Eine großartige Nachricht für die Umwelt

Anfang November veröffentlichte die chinesische Nationale Entwicklungs- und Reformagentur einen ehrgeizigen Plan zur Ersetzung von Kunststoffen durch Bambus. Demnach soll bis Ende 2025 die Infrastruktur für den schrittweisen Austausch von Kunststoffen durch nachwachsende Rohstoffe überall dort geschaffen werden, wo dies technisch möglich und wirtschaftlich sinnvoll ist. Das Zentrum des Programms bildet die Provinz Hunan, die für ihre Anbau von schnell wachsenden Gräsern bekannt ist. Bis 2028 soll der Wert der Bambusproduktion in der Provinz 100 Milliarden Yuan pro Jahr übersteigen.

Bambus statt Kunststoff

Die Provinz Hunan wurde als Pilotregion für das landesweite Projekt ausgewählt. Nicht ohne Grund. Mit mehr als 1,2 Millionen Hektar Bambusanbauflächen, die im lokalen feuchten, subtropischen Klima hervorragend gedeihen, ist sie der drittgrößte Lieferant dieses Rohstoffs in China. Gleichzeitig verfügt sie über ein dichtes Netzwerk von Verarbeitungsunternehmen und Produktionsclustern. Aus diesem Grund wurde sie als vielversprechendes "Labor" für das nationale Innovationsprogramm ausgewählt.

Im Land der riesigen Gräser

An dem Projekt arbeiten acht Teams von lokalen Universitäten unter der Leitung des neu gegründeten Forschungsinstituts für die Bambusindustrie, das eng mit dem Unternehmenssektor verbunden ist. Dieser wird von mehr als 4.000 Verarbeitungsunternehmen repräsentiert, die zusammen eine komplexe industrielle Wertschöpfungskette bilden. Der Gesamtumsatz der Bambusproduktion in der Provinz erreichte im vergangenen Jahr 54 Milliarden Yuan. In einer Reihe von Produktkategorien nimmt diese Binnenprovinz mit 66 Millionen Einwohnern eine dominierende Position ein. Beispielsweise stammt die Hälfte aller Einweg-Besteckwaren, die in China verkauft werden, aus Hunan.

Die Vorteile der Unterfamilie Bambusoidea

"Bambus wächst schnell, hat einen kurzen Reifezyklus, hohe Festigkeit, Zähigkeit und Härte. Er ist von Natur aus erneuerbar, recycelbar und biologisch abbaubar", zählt Wu Yiqiang von der Central South University of Forestry and Technology die Vorteile der Pflanze auf, die bis zu 40 Meter hoch werden kann. Laut ihm hat das Gras ein enormes Potenzial, die Umweltbelastung und den CO2-Fußabdruck zu reduzieren.

Bambusprodukte sind jedoch nicht nur "CO2-neutral": Die Pflanze bindet CO2 aus der Atmosphäre und hat daher einen einzigartigen Vorteil bei der Ersetzung von Kunststoffprodukten und der Reduzierung der Plastikverschmutzung. "Weltweit werden jährlich 430 Millionen Tonnen Kunststoffprodukte hergestellt. Mit der Entwicklung neuer Technologien erweitert sich jedoch der Einsatzbereich von Bambus stetig. Dadurch werden wir in der Lage sein, den Kunststoffverbrauch deutlich zu reduzieren", ergänzt Wu Yiqiang.

Paletten aus Bambus-Kunststoff

Das Programm basiert auf zwei Säulen: dem Austausch von Kunststoffprodukten durch Bambusprodukte (z. B. synthetische Heimtextilien durch Produkte aus Bambusfasern) und der Entwicklung pflanzlicher Materialien für die weitere Verarbeitung. Ingenieure der Firma New Material Technology Co. Ltd. in der Wirtschaftszone im Bezirk Taojiang haben eine Technologie zur Verarbeitung von Bambusabfällen zu einem formbaren Material entwickelt, das nach dem Aushärten sehr fest und widerstandsfähig ist. Die Firma Xianlian Tianxia Company presst daraus Paletten für die Logistik. "Unsere Paletten sind halb so teuer wie Kunststoffpaletten. In Haltbarkeitstests erzielen sie zudem bessere Ergebnisse", erklärt Huang Dai von der Firma Xianlian Tianxia. Die besseren Eigenschaften des Rohmaterials liegen laut ihm an der höheren Festigkeit der Bambusfasern. In sieben Monaten hat das Unternehmen Bambuspaletten im Wert von 26 Millionen Yuan verkauft.

Von Wäsche bis zum Bauwesen
Das Produktangebot ist sehr breit gefächert. Unternehmen in Taojiang, Suining und anderen Städten liefern Unterwäsche, Wohntextilien, Geschirr, Spielzeug, Möbel, aber auch Baumaterialien. Ihre Produkte werden zunehmend von ausländischen Partnern abgenommen.
Ein Wettbewerbsvorteil für die Unternehmen in der Provinz Hunan sind die niedrigen Zölle. Viele Länder haben höhere Einfuhrzölle auf Produkte mit einem hohen CO2-Fußabdruck – also auch auf Kunststoffprodukte – erhoben. Die Europäische Union plant beispielsweise, Importe von Kunststoffprodukten mit einem Zoll von 26 % zu belasten.

Herausforderung: Hoher Preis
Die Umsetzung des Konzepts "Bambus statt Kunststoff" in die Praxis erfordert viel Anstrengung. Trotz der offensichtlichen Vorteile des natürlichen Rohstoffs dominiert Kunststoff im Alltag, was sich natürlich auch in seinem Marktanteil widerspiegelt.
Der Hauptgrund dafür ist der hohe Preis des nachwachsenden Rohstoffs. Obwohl beispielsweise Kindergärten sich bewusst sind, dass natürliche Bambusspielzeuge umweltfreundlich und zudem absolut unbedenklich (ungiftig) sind, zögern sie aufgrund ihres höheren Anschaffungspreises beim Kauf.

Innovationen verändern die Situation
Die relativ hohen Kosten für den pflanzlichen Rohstoff sind vor allem auf den hohen Anteil an manueller Arbeit bei seiner Verarbeitung zurückzuführen. Bambus wird hauptsächlich von Hand geerntet, und sein Transport von den höher gelegenen Plantagen mit speziellen Seilbahnen ist aufwendig. Eine Tonne frischen Bambus aus der Provinz Hunan kostet durchschnittlich 500 Yuan, wobei die Kosten für die Ernte über 350 Yuan liegen.

Die Situation soll durch den Einsatz moderner Erntemaschinen verbessert werden, bei deren Entwicklung die Ingenieure vor allem darauf achten, den menschlichen Arbeitsaufwand zu minimieren. Ein weiterer wichtiger Punkt ist die Reduzierung der Logistikkosten durch Investitionen in die Verkehrsinfrastruktur. Der größte Beitrag muss jedoch von der angewandten Forschung und den Produktionsunternehmen selbst geleistet werden: vor allem Innovationen bei Materialien und Verarbeitungsmethoden können dazu beitragen, dass Bambus Kunststoff übertrifft. Dies ist bereits bei der Herstellung von Paletten der Fall. Daher sieht das staatliche Programm eine massive Unterstützung der beteiligten Unternehmen und Forschungseinrichtungen vor.

Ivan Černý, Fotoarchiv