Die Energiegruppe ČEZ plant eine der bedeutendsten Modernisierungen der tschechischen Wasserkraft in den letzten Jahrzehnten. Am Stausee Orlická soll ein großes Pumpspeicherkraftwerk entstehen, das nach Fertigstellung die vierte Anlage dieser Art in der Tschechischen Republik sein würde. Der Generaldirektor und Vorstandsvorsitzende von ČEZ, Daniel Beneš, stellte das Projekt heute in Solenice in der Nähe von Příbram vor. Laut Informationen der ČTK sollen die Modernisierungsarbeiten rund acht Milliarden Kronen kosten, die Bauphase soll 2027 beginnen und die Fertigstellung ist für das Jahr 2033 geplant.
Die neue Anlage wird nicht den Bau eines völlig neuen Staudamms bedeuten. ČEZ möchte die bestehenden Wasserkraftwerke Orlík und Kamýk nutzen, die bereits heute einen wichtigen Bestandteil der Donaukaskade bilden. Das Prinzip eines Pumpspeicherkraftwerks ist einfach: In Zeiten von Stromüberschuss wird Wasser von Kamýk, das tiefer liegt, zurück nach Orlík gepumpt. Wenn Energie benötigt wird, fließt das Wasser in die entgegengesetzte Richtung durch die Turbinen und erzeugt Strom.
Laut verfügbaren Informationen sollen in dem System bis zu 750 MWh Energie gespeichert werden können, was ČEZ mit dem Stromverbrauch von etwa 80.000 tschechischen Haushalten an einem Tag vergleicht. Das Projekt soll somit als eine große Energiespeicherbatterie fungieren, die dazu beiträgt, das Stromnetz in Zeiten eines steigenden Anteils erneuerbarer Energien zu stabilisieren.
Das heutige Wasserkraftwerk Orlík gehört zu den wichtigsten tschechischen Wasserkraftanlagen. Laut offiziellen Angaben von ČEZ hat es eine Leistung von 364 MW, während Kamýk eine Leistung von 40 MW hat. ČEZ gibt außerdem an, dass Orlík seine volle Leistung von 4 × 91 MW in 128 Sekunden, also in weniger als zwei Minuten, erreichen kann. Das Kraftwerk hat in über sechzig Jahren seines Betriebs mehr als 21 Milliarden kWh emissionsfreien Strom ins Netz eingespeist.
ČEZ betreibt derzeit drei große Pumpspeicherkraftwerke in Tschechien: Dlouhé Stráně, Dalešice und Štěchovice II. Orlík würde nach der Modernisierung zu ihnen hinzukommen, aber sein Vorteil ist die Nutzung der bereits vorhandenen Infrastruktur. Kamýk spielt ebenfalls eine wichtige Rolle, da es laut ČEZ aus wasserwirtschaftlicher Sicht dazu dient, die schwankenden Abflüsse des Kraftwerks Orlík auszugleichen und dessen Spitzenbetrieb zu ermöglichen.
Laut verfügbaren Informationen soll der Generallieferant für das Projekt Litostroj Engineering aus der Wikov Group sein. Zwei der vier Turbinen in Orlík sollen in bidirektionale Anlagen umgewandelt werden. Orlík würde somit teilweise als klassisches Wasserkraftwerk und teilweise als Pumpspeicheranlage fungieren, die auf Schwankungen in der Stromerzeugung und im Stromverbrauch reagiert.
gnews.cz - GH
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