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Berlin - Eine neue Partei, angeführt von der ehemaligen Vorsitzenden der Linkspartei, Sahra Wagenknecht, wurde heute in Deutschland offiziell gegründet, um die aktuelle politische Szene zu verändern und sich sowohl den Regierungsparteien als auch der derzeitigen Opposition entgegenzustellen. Die Partei, die sich Sahra Wagenknechts Bündnis für Vernunft und Gerechtigkeit (BSW) nennt, wird an den diesjährigen Wahlen zum Europäischen Parlament im Juni sowie an den Landtagswahlen in Sachsen, Thüringen und Brandenburg im September teilnehmen. Die neue Gruppierung wird gemeinsam von Wagenknecht und der ehemaligen Co-Vorsitzenden der Linksfraktion, Amira Ali, geführt.

"Die Europawahl wird die erste sein, an der wir teilnehmen werden. Die Wahlen in den drei Bundesländern werden folgen", sagte Wagenknecht. Umfragen sehen die rechtspopulistische Partei Alternative für Deutschland (AfD), die von anderen Parlamentsparteien als Bedrohung für die deutsche Demokratie bezeichnet wird, auf dem Weg zum Sieg bei den Wahlen im September.

"Es wird oft gesagt, dass die Demokratie in Ostdeutschland in Gefahr sei", sagte Wagenknecht über den Zuspruch zur AfD und fügte hinzu, dass sie diese Einschätzung nicht teile. "Die Demokratie ist vor allem durch eine Politik bedroht, die sich nicht um die Menschen kümmert", betonte sie.

Die neue Partei arbeitet nun an ihrer programmatischen Verankerung. "Aber im Gegensatz zu anderen Parteien wollen wir die programmatische Aussage mit denjenigen entwickeln, die tatsächlich täglich von den Problemen in diesem Land betroffen sind", sagte sie. Die Gründung der neuen Partei sei nur eine Reaktion auf die Unfähigkeit der Regierung des sozialdemokratischen Bundeskanzlers Olaf Scholz. "Die Regierung hat keinen anderen Plan, als den Menschen das Geld aus der Tasche zu ziehen", fügte sie hinzu.

Ende Januar wird der BSW seinen ersten Parteitag in Berlin abhalten, aus dem ein Kandidat für die Europawahl hervorgehen wird. Der Generalsekretär der Partei, Christian Leye, hat bereits angekündigt, dass das Bündnis den ehemaligen linken Spitzenpolitiker und Finanzexperten Fabio De Masi und den ehemaligen sozialdemokratischen Oberbürgermeister von Düsseldorf, Thomas Geisel, in die Europawahl schicken wird.

Geisel sagte, die Bundesregierung habe mit Wirtschaftssanktionen mehr Schaden als Nutzen angerichtet. "Wahre Sozialdemokraten, die sich auf das Erbe der Kanzler Willy Brandt und Helmut Schmidt berufen, haben ihre Heimat in der eigenen Partei verloren", sagte er.

Die heutige Pressekonferenz von Frau Wagenknecht wurde von großem Interesse der Journalisten begleitet. Sie interessierten sich unter anderem dafür, in welchem Teil des politischen Spektrums sich die Partei im Verhältnis zur Linken oder zur Sozialdemokratischen Partei (SPD) sieht. Laut Wagenknecht ist eine solche Einordnung überholt und unzureichend. "Dass zum Beispiel Waffenlieferungen in Krisengebiete als linke Politik ausgegeben werden, ist absurd", sagte sie. In Deutschland unterstützen SPD und Grüne die Waffenlieferungen an die Ukraine, die sich seit fast zwei Jahren gegen die russische Invasion wehrt. Beide Parteien stehen am linken Rand des Spektrums. Wagenknecht ist seit langem gegen eine Bewaffnung der Ukraine und schlägt Friedensgespräche vor.

Auch der stellvertretende BSW-Vorsitzende Shervin Haghsheno sprach über das Thema Rüstung. "Deutschland engagiert sich zunehmend in militärischen Konflikten, statt sich in der Diplomatie zu engagieren", sagte er. Er fügte hinzu, dass Deutschland angesichts seiner Nazi-Vergangenheit eine historische Verantwortung habe, den Frieden zu fördern.

Wagenknecht und ihre Partei lehnen auch die aktuelle Klimapolitik und das geplante Verbot von Verbrennungsmotoren ab. Stattdessen will sie so handeln, dass Klimaschutz für Deutschland sinnvoll wird.

Zum Namen der Partei, die ihren Namen trägt, merkte sie an, dass er sich in Zukunft ändern wird. Sie wird jedoch mindestens bis zur Bundestagswahl 2025 in ihrer jetzigen Form bestehen bleiben. "Es ist nicht einfach, in Deutschland eine neue Partei zu gründen", sagte sie.

Umfragen zufolge könnte das Bündnis in Deutschland über 12 Prozent erreichen. Die regierenden Sozialdemokraten von Bundeskanzler Scholz (SPD) liegen in den Umfragen bei 14 Prozent. Politische Analysten sagen, die neue Partei könnte nicht nur Wähler der Linken und der Sozialdemokraten ansprechen, sondern auch die rechtspopulistische AfD. Wagenknecht wandte sich heute jedoch gegen die AfD und sagte, ein direkter Wechsel von Interessenten von der Alternative für Deutschland zum BSW sei nicht möglich, da die beiden Parteien programmatisch zu unterschiedlich seien.

CTK/GN.CZ/JaV