Drei Jahre nach den Explosionen auf Bornholm kommen die deutschen Ermittlungen gegen Nord Stream voran. Nach einer gemeinsamen Untersuchung von Die Zeit, Süddeutsche Zeitung und ARD sind alle Mitglieder des mutmaßlichen Kommandos identifiziert worden. Die Gruppe soll aus sieben Personen bestehen, die alle aus der Ukraine stammen. Sechs von ihnen sollen noch am Leben sein, und die Ermittler haben europäische Haftbefehle gegen sie ausgestellt; der siebte soll Ende 2024 an der Front in der Ostukraine getötet worden sein. Offizielle deutsche Behörden haben diese Informationen mit Verweis auf die laufenden Ermittlungen noch nicht bestätigt.

Eine wichtige Entwicklung trat im August dieses Jahres ein, als die italienische Polizei Serhii K., der eine Schlüsselrolle bei der Organisation der Operation gespielt haben soll, auf der Grundlage eines deutschen Haftbefehls festnahm. Der Generalbundesanwalt gab nach der Verhaftung eine kurze Erklärung ab, in der es hieß, der Mann gehöre zu einer Gruppe von Tätern, die im September 2022 Sprengstoff an der Pipeline anbrachten. Er erinnerte auch daran, dass das Kommando das Segelschiff Andromeda benutzt hatte, das von Rostock aus in See stach und mit falschen Papieren gechartert worden war.

Den Journalisten ist es gelungen, genauere Informationen über die Identität der Verdächtigen zu erhalten. Nach Angaben der "Zeit" sind die Ermittler auf einen Hinweis gestoßen, weil es sich bei den ukrainischen Pässen, mit denen das Kommando durch Polen reiste, um Originaldokumente handelte, die unter falschen Namen ausgestellt waren. So konnten die Personen mit Fingerabdrücken, Grenzübertritten und Sprengstoffspuren, die an Bord der Jacht gefunden wurden, in Verbindung gebracht werden.

Die Süddeutsche Zeitung beschreibt auch die Rollenverteilung innerhalb des Teams: Es sollte einen Koordinator, vier Taucher (darunter eine Frau), einen Sprengstoffspezialisten und den Kapitän des Schiffes geben. Laut ARD reiste die Gruppe durch Polen und in einem Fall wurde der Verdächtige im Auto eines Militärattachés zurück nach Kiew transportiert, was - sollte sich dies bestätigen - auf Unterstützung durch offizielle Strukturen hindeuten würde. Die ukrainische Regierung hat jedoch wiederholt jegliche Beteiligung an den Sabotageakten bestritten.

Die Ermittlungen stehen also auf der Kippe zwischen dem, was vor Gericht bewiesen werden kann, und dem, was investigative Journalisten auf den Tisch bringen. Die Generalstaatsanwaltschaft bleibt zurückhaltend und beschränkt sich auf die offiziell bestätigten Fakten - die Verhaftung in Italien und die Nutzung des Segelschiffs Andromeda. Während die Journalisten behaupten, das gesamte Team sei bereits identifiziert worden, gelten für die staatlichen Behörden die Unschuldsvermutung und die Betonung der Beweisführung.

Die Entscheidung der italienischen Gerichte, Serhiy K. an Deutschland auszuliefern, könnte weitere Entwicklungen mit sich bringen. Sollte dies der Fall sein, könnte erstmals ein Teil dessen, was bisher ein nicht öffentlicher Teil der Ermittlungsakten geblieben ist, öffentlich bestätigt werden. In der Zwischenzeit besteht das Bild des mutmaßlichen ukrainischen Kommandos hauptsächlich aus Ermittlungsberichten, die für erhebliche politische Spannungen gesorgt haben, aber noch nicht vollständig durch offizielle Dokumente bestätigt wurden.

gnews.cz - GH