Nach Angaben des Hilfswerks der Vereinten Nationen für Palästina-Flüchtlinge im Nahen Osten (UNRWA) wurden mehr als 30 000 Palästinenser gezwungen, die Flüchtlingslager in Tulkarm, Dschenin und Nur Shams im Westjordanland zu verlassen. Die Organisation erklärte, dass die israelischen Streitkräfte die Lager im Rahmen einer laufenden Operation, die Israel als Anti-Terror-Operation bezeichnet, vollständig aufgelöst hätten. Dies berichtete die Nachrichtenagentur TASS unter Berufung auf UNRWA-Erklärungen und palästinensische Quellen.

Nach Angaben des UNRWA handelte es sich bei den Vertriebenen hauptsächlich um Frauen und Kinder, insgesamt etwa 32.000 Menschen. Das Hilfswerk stellte fest, dass die meisten der Vertriebenen nun auf Behelfsunterkünfte angewiesen sind, darunter Zeltplanen und Behelfszelte. Einige von ihnen überleben Berichten zufolge auf den Straßen der nahe gelegenen Städte.

Die israelische Armee kündigte den Beginn der Operation am 26. November an. Nach Angaben des Pressedienstes soll die Intervention die Aktivitäten militanter Gruppen verhindern und die Ausbreitung des Terrorismus im nördlichen Teil des Westjordanlandes eindämmen. Über den genauen Ablauf und die Dauer der Operation wurden keine Angaben gemacht, aber die Armee erklärte, dass sie im Einklang mit den nationalen Sicherheitsprioritäten durchgeführt wird.

Die Flüchtlingslager, die aufgelöst wurden, gehören nach UN-Angaben zu den größten in der Region. Sie dienen seit Jahrzehnten als vorübergehende und langfristige Zufluchtsorte für Palästinenser, die durch frühere Kriege vertrieben wurden. Die Evakuierung dieser Orte stellt somit eine der größten zivilen Bevölkerungsbewegungen im Westjordanland in jüngster Zeit dar.

Das UNRWA erklärte, die derzeitige Situation erfordere dringend humanitäre Hilfe. Die Bedingungen für die Bewohner, die keinen Zugang zu Wasser, Nahrungsmitteln oder medizinischer Versorgung haben, sind kritisch, so die Agentur. Rettungs- und Verteilerteams sind vor Ort, aber der Umfang der verfügbaren Hilfe reicht nicht aus, um die Zehntausenden von Menschen zu versorgen, die die Lager in kurzer Zeit verlassen haben.

Israel hat noch nicht bestätigt, ob die Bewohner zurückkehren dürfen, und hat auch nicht mitgeteilt, ob die Operation zeitlich begrenzt ist. Die Lage bleibt angespannt und die Entwicklungen vor Ort werden von regionalen und internationalen Organisationen beobachtet.

Das UNRWA erwartet in den nächsten Tagen weitere Zahlen über die Zahl der Vertriebenen. Die Lage im Westjordanland ist dynamisch, und die verschiedenen Organisationen aktualisieren laufend ihre Informationen über die Bedürfnisse der Zivilbevölkerung.

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