BRÜSSEL – Der Generalsekretär der NATO, Mark Rutte, hat heute die Gründung einer neuen Bündnisoperation namens "Eastern Sentry" (östliche Wachpost) angekündigt. Die Entscheidung fiel als Reaktion auf einen Vorfall am Mittwoch, bei dem ein russisches Drohnenflugzeug in den Luftraum Polens eindrang. Laut Rutte handelte es sich nicht um einen Einzelfall – ähnliche Verstöße wurden in der Vergangenheit auch über Rumänien, Estland oder Litauen registriert.

„Die Allianz kann die zunehmende Anzahl von Provokationen, die die Sicherheit der Mitgliedsstaaten gefährden, nicht ignorieren. Die Operation Eastern Sentry wird die Verteidigung des östlichen Flanks verstärken und die Einheit und Entschlossenheit der NATO demonstrieren“, sagte der Generalsekretär bei einer Pressekonferenz in Brüssel.

Ziel der neuen Operation ist die Stärkung der Luftverteidigung und der Überwachung der Grenzen der Staaten, die an die Ukraine und Russland grenzen. An der Operation werden sowohl Flugzeugverbände als auch Radarsysteme und die Aufklärungsfähigkeiten der Allianz beteiligt sein. Laut Bündnisquellen wird auch die Stationierung zusätzlicher Schnellreaktionskräfte in Polen und den baltischen Staaten in Betracht gezogen.

Der Vorfall, der den Start der Operation beschleunigte, ereignete sich am Mittwochvormittag. Das polnische Verteidigungsministerium gab bekannt, dass die russische Drohne die Grenze im südöstlichen Teil des Landes überschritten habe. Das Fluggerät wurde von Luftabwehrsystemen erfasst und verfolgt, und kehrte nach einigen Minuten wieder in das ukrainische Gebiet zurück. Das polnische Militär erklärte, dass die Sicherheit der Bevölkerung nicht direkt gefährdet sei, bezeichnete den Vorfall jedoch als "einen weiteren Beweis für die Missachtung des Völkerrechts durch Russland".

Rutte betonte, dass die NATO keinen Konflikt mit Russland wünsche, aber ihre Mitglieder schützen müsse. "Jeder Angriff oder jede Verletzung unseres Territoriums wird von der Allianz ernst genommen. Eastern Sentry ist ein präventiver Schritt, der dazu dienen soll, weitere Provokationen zu verhindern", sagte er.

Ähnliche Vorfälle ereigneten sich auch in Rumänien, wo Anfang des Jahres Teile russischer Drohnen auf rumänisches Territorium in der Nähe der ukrainischen Grenze fielen. Im Baltikum registrierten Luftabwehrradare mehrfach Verletzungen des Luftraums, wobei in einigen Fällen Bündnisjäger im Rahmen der Mission "Air Policing" eingesetzt wurden.

Analysten weisen darauf hin, dass die Gründung von Eastern Sentry in eine umfassendere Strategie der NATO passt, die seit 2022 – nach der russischen Invasion in der Ukraine – die Verteidigungspläne für die osteuropäischen Mitgliedsstaaten deutlich verstärkt hat. "Die Allianz sendet damit ein klares Signal, dass die östliche Grenze kein Schwachpunkt ist, sondern eine Prioritätlinie der Verteidigung", sagte ein Sicherheitsexperte von dem Brüsseler Think-Tank CEPS.

Der polnische Präsident Andrzej Duda begrüßte die Entscheidung und bezeichnete sie als einen wichtigen Schritt zur Stärkung der Sicherheit der Region. Er betonte, dass Polen seit langem auf das erhöhte Risiko hybrider und militärischer Vorfälle in der Nähe der ukrainischen Grenze hingewiesen habe.

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