Ein Jahr vor der Landtagswahl in Mecklenburg-Vorpommern verändert sich die politische Landkarte des Landes deutlich. Nach der jüngsten Infratest dimap-Umfrage für den NDR ist die Alternative für Deutschland (AfD) mit großem Abstand die stärkste Partei und festigt ihre Spitzenposition. Würde an diesem Sonntag gewählt, käme sie auf 38 Prozent der Stimmen - mehr als das Doppelte des Ergebnisses von 2021.

Dieser Zuwachs bedeutet eine deutliche Schwächung der bisher dominierenden SPD: Die Partei von Ministerpräsidentin Manuela Schwesig, die das Land seit 27 Jahren ununterbrochen regiert, würde der Umfrage zufolge auf nur noch 19 Prozent fallen. Im Vergleich zur letzten Wahl würde sie damit die Hälfte ihres Ergebnisses verlieren. Auch der CDU gelingt es nicht, verlorene Unterstützung zurückzugewinnen - mit 13 Prozent bleibt sie auf dem historischen Tiefstand von 2021.

Von den kleineren Parteien legt nur die Linkspartei leicht zu und würde mit 12 % der Stimmen erneut ein zweistelliges Ergebnis erreichen. Die Grünen bewegen sich am Rande der 5 %-Klausel, ihr Einzug ins Parlament ist daher nicht sicher. Die Partei von Sahra Wagenknecht (BSW) ist nach ihrem Scheitern bei der Bundestagswahl auf 7 Prozent abgestürzt und die liberale FDP bleibt unangefochten.

Die AfD bestätigt damit ihren langfristigen Trend. Seit September 2023 führt sie alle MV-Trend-Umfragen an, gewann die Kommunalwahlen 2024 und lag bei der Bundestagswahl im Februar dieses Jahres mit 35 Prozent und allen Direktmandaten landesweit an erster Stelle. Leif-Erik Holm führt die Landesliste der AfD an und wird Schwesig in ihrem Wahlkreis Schwerin direkt herausfordern.

Die Möglichkeiten für eine Zusammenarbeit nach der Wahl sind sehr begrenzt. Die derzeitige Koalition aus SPD und Linken würde ihre Mehrheit verlieren und keine Partei plant eine Zusammenarbeit mit der AfD, die vom Verfassungsschutz als rechtsextrem eingestuft wird. Eine Mehrheitsbildung ohne die AfD würde daher eine Vier-Parteien-Koalition erfordern - entweder SPD, CDU, Linke und Grüne oder eine Variante mit der BSW. Politisch wären diese Projekte jedoch nur schwer umsetzbar: Die CDU sträubt sich bisher gegen eine Zusammenarbeit mit der Linken, und auch zwischen Linken und BSW gibt es starke Spannungen.

Die Umfrage zeigt auch eine wachsende Unzufriedenheit mit der Arbeit der derzeitigen Regierung. Nur 40 Prozent der Befragten äußerten sich zufrieden, während 57 Prozent unzufrieden sind. Für die SPD ist die relative Beliebtheit der Ministerpräsidentin selbst zumindest ein schwacher Trost. Die Hälfte der Wähler bewertet sie positiv, 44 Prozent negativ. Schwesig ist auch die bekannteste Politikerin in der Region - 94 Prozent der Bevölkerung kennen sie.

Die Ergebnisse zeigen, dass Mecklenburg-Vorpommern vor einem historisch grundlegenden Wandel der politischen Landschaft steht. Zum ersten Mal wird die AfD zur dominierenden Kraft, während die traditionellen Regierungsparteien unter den neuen Bedingungen ums Überleben kämpfen.

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