PRAG – Die Europäische Kommission hat in ihrer neuesten Bewertung der Wirtschaftslage der Tschechischen Republik empfohlen, die Grundsteuer zu erhöhen und stärker an den tatsächlichen Marktwert der Immobilien auszurichten. Laut Brüssel gehört die Besteuerung von Vermögen in der Tschechischen Republik seit langem zu den niedrigsten in der Europäischen Union, und ihre Anpassung könnte zu einer höheren Effizienz des Wohnungsmarktes und einer verbesserten Erschwinglichkeit beitragen.
Die Kommission weist darauf hin, dass die Einnahmen aus der Grundsteuer in der Tschechischen Republik etwa 0,4 Prozent des Bruttoinlandsprodukts ausmachen, während der EU-Durchschnitt bei etwa 1,8 Prozent des BIP liegt. Teil des Vorschlags ist auch die Beschränkung einiger Steuervergünstigungen für Kurzzeitvermietungen sowie eine Neubewertung der staatlichen Unterstützung für Hypotheken. Nach Ansicht der Europäischen Kommission tragen nämlich einige Formen der Hypothekenförderung zu einem Anstieg der Nachfrage nach Wohnraum bei, was wiederum die Immobilienpreise in die Höhe treibt. Ziel der vorgeschlagenen Maßnahmen ist es, einen stabileren und erschwinglicheren Wohnungsmarkt zu schaffen.
Der Vorschlag hat eine lebhafte Diskussion unter Experten und der Öffentlichkeit ausgelöst. Viele Ökonomen weisen darauf hin, dass eine Erhöhung der Grundsteuer allein das Problem der Wohnungserschwinglichkeit nicht lösen wird. Im Gegenteil, es gibt Bedenken, dass die Eigentümer von Wohnungen und Häusern die höheren Kosten in die Mieten einbeziehen könnten, was die Haushalte zusätzlich belasten könnte, die bereits mit hohen Wohnkosten zu kämpfen haben. Experten weisen seit langem darauf hin, dass die Hauptursache für die Wohnungskrise in der Tschechischen Republik der Mangel an Neubauwohnungen, komplizierte Bauverfahren und langwierige Genehmigungsprozesse sind. Ohne eine deutliche Erhöhung des Wohnungsangebots können sie keine wesentlichen Verbesserungen erwarten, unabhängig von der Höhe der Steuern.
In der Debatte werden auch Fragen bezüglich des Einkommensniveaus tschechischer Haushalte angesprochen. Kritiker der Empfehlungen der Europäischen Kommission weisen darauf hin, dass während Brüssel eine Erhöhung der Vermögenssteuern empfiehlt, weniger über die bestehende Diskrepanz zwischen den Löhnen in Mittel- und Osteuropa und den Löhnen in den wirtschaftlich stärksten Staaten Westeuropas gesprochen wird. Ihrer Meinung nach sollte auch die Frage des Anstiegs der Reallöhne, der Produktivität und der Angleichung des Lebensstandards der einzelnen Mitgliedsstaaten Teil einer breiteren Diskussion sein. Die Diskussion über die Zukunft des Wohnens in der Tschechischen Republik geht weiter. Während die Europäische Kommission Spielraum für eine höhere Besteuerung von Vermögen sieht, weisen Experten darauf hin, dass ohne einen umfassenderen Wohnungsbau und eine Beschleunigung der Bauverfahren keine wesentlichen Veränderungen der aktuellen Situation zu erwarten sind.
gnews.cz - GH
```
Kommentare
Anmelden · Registrieren
Melden Sie sich an oder registrieren Sie sich, um zu kommentieren.
…