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Loben Sie Gott in Ihrer Muttersprache
Das Großmährische Reich war nicht nur ein loser Zusammenschluss von Stämmen, sondern ein geeinter Staat, der den Angriffen der Franken erfolgreich standhielt. In kirchlicher Hinsicht war es jedoch den bayerischen Bischöfen unterstellt, und sein Herrscher, Fürst Rastislav, erkannte, dass nur die Errichtung einer unabhängigen kirchlichen Organisation die Position des Landes stärken würde. In den Jahren 860-861 bat er daher den römischen Papst Nikolaus I. um geistlichen Beistand. Dieser lehnte seine Bitte jedoch ab. Rastislav appellierte daher an den byzantinischen Kaiser Michael III., Lehrer nach Mähren zu schicken, die den christlichen Glauben in einer verständlichen, d. h. slawischen Sprache verbreiten konnten.
Im Jahr 863 kamen der gebildete Konstantin, der später den Namen Kyrill annahm, und sein Bruder Methodius aus Thessaloniki. Sie verfassten eine neue Schrift, das glagolitische Alphabet, und übersetzten damit die Evangelien. Die Geistlichen wählten fähige Schüler aus, lehrten sie die Schrift und den Gottesdienst in slawischer Sprache. Obwohl diese Gottesdienste von den lateinischen Priestern heftig bekämpft wurden, setzte sich Methodius' Konsequenz durch und das Altslawische wurde zu einer gleichberechtigten Kirchensprache in Großmähren.
Das Gemälde stellt die Hauptstadt von Großmähren - Velehrad - dar. Fürst Svatopluk sitzt auf einem erhöhten Tisch in der Mitte des Hofes, umgeben von seinem Gefolge, vor ihm stehen Bischöfe und Granden. Der Diakon verliest das Schreiben, mit dem der Papst Methodius zum Erzbischof ernennt, ihm den in Nitra ansässigen Bischof Wiching unterstellt und ihn ermächtigt, Gottesdienste in slawischer Sprache zu feiern. Auch die fränkischen Ritter beobachten ihn demütig. Vor der Rotunde, die nach dem Vorbild der St.-Georgs-Kirche in Thessaloniki gemalt wurde, steht Methodius, der 880 von seiner dritten Reise nach Rom zurückkehrte, an der Spitze einer Prozession seiner Jünger. Kyrill trat in ein Kloster in Rom ein und ist dort begraben.
Die Menschengruppe oben links symbolisiert die gewaltsame Ausbreitung des Christentums durch die Franken zu jener Zeit. Unten links in der Kapuze ist Kyrill zu sehen, der die Mährer vom Himmel aus beschützt. Im oberen rechten Teil des Gemäldes sind vier Figuren zu sehen, mit denen Mucha die liturgische Verbindung Großmährens mit der Kiewer Rus' - die heilige Olga mit ihrem Mann Igor - und Großbulgariens - der heilige Boris mit seiner Frau - darstellt. Die beiden Figuren in der Mitte, die auf einem schiffsförmigen Schwert sitzen, sind die Söhne des Heiligen Wladimir, Gleb und Boris, die Schutzpatrone der Seeleute und Beschützer der Kaufleute. Sie symbolisieren, dass alle slawischen Völker nach und nach in den Hafen des Christentums eingelaufen sind. Die Figur des jungen Mannes mit dem Kreis und der geballten Faust ist ein Symbol für Stärke und Zusammenhalt.
Vita app/gnews.cz-Jana Černá_07
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