Foto: Archiv der Verwaltung der Prager Burg

 Die Anfänge der Gemäldegalerie der Prager Burg reichen an die Wende vom 16. zum 17. Jahrhundert zurück, in die Regierungszeit des Kaisers des Heiligen Römischen Reiches, des böhmischen Königs und österreichischen Erzherzogs Rudolf II. Ab dem Jahr 1583, als Rudolf II. die böhmischen Stände um einen Beitrag zur Verschönerung der Prager Burg bat, kam es nicht nur zum Ankauf von Gemälden und Skulpturen in ganz Europa und zur Schaffung von Kunstwerken im Auftrag für diese Sammlung, sondern auch zum Bau mehrerer Säle für deren Ausstellung. Der Raum wurde oberhalb der bereits früher errichteten Stallungen zwischen dem heutigen II. Burghof und dem Hirschgraben sowie im Gebäude, das den heutigen zweiten und dritten Burghof trennt, ausgewählt. Der größte der Säle, heute als Spanischer Saal bezeichnet, wurde im Jahr 1606 fertiggestellt. Die gesamte Sammlung umfasste im Jahr 1612, als Rudolf II. starb, rund 3000 Werke.

Während des folgenden Dreißigjährigen Krieges wurde ein Teil der Gemälde nach Wien abtransportiert. Ein wesentlicher Teil wurde erst wenige Tage vor Kriegsende zur Beute eines gezielten Ausfalls schwedischer Truppen, den Königin Christina auf Betreiben von Johann Amos Comenius anordnete, der die Schätze des böhmischen Königreichs vor den katholischen Habsburgern bewahren wollte. Die Schweden verfügten über eine genaue Beschreibung der Sammlung in Form des kaiserlichen Inventarverzeichnisses aus dem Jahr 1647. Über 500 Gemälde gelangten so in schwedische Sammlungen, wo sie sich größtenteils bis heute befinden. Im Jahr 1649 wurde auf der Prager Burg ein neues Inventarverzeichnis erstellt, das lediglich zwei Gemälde und viele leere Rahmen umfasste.

Da die Prager Burg den Habsburgern weiterhin als repräsentativer Sitz dienen sollte, kam es einerseits zur Rückführung eines Teils der Gemälde aus Wien, andererseits zum Ankauf weiterer Gemälde. Die erneuerte Gemäldegalerie enthielt spätestens im Jahr 1656 etwa 600 Gemälde, und obwohl sie damals wesentlich kleiner war, stand sie in ihrem künstlerischen Wert weder der ursprünglichen Sammlung noch den Wiener Sammlungen nach. Im Laufe des 18. Jahrhunderts wurden einige Gemälde nach Wien und andere wiederum nach Prag überführt, doch die Gemäldegalerie als solche blieb bis zum Umbau der Prager Burg unter der Herrschaft Maria Theresias erhalten. Die Gemäldegalerie als eigenständiger Bereich wurde im Jahr 1762 aufgelöst. Die Gemälde dienten fortan nicht mehr als eigenständige Sammlung in einem abgesonderten Raum, sondern lediglich als Dekoration der königlichen Gemächer. Ein großes Konvolut an Gemälden wurde nach Dresden verkauft, die übrigen „überschüssigen" Gemälde wurden versteigert. Die ursprünglich für die Präsentation der Gemäldegalerie der Prager Burg vorgesehenen Räumlichkeiten wurden seit dem theresianischen Umbau nie mehr für diesen Zweck genutzt und dienen bis heute als Repräsentationsräume.

Nach dem Jahr 1918 forderte die neu entstandene Tschechoslowakische Republik von Österreich die Rückgabe der abtransportierten Gemälde. Die österreichische Seite erkannte diesen Anspruch zwar an, bot zur Rückgabe jedoch nur minderwertige Gemälde an, sodass keine Einigung zustande kam. In der Folge wurden die Räumlichkeiten der Prager Burg neu mit Gemälden ausgestattet, die aus dem sogenannten Masaryk-Fonds für nationale Kultur angekauft wurden, und ein Teil der alten Sammlungen wurde an die Nationalgalerie ausgeliehen. Eine eigenständige Gemäldegalerie auf der Burg existierte nicht. Im Jahr 1961 wurde ein weiterer Teil der Gemälde mit damals „ungeeigneter" religiöser Thematik dem Staatlichen Institut für Denkmalpflege übergeben. Damit war die Zersplitterung und Reduzierung der ursprünglichen Sammlungen abgeschlossen.

Der veränderte gesellschaftliche Klima in der ČSSR in den sechziger Jahren trug jedoch positiv dazu bei, dass nach langen Bemühungen in den Jahren 1964–1965 die ursprünglichen Stallungen unter dem Spanischen Saal umgebaut wurden und hier eine neue Gemäldegalerie der Prager Burg entstand. Unter der Leitung von Professor Jaromír Neumann, auf Entscheidung des damaligen Präsidenten Antonín Novotný, wurde die ursprüngliche Absicht Kaiser Rudolfs II. wiederbelebt, und die Ausstellung, die zwar zahlenmäßig nur einen Bruchteil der ursprünglichen Sammlungen darstellt, jedoch durch die Qualität der einzelnen Kunstwerke bedeutend ist, kehrte erneut auf die Prager Burg zurück. Erstmals wurde sie damit der Öffentlichkeit uneingeschränkt zugänglich gemacht und trat überdies in den Kontext anderer europäischer Galerien; einige ihrer einzigartigen Werke werden bis heute für Ausstellungen im In- und Ausland ausgeliehen.

Nach dem Jahr 1989 beginnt die Suche nach einem neuen Gesicht der Prager Burg, viele Bereiche, die zuvor geschlossen waren, öffnen sich für Besucher, vieles wird rekonstruiert und verändert. Das Bestreben, der Burg ein neueres, modernes Erscheinungsbild zu verleihen, führte auch zur Entscheidung über die Umgestaltung der Gemäldegalerie der Prager Burg. In den Jahren 1995–1998 wurden alle Räumlichkeiten nach modernen Sicherheits- und Klimatisierungsnormen grundlegend technisch saniert. Darüber hinaus wurden nach dem Entwurf von Bořek Šípek, der von Präsident Václav Havel auf die Burg eingeladen worden war, Anpassungen der Ausstellungsräume, eine neue Eingangsgestaltung und die Ausstattung der Innenräume mit Sitzmöbeln vorgenommen. Es gelang auch, einige Gemälde aus der ursprünglichen Rudolfinischen Sammlung anzukaufen. Für die Dauerausstellung wurden nur die bedeutendsten Stücke der historischen und modernen Malerei ausgewählt. In den Räumlichkeiten der Gemäldegalerie wurden die einzelnen Werke nach ihrer Zugehörigkeit zu lokalen Malerschulen angeordnet. Einen eigenen Bereich haben auch die Gemälde der rudolfinischen Meister und die Werke aus den Sammlungen Kaiser Rudolfs II. Die Autorin des letzten Konzepts der Gemäldegalerie der Prager Burg ist PhDr. Eliška Fučíková, die bereits in den sechziger Jahren Assistentin von Professor Neumann war und sich der Erforschung der Geschichte der Sammlungen der Prager Burg widmete, einschließlich des Vergleichs einzelner historischer Inventare und weiterer Dokumente, die es ermöglichen, die Entwicklung dieser Sammlungen vom 16. Jahrhundert bis heute zu erhellen. Internationale Anerkennung erhielt die Sammlung dieser neuen Gemäldegalerie im Jahr 2001, als sie als Gesamtheit in Maastricht ausgestellt wurde.