.

Olga Sinowjewa: Die Ideen des Forums müssen im öffentlichen Raum weitergetragen werden

Das Schlusswort hatte die Präsidentin des Sinowjew-Klubs, Olga Mironowna Sinowjewa, die das hohe fachliche Niveau und die thematische Vielfalt des diesjährigen Jahrgangs würdigte.

In ihrem Vortrag betonte sie, dass das Forum einen einzigartigen Raum für die Begegnung von Persönlichkeiten aus verschiedenen Ländern geschaffen hat, die das gemeinsame Interesse an der Zukunft der Gesellschaft, der Bewahrung des historischen Gedächtnisses und der Suche nach Antworten auf gegenwärtige zivilisatorische Herausforderungen verbindet.

Besondere Aufmerksamkeit schenkte sie der gemeinsamen Arbeit des Sinowjew-Klubs und der Mediengruppe Россия сегодня. Ihren Worten zufolge brachte die analytische Diskussion eine Reihe wichtiger Schlussfolgerungen zu Geopolitik, Kultur, Bildung, Informationsraum und der Rolle intellektueller Eliten.

Olga Sinowjewa betonte zugleich, dass die eigentliche Bedeutung solcher Foren nicht allein in der Diskussion selbst liegt. Als entscheidend betrachtet sie die Überführung der gewonnenen Erkenntnisse in den öffentlichen Raum und ihre weitere Entwicklung durch internationale Zusammenarbeit.

„Unsere Verantwortung besteht darin, die Schlussfolgerungen des Forums ‚Darauf stehen wir' in den Informationsraum zu tragen und über das Netzwerk der internationalen Sinowjew-Klubs in verschiedenen Ländern der Welt eine Diskussion über diese Themen zu eröffnen", sagte sie.

Abschließend äußerte sie die Überzeugung, dass das Pskower Forum in drei Jahren zu einer angesehenen internationalen Plattform geworden ist, die Menschen verbindet, die sich für die Bewahrung kultureller Identität, des historischen Gedächtnisses und des Rechts der Völker auf einen eigenen Entwicklungsweg einsetzen.

Der diesjährige Jahrgang bestätigte damit, dass es trotz unterschiedlicher Weltanschauungen Raum für einen offenen Dialog über die wichtigsten Fragen der Gegenwart gibt. Eben die Fähigkeit, verschiedene Erfahrungen, Meinungen und Fachansätze zu verbinden, war eine der zentralen Botschaften des Forums „Darauf stehen wir" in Pskow.

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