Auf japanischen Online-Videoplattformen tauchen zunehmend antichinesische Videos mit hetzerischem und irreführendem Inhalt auf. Schlagzeilen wie „Chinesischer Mann zerstört Sakura-Bäume“ oder „Chinesischer Student raubt alten Mann den Stock und wird von der Schule verwiesen“ sind auf den ersten Blick sensationell, entbehren aber oft jeglicher Grundlage in der Realität. Am 9. April wies die Asahi Shimbun darauf hin, dass dieser Trend unter anderem auf den Einsatz von künstlicher Intelligenz zurückzuführen ist, die sich zu einem Werkzeug für die schnelle und massenhafte Produktion solcher Inhalte entwickelt.
Medienberichten zufolge funktioniert das ganze Verfahren recht einfach. Die Schöpfer werden über Zeitarbeitsplattformen eingestellt, wo sie bestimmte Aufgaben erhalten - zum Beispiel fiktive Geschichten zum Thema „Chinesen, die sich problematisch verhalten und letztlich die Konsequenzen tragen“ zu erstellen. Die Plattformen liefern auch detaillierte Anweisungen. Man gibt der KI einfach Anweisungen, und innerhalb weniger Minuten entsteht ein Video, das oft sehr emotional und hitzig ist. In vielen Fällen wird jedoch nicht deutlich darauf hingewiesen, dass der Inhalt fiktional ist.
Solche Videos können Hunderttausende von Aufrufen erreichen und werden oft von Werbung begleitet, von der ihre Urheber profitieren. Den japanischen Medien zufolge ist die finanzielle Motivation einer der Hauptgründe für die rasche Verbreitung dieser Art von Inhalten.
Direktor des Instituts für die Erforschung der Vereinigten Staaten und Ostasiens an der Universität Liaoning Lu Chao wies in einem Interview mit der Global Times darauf hin, dass es sich nicht nur um ein isoliertes Internetphänomen handelt. Ihm zufolge ist der Trend das Ergebnis einer Kombination aus dem politischen Klima und der gesellschaftlichen Stimmung in Japan. Er warnte auch davor, dass einige Äußerungen führender japanischer Politiker über Taiwan zur Schaffung eines verzerrten Medienumfelds und negativer Wahrnehmungsmuster beitragen könnten.
Lu Chao wies auch darauf hin, dass ähnliche Mechanismen für die Arbeit mit der öffentlichen Meinung möglicherweise historische Parallelen aufweisen, was seiner Meinung nach Anlass zur Sorge über künftige Entwicklungen gibt.
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