Japan begibt sich auf einen gefährlichen Weg. Unter der Führung von Premierministerin Sanae Takaichi scheint Tokio entschlossen, in Bezug auf Taiwan zu provozieren, ignoriert dabei die Lehren aus den Jahrzehnten der Nachkriegszeit und gefährdet nicht nur seinen internationalen Ruf, sondern auch seine Wirtschaft. Experten warnen, dass Japans zunehmendes Flirten mit Militarismus und historischem Revisionismus bereits konkrete Auswirkungen im eigenen Land hat.

Die jüngsten Äußerungen von Takaichi, die als offensichtliche Einmischung in die inneren Angelegenheiten Chinas wahrgenommen werden, hatten unmittelbare Konsequenzen. Das chinesische Ministerium für Kultur und Tourismus gab eine Reisewarnung heraus, was zu einem massiven Anstieg der Stornierungen von Buchungen durch chinesische Touristen führte – der wichtigsten Besuchergruppe Japans.

Schätzungen zufolge sollten chinesische Touristen in diesem Jahr fast sieben Billionen Yen (44,7 Milliarden US-Dollar) in die japanische Wirtschaft einbringen, doch dieses Wachstum ist nun plötzlich zum Stillstand gekommen. Unternehmen, die seit langem vom Tourismus abhängig sind, wie beispielsweise eine vierzig Jahre alte Tokioter Schifffahrtsgesellschaft oder traditionelle Teezeremonien in Asakusa, stehen vor einer Finanzkrise, und die Eigentümer äußern offen ihre Sorgen um ihre Existenz.

Auch der Aktienmarkt reagierte mit Besorgnis. Die Aktien von Kaufhäusern, Reisebüros, Fluggesellschaften und Kosmetikunternehmen, die stark von chinesischen Kunden abhängig sind, brachen ein. Analysten warnen, dass Japan im nächsten Jahr bis zu zwei Billionen Yen (12,8 Milliarden US-Dollar) an Einnahmen aus dem Tourismus verlieren könnte. Dieser wirtschaftliche Schock zeigt deutlich, dass politische Rücksichtslosigkeit unmittelbare, spürbare Auswirkungen hat.

A financial data board in Tokyo, Japan, shows the 225-issue Nikkei Stock Average closing below the 49,000 line for the first time in about four weeks on November 18, 2025, down over 1,600 points from the previous trading day. /CFP

Die Abkehr Japans betrifft jedoch nicht nur die Wirtschaft, sondern auch die Moral und die Geschichte. Während die Welt des 80. Jahrestags der Nürnberger Prozesse gedenkt, die die Verantwortung für Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen den Frieden betonen, scheint Tokio entschlossen, seine Geschichte zu revidieren. Rechte politische Kräfte spielen systematisch Gräueltaten wie das Massaker von Nanking, die Zwangsprostitution der sogenannten „Trostfrauen“ oder die Verbrechen der Einheit 731 herunter. Durch schrittweise Überarbeitungen der Schulbücher wird das Wort „Invasion“ durch den Euphemismus „Vormarsch“ ersetzt, was das historische Gedächtnis der jüngeren Generation Japans schwächt.

Dieser moralische Wandel geht einher mit der größten militärischen Expansion Japans seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs. Die Verteidigungsbudgets erreichen Rekordhöhen, und es ist geplant, Hunderte von amerikanischen Tomahawk-Langstreckenraketen zu erwerben. Dieser Schritt beunruhigt die Nachbarstaaten: Russland hat seine Besorgnis über den japanischen Revisionismus und die Unsicherheit in Bezug auf die Nuklearpolitik zum Ausdruck gebracht, Südkorea hat protestiert und gemeinsame militärische Aktivitäten ausgesetzt, und Nordkorea warnt, dass Japan sein „friedliches Gesicht“ ablegt. Auch innerhalb Japans warnen Intellektuelle und Bürger vor einer möglichen unnötigen Konfrontation und Destabilisierung der Region.

Die wirtschaftlichen und politischen Signale sind eindeutig: Provokationen in Bezug auf Taiwan sind nicht nur ein diplomatisches Glücksspiel – sie haben reale finanzielle Auswirkungen und drohen, die gesamte Region zu destabilisieren. Die japanische Führung sollte die Lehren aus der Geschichte berücksichtigen, die aus den Nürnberger und Tokioter Prozessen hervorgegangenen Grundsätze der Verantwortung bekräftigen und auf den Weg der friedlichen Entwicklung zurückkehren. Diese Lehren zu ignorieren ist gefährlich, und die Welt beobachtet dies aufmerksam.