BRÜSSEL - Bei einem Treffen der Umweltminister in Brüssel lehnte die Tschechische Republik heute den ehrgeizigen Klimaplan der Europäischen Kommission ab, der darauf abzielt, die Treibhausgasemissionen bis 2040 um 90 Prozent gegenüber dem Stand von 1990 zu senken. Die Position der tschechischen Regierung wurde von Umweltminister Petr Hladík (KDU-ČSL) bei seiner Ankunft auf dem Treffen bekräftigt.
„Wir sind seit langem skeptisch gegenüber dem vorgeschlagenen 90 %-Ziel. Wir können eine solche Verpflichtung nicht ohne eine detaillierte Analyse der Auswirkungen auf die verschiedenen Sektoren unserer Wirtschaft eingehen“.“ sagte Minister Hladík vor Journalisten. Der Hauptgrund für die tschechische Unterstützung ist die Tatsache, dass die EU-Exekutive noch keine spezifischen Folgenabschätzungen vorgelegt hat, die die Konsequenzen der vorgeschlagenen Maßnahmen für Schlüsselindustrien wie Energie, Verkehr oder Schwerindustrie aufzeigen würden.
Die dänische EU-Ratspräsidentschaft, die die Verhandlungen führt, wird versuchen, einen möglichst breiten Konsens zwischen den Mitgliedstaaten zu finden. Ziel ist es, ein gemeinsames Signal für die langfristigen Klimaziele der Union zu setzen. Der Vorschlag der Europäischen Kommission, die Emissionen bis 2040 um 90 Prozent zu senken, ist ein wichtiger Zwischenschritt auf dem Weg zur Kohlenstoffneutralität im Jahr 2050.
Es wird erwartet, dass die Verhandlungen sehr angespannt sein werden. Während die Gruppe der fortschrittlichen Länder unter Führung der skandinavischen Staaten das Ziel wahrscheinlich unterstützen wird, steht die Tschechische Republik mit ihrer Ablehnung nicht alleine da. Skeptische Stimmen kommen beispielsweise auch aus Italien und Polen, die betonen, dass die Ausgangslage und die wirtschaftliche Struktur jedes Landes berücksichtigt werden müssen.
Die Position Prags spiegelt die Besorgnis über die übermäßige Belastung der tschechischen Wirtschaft wider, die immer noch stark von der Industrieproduktion abhängig ist. Minister Hladík betonte, dass die Tschechische Republik ihren Klimaverpflichtungen nachkommen wolle, dies aber auf eine Weise tun müsse, die ihre wirtschaftliche Wettbewerbsfähigkeit und soziale Stabilität nicht gefährde. Das Ministertreffen dient der Vorbereitung auf die offiziellen Verhandlungen mit dem Europäischen Parlament nach den Wahlen im Mai.
gnews,de - GH
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