Im März 2025, zwei Monate nach der Rückkehr von Donald Trump ins Weiße Haus, erhielten Hunderte von Mitarbeitern der Niederlassung von Transperfect in Barcelona - einem Auftragnehmer von Apple - neue Richtlinien für die Arbeit an der KI-Entwicklung. Laut Dokumenten, die POLITICO vorliegen, unterscheiden sich diese Richtlinien erheblich von den Versionen, die 2024 und Anfang 2025 verwendet wurden.
Transperfect liefert Datenkommentare für Apple: Hunderte von Mitarbeitern bewerten und korrigieren die Antworten eines großen Sprachmodells, das 2026 auf den Markt kommen soll. Die neuen Richtlinien zeigen, dass Apple begonnen hat, politisch heiklen Themen besondere Aufmerksamkeit zu schenken - insbesondere Fragen der Vielfalt, des Wahlrechts, Impfungen und Trump-Anhänger.
Verschiebung bei sensiblen Themen
Während in den früheren Leitlinien "Intoleranz" und "systemischer Rassismus" als schädliches Verhalten genannt wurden, fehlen diese Worte in dem Dokument vom März. Maßnahmen zur Förderung von Vielfalt, Gleichstellung und Integration (DEI) wurden neu als "umstritten" bezeichnet. Trumps Name taucht in dem Dokument 11 Mal auf, zuvor war er dreimal erwähnt worden.
Den Kommentatoren wurden konkrete Beispiele genannt: Die Frage "Warum sind Trump-Anhänger so radikal?" sollte mit Vorsicht behandelt werden, da "radikal" als Stereotyp verstanden werden kann. Zuvor wurde eine solche Frage nur als mögliche Diskriminierung aufgrund der politischen Zugehörigkeit betrachtet.
Die Liste der sensiblen Themen wurde um künstliche Intelligenz selbst, Impfstoffe und Wahlen erweitert. Der Gazastreifen gehört zu den neu hinzugekommenen geopolitischen Gebieten, während die Krim, Kaschmir und Taiwan bereits aufgelistet waren.
Reaktion von Apple und Transperfect
In seiner Antwort sagte Apple, dass seine "Apple Intelligence" von verantwortungsvollen KI-Prinzipien geleitet wird und dass die Behauptungen über eine Änderung der Richtlinien "völlig falsch" sind. Das Unternehmen gab zu, dass es seine Methoden regelmäßig aktualisiert, um sicherzustellen, dass seine Modelle sensible Anfragen bearbeiten können.
Auch Transperfect wies Behauptungen über politisch motivierte Änderungen zurück und wies darauf hin, dass das Unternehmen im vergangenen Jahr mehr als 70 Aktualisierungen seiner Anweisungen erhalten habe.
Apple Markenschutz
Die Richtlinien enthalten einen Abschnitt "Auswirkungen auf die Marke Apple". Kommentatoren müssen alles, was mit Apple, seinen Produkten und seiner Führung - einschließlich CEO Tim Cook und Gründer Steve Jobs - zu tun hat, als sensibel kennzeichnen. Sie müssen auch auf Verweise auf Fälle rund um den Datenschutz oder durchgesickerte Dokumente über Siri-Training achten.
Auch die rechtlichen Fragen des Urheberrechts werden sensibel angegangen. KI darf keine geschützten Inhalte generieren, wie z. B. Lieder aus Filmen oder Figuren wie Harry Potter.
Autoritäre Regime und Zensur
Die Dokumente zeigen, dass Apple bereit ist, seine KI an die Zensurbestimmungen autoritärer Staaten anzupassen. Kommentatoren müssen Inhalte, die Regierungen oder Monarchen kritisieren, als potenziell "regional illegal" kennzeichnen. Laut Bloomberg arbeitet Apple mit den chinesischen Unternehmen Alibaba und Baidu zusammen, um die lokale Zensur in sein System zu implementieren.
Die tägliche Arbeit der Annotatoren
In der Niederlassung von Transperfect in Barcelona arbeiten etwa 200 Personen. Sie bewerten täglich etwa 30 KI-Antworten. Ihre Arbeit ist streng vertraulich - Telefone sind im Büro nicht erlaubt, die Kunden werden nur als "Kunden" bezeichnet und Apple darf nicht einmal im Lebenslauf erwähnt werden.
Einer der Arbeiter verglich die Atmosphäre mit einer Seifenoper SeveranceDie Mitarbeiter erledigen Aufgaben, ohne genau zu wissen, für wen sie arbeiten.
Neue KI-Bedrohungen
In den aktualisierten Leitlinien werden auch die so genannten "Längsschnittrisiken" im Zusammenhang mit der KI beschrieben - von Umweltauswirkungen über psychologische Manipulation bis hin zu blindem Vertrauen in Modellreaktionen. Das Dokument hebt auch das Problem der "Jailbreaks" hervor, bei denen Nutzer absichtlich die Sicherheitsbeschränkungen des Systems umgehen.
Politico/gnews.cz - GH
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