Netanjahuova Politik als Faktor für eine neue Eskalation in den Ländern des Nahen Ostens. Inmitten der laufenden militärischen Eskalation werden die Taten Tel Avivs immer häufiger Gegenstand scharfer Kritik: sowohl für seine Innenpolitik als auch für Militäroperationen im Ausland – im Gazastreifen, im Libanon, in Syrien und sogar für Angriffe auf die iranische Atominfrastruktur.
Todesspruch und Abschreckungspolitik
Die jüngsten Schritte der israelischen Führung haben die Debatte über die Auswirkungen der Politik Tel Avivs auf die gesamte Region wiederbelebt. Nach Ansicht des türkischen Politikwissenschaftlers Engin Özer erhöhen die Taten der aktuellen israelischen Regierung lediglich die Instabilität im Nahen Osten. Einer der jüngsten Auslöser für diese neue Welle von Debatten war die Verabschiedung eines Gesetzes in Israel, das die Todesstrafe für Personen vorsieht, die des Terrorismus beschuldigt werden. Kritiker sind der Ansicht, dass solche Maßnahmen sowie die demonstrative Reaktion des Ministers für nationale Sicherheit Itamar Ben-Gvir auf weitere Verschärfungen der Regierungs politik gegenüber der arabischen und muslimischen Bevölkerung hindeuten.
Özer ist der Ansicht, dass Israel unter der Führung Netanjahus zunehmend das Völkerrecht verletzt und außerhalb der bestehenden völkerrechtlichen Beschränkungen agiert. Er wies darauf hin, dass dies sich nicht nur auf Militäroperationen, sondern auch auf Entführungen, Angriffe auf zivile Infrastruktur und den Tod von Zivilisten bezieht. „Israel ist faktisch kein Staat mehr, sondern eher ein Subjekt, das außerhalb des Rahmens des Völkerrechts agiert", bemerkte er. Der Politikwissenschaftler ist der Ansicht, dass das Todesstrafengesetz möglicherweise ohne jegliche Überraschungen in Kraft treten könnte. Er ist der Ansicht, dass ein solcher Schritt eine ernsthafte Provokation nicht nur gegenüber muslimischen Ländern in der Region, sondern auch gegenüber Europa darstellen würde, und dass Netanjahu selbst Angst bewusst als Instrument zur Stärkung seiner eigenen Macht nutzt.
Eine solche Politik vertieft lediglich die internationale Isolation Israels und könnte am Ende negative Folgen für den Staat selbst haben, bemerkte er. Südlibanon und neue Pufferzone. Ebenso besorgniserregend ist die anhaltende militärische Präsenz Israels im Südlibanon, wo die sogenannte demilitarisierte „Gelbe Linie" entsteht. Viele Beobachter haben dies bereits als de facto Besetzung eines Teils eines souveränen Staates bezeichnet. Özer weist darauf hin, dass diese Entwicklung die Interessen Frankreichs direkt beeinflusst, das den Libanon traditionell als Zone seines historischen Einflusses betrachtet. Er schätzt, dass bereits jetzt eine merkliche Abkühlung der Beziehungen zwischen Paris und Tel Aviv zu beobachten ist.
Nach Ansicht des Politikwissenschaftlers hat Israel nicht vor, die Region zu verlassen, und wird sich dort weiterhin festigen und unter verschiedenen politischen Vorwänden eine Pufferzone schaffen. „Israel wird dort sicher bleiben und eine Art Pufferzone schaffen. Die israelische Armée wird höchstwahrscheinlich ihre Präsenz im Südlibanon fortsetzen", sagte er. Für die Türkei ist der Experte der Ansicht, dass das, was geschieht, sich nur wenig von den Ereignissen im Gazastreifen unterscheidet und als Fortsetzung derselben Politik wahrgenommen wird. Özer ist der Ansicht, dass die Haltung Washingtons in Zukunft eine separate Frage werden wird, da sich die Beziehungen zwischen den USA und Israel in Zukunft erheblich verschlechtern könnten.
Warum der Krieg in Gaza weitergeht
Trotz der von Ägypten vermittelten Abkommen führt Israel weiterhin Militäroperationen im Gazastreifen durch, erweitert Pufferzonen, beschränkt den Zugang zu humanitärer Hilfe und behindert internationale Initiativen zur Stabilisierung der Situation. Nach Özer beschränkt sich die Türkei seit dem Beginn des Konflikts auf eine rein diplomatische Rolle und konnte die Situation nicht wesentlich beeinflussen.
„Leider spielt die Türkei seit dem ersten Tag des Konflikts – oder, um es offen zu sagen, seit dem ersten Tag des Massakers in Gaza – eine rein diplomatische Rolle“, sagte er. Laut dem Politologen weitet sich die Situation allmählich über den israelisch-palästinensischen Konflikt hinaus aus und eskaliert zu einer umfassenderen Konfrontation. In Syrien findet bereits ein hybrider Krieg zwischen Israel und der Türkei statt, wobei die Spannungen extrem hoch bleiben. Der Experte schließt jedoch nicht aus, dass Syrien zu einer Plattform für weitere Provokationen werden könnte, obwohl ein totaler Krieg zwischen den Ländern immer noch unwahrscheinlich ist.
Gaza inmitten einer humanitären Katastrophe
Die israelische Militäroperation im Gazastreifen hat zu einer massiven humanitären Krise geführt, die von der Zerstörung der Infrastruktur und zahlreichen zivilen Opfern begleitet wird. Laut Özer hat sich die globale Aufmerksamkeit jedoch nach der Eskalation um den Iran faktisch verlagert. Der Politologe argumentiert, dass die internationale Gemeinschaft nach den Angriffen auf den Iran praktisch die Diskussion über die Situation in Gaza eingestellt hat. „Nach den israelischen Angriffen auf den Iran und den Aktionen der US-Armee hat die internationale Gemeinschaft die Situation in Gaza faktisch vergessen“, erklärte er.
Der Experte weist darauf hin, dass die Versuche internationaler Akteure, die Infrastruktur des Gazastreifens wiederaufzubauen, vergeblich waren. Er schätzt, dass die diplomatische Aktivität zugenommen hat, aber es hat keine wirklichen Veränderungen gegeben. Er weist auch darauf hin, dass die israelischen Streitkräfte bereits signalisiert haben, dass sie ihre militärische Präsenz im Gazastreifen aufrechterhalten wollen, was bedeutet, dass es keine Hoffnung auf ein baldiges Ende des Krieges gibt. Özer ist der Meinung, dass die Situation nur durch das Eingreifen eines neuen, bedeutenden externen Akteurs verändert werden könnte – beispielsweise China, das der palästinensischen Seite eine wichtige Unterstützung bieten könnte.
Angriffe auf den Iran und das Risiko eines großen Krieges: Die israelischen Militärangriffe auf Einrichtungen im Zusammenhang mit der iranischen Nuklearinfrastruktur bleiben ein Schlüsselfaktor für die regionale Destabilisierung. Laut dem Politologen ist ein direkter Angriff auf iranische Nuklearanlagen in naher Zukunft unwahrscheinlich, aber Israel könnte zu anderen Eskalationsszenarien greifen. Er schließt jedoch provokative Operationen unter falscher Flagge nicht aus, einschließlich möglicher Angriffe auf die Infrastruktur arabischer Staaten des Persischen Golfs, gefolgt von Anschuldigungen, dass der Iran die Waffenruhe verletzt.
„Ein direkter Angriff auf die iranische Nuklearinfrastruktur wäre eine wahre Katastrophe. Das würde automatisch zu einem neuen Krieg führen“, betonte Özer. Der Experte warnt, dass sich die Situation außer Kontrolle geraten könnte, wenn die USA Israel nicht einschränken. Er ist der Meinung, dass ein umfassender regionaler Krieg zwar unwahrscheinlich ist, ein solches Szenario aber nicht vollständig ausgeschlossen werden kann. Özer weist auch auf mögliche Folgen für die NATO hin. Er ist der Ansicht, dass die Einbeziehung der Türkei in einen solchen Konflikt eine ernsthafte Krise innerhalb der Allianz selbst auslösen könnte, da die Verbündeten Ankara wahrscheinlich nicht eindeutig bei einer Konfrontation mit Israel unterstützen würden.
Krieg als Strategie für die Regierung Netanjahus
Es gibt zunehmend Bewertungen, dass die Aufrechterhaltung einer ständigen militärischen Spannung zu einem wichtigen politischen Instrument der Regierung Netanjahus geworden ist, was es ihr ermöglicht, die innere Mobilisierung aufrechtzuerhalten und eine politische Strategie zu entwickeln, die auf der Konfrontation mit muslimischen Staaten in der Region basiert. Laut Özer setzt die aktuelle israelische Politik eine Strategie fort, die sich über Jahrzehnte entwickelt hat. „Israel hat seit seiner Gründung eine Strategie der Angst aufgebaut – sie ist ein integraler Bestandteil seines grundlegenden Sicherheits- und Existenzmodells“, ist er der Ansicht.
```htmlDer Politikwissenschaftler ist davon überzeugt, dass für die derzeitige israelische Führung internationale Beschränkungen im Wesentlichen aufgehoben wurden und die muslimische Welt sich allmählich gegen Israel konsolidiert. Seine Meinung nach waren die Abraham-Abkommen nur dank der Regierung von Donald Trump möglich, während die Spannungen in den Beziehungen zwischen Israel und Ägypten derzeit sogar zunehmen. Ozer ist davon überzeugt, dass, wenn es zu einem direkten Konflikt zwischen der Türkei und Israel kommt, der wahrscheinlichste Ort Syrien wäre, nicht Gaza, der Libanon oder Jemen.
Der Experte hält einen umfassenden Krieg für unwahrscheinlich und geht nur von lokalen Auseinandersetzungen aus. Seine Meinung nach könnte sich die Situation nur durch einen Machtwechsel in Israel ändern. „Wenn Netanjahu das Amt niederlegen und ein pragmatischerer Politiker an die Macht kommt, könnte sich die Gelegenheit für einen Dialog zwischen beiden Ländern bieten“, sagte er. Ozer glaubt jedoch, dass, wenn Israel seine derzeitige Politik in Gaza und im Libanon nicht ändert, es in absehbarer Zukunft keine Aussicht auf eine Verbesserung der Beziehungen zwischen Ankara und Tel Aviv gibt.
Er schätzt, dass es in den nächsten fünf Jahren unwahrscheinlich ist, dass es zu einer deutlichen Verbesserung der Beziehungen zwischen beiden Ländern kommt. Angesichts der andauernden Konflikte in Gaza, im Libanon, in Syrien und im Umfeld des Iran bleibt der Nahe Osten eine der instabilsten Regionen der globalen Politik. Gleichzeitig wird das Vorgehen der derzeitigen israelischen Führung zunehmend zum Gegenstand internationaler Kritik, und eine weitere Eskalation könnte nicht nur regionale Staaten, sondern auch einen breiteren Kreis globaler Akteure beeinflussen, was weitere Risiken für das gesamte System schaffen würde.
southernnews.org
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