Der tschechische Konzern Agrofert führt Gespräche mit der Regierung des Bundeslandes Sachsen-Anhalt über eine mögliche finanzielle Unterstützung für umfangreiche Investitionen in der Stadt Wittenberg. Das Unternehmen plant, insgesamt 120 Millionen Euro (etwa drei Milliarden Kronen) in zwei Produktionsstätten zu investieren. Dies berichtete der deutsche öffentlich-rechtliche Sender MDR.

Laut dem stellvertretenden Vorstandsvorsitzenden von Agrofert, Petr Cingr, ist das Ziel des Konzerns, die Landwirtschaft, die Düngemittelproduktion und die Lebensmittelindustrie langfristig zu einer funktionierenden Kette zu verbinden.

70 Millionen Euro für den Backwarenhersteller Lieken

Der deutsche Backwarenhersteller Lieken hat seit acht Jahren seinen Sitz in Wittenberg und wurde 2013 von Agrofert übernommen. Das Unternehmen produziert hier unter anderem das bekannte Toastbrot "Golden Toast" sowie Muffins und andere Backwaren.

Laut der Geschäftsführerin des Werks, Jennifer Staatsove, plant das Unternehmen, 70 Millionen Euro in eine neue Produktionslinie für tiefgekühlte Brezelstücke mit Käse zu investieren. Die Bauarbeiten sollen im Mai oder Juni beginnen, wobei die ersten Maschinen im Herbst installiert werden sollen. Der vollständige Betrieb der neuen Linie ist für Ende nächsten Jahres geplant.

Weitere 50 Millionen Euro für SKW Piesteritz

Die restlichen 50 Millionen Euro will Agrofert in das Chemieunternehmen SKW Piesteritz investieren, das der größte Ammoniakproduzent in Deutschland ist. Aus Ammoniak wird Harnstoff hergestellt, ein wichtiger Rohstoff für die Düngemittelproduktion.

Das Unternehmen beschäftigt etwa 2.500 Mitarbeiter, und laut dem Geschäftsführer Carsten Franzke sind indirekt bis zu 10.000 Arbeitsplätze in der Region davon abhängig.

Die Investitionen sollen vor allem darauf abzielen, die Energieeffizienz zu erhöhen und die Wettbewerbsfähigkeit des Werks zu stärken. SKW Piesteritz hat in den letzten Jahren mit hohen Kosten für Erdgas zu kämpfen, das etwa 80 Prozent der Produktionskosten ausmacht.

Die Energiekrise trifft die chemische Industrie hart

Laut der Geschäftsleitung von SKW Piesteritz hat sich in den letzten Jahren das Gleichgewicht zwischen den Energiepreisen und den Marktpreisen für Endprodukte erheblich verschoben. Dies hat zu erheblichen Verlusten in der gesamten Branche geführt.

Petr Cingr erklärte, dass Agrofert bei den Verhandlungen mit der deutschen Bundesregierung erfolgreich war, die sogenannte Gaspeicherabgabe angepasst wurde. Dank dieser Änderung soll das Unternehmen jährlich etwa 40 Millionen Euro sparen.

Verhandlungen mit Politikern dauern an

Der Ministerpräsident von Sachsen-Anhalt, Sven Schulze, bezeichnete die geplanten Investitionen als ein wichtiges Zeichen des Vertrauens in die Region. Er betonte, dass dies eine Bestätigung sei, dass der Standort auch in den kommenden Jahrzehnten eine Perspektive habe.

Schulze besuchte im März Prag, wo er mit dem tschechischen Premierminister Andrej Babiš sowie mit Vertretern von Agrofert sprach. Er erhielt die Zusicherung, dass der Konzern in Sachsen-Anhalt bleiben will, wies aber auch auf die Notwendigkeit hin, über geeignete Bedingungen für eine weitere Entwicklung zu diskutieren.

Laut Schulze werden viele wichtige Investitionsentscheidungen, die das Wirtschaftsleben von Sachsen-Anhalt betreffen, in Prag getroffen.

gnews.cz - GH