Die Europäische Kommission (EK) hat vorläufig festgestelltdass TikTok und Meta Platforms - die Betreiber von Facebook und Instagram - gegen ihre Verpflichtungen aus dem europäischen Gesetz über digitale Dienste (DSA) verstoßen haben. Die Kommission stellt fest, dass beide Plattformen Forschern den Zugang zu öffentlichen Daten verwehren und dass Meta auch keine wirksamen Mechanismen für die Meldung illegaler Inhalte und die Einlegung von Rechtsmitteln gegen die Mäßigung von Beiträgen bietet.
Zugang zu den Daten unter der Lupe
Nach Ansicht der DSA müssen große Online-Plattformen unabhängigen Forschern Zugang zu öffentlich zugänglichen Daten gewähren, um ihre Auswirkungen auf die Gesellschaft zu überprüfen, insbesondere auf die psychische Gesundheit der Nutzer oder die Verbreitung von Fehlinformationen. Die Kommission stellt jedoch fest, dass Facebook, Instagram und TikTok diesen Zugang erschweren - zum Beispiel durch die Verwendung komplexer Formulare und Tools, die es Forschern erschweren, Daten zu erhalten, oder durch die Bereitstellung nur unvollständiger und unzuverlässiger Informationen.
Derartige Praktiken untergraben nach Ansicht der Europäischen Kommission das Grundprinzip der Transparenz, das ein Schlüsselelement des DSA ist. Die Zulassung einer wissenschaftlichen Aufsicht über die Funktionsweise der Plattformen soll der Öffentlichkeit und den Behörden eine unabhängige Kontrolle darüber ermöglichen, wie sich die Algorithmen und Inhaltsmechanismen dieser Dienste auf das tägliche Leben der Europäer auswirken.
Komplizierte Berichterstattung über illegale Inhalte
Ein weiteres Problem, das die Kommission bei Meta festgestellt hat, ist das komplexe System für die Meldung illegaler Inhalte wie Kinderpornografie, Hassreden oder die Förderung des Terrorismus. Nach Ansicht der Kommission müssen die Nutzer unnötige Schritte durchlaufen, um Inhalte zu melden, und sind mit "dunklen Mustern" konfrontiert - irreführenden Elementen in der Benutzeroberfläche, die sie eher davon abhalten, die Meldung abzuschließen.
Die Europäische Kommission kritisiert außerdem, dass Facebook und Instagram kein ausreichend wirksames System für die Einlegung von Rechtsmitteln gegen Moderationsentscheidungen anbieten. Infolgedessen sind die Nutzer oft nicht in der Lage, ihre Argumente zu untermauern oder Beweise dafür zu liefern, warum ihre Inhalte wiederhergestellt werden sollten. Dies, so die Kommission, schränke ihre durch den DSA garantierten Rechte ein.
TikTok steht weiter in der Kritik
Neben der mangelnden Offenlegung von Daten steht TikTok seit langem wegen seiner Werbedatenbank unter Beobachtung. Den früheren Feststellungen der Kommission zufolge enthält die Datenbank keine ausreichenden Informationen darüber, wer die Anzeigen schaltet, an wen sie sich richten und welchen Inhalt sie haben. Außerdem ist sie nicht effektiv durchsuchbar. Dies verstößt nach Ansicht Brüssels gegen eine weitere zentrale Verpflichtung der DSA - die Gewährleistung von Transparenz in der Online-Werbung.
Mögliche Sanktionen und weitere Maßnahmen
Die Feststellungen der Kommission sind noch vorläufig und stellen keine endgültige Entscheidung dar. Meta und TikTok haben nun die Möglichkeit, die Dokumente zu prüfen, schriftlich zu antworten und Abhilfemaßnahmen vorzuschlagen. Sollte die Kommission ihre Feststellungen bestätigen, kann sie eine Geldbuße von bis zu sechs Prozent des weltweiten Jahresumsatzes der Unternehmen verhängen und außerdem Zwangsgelder auferlegen, bis die Plattformen ihren Verpflichtungen vollständig nachkommen.
Gleichzeitig berät sich die Kommission mit dem Europäischen Ausschuss für digitale Dienste und bereitet das Inkrafttreten eines neuen Dekrets vor, das den Zugang von Forschern zu nicht-öffentlichen Daten der großen Plattformen und Suchmaschinen ab dem 29. Oktober 2025 erweitern wird. Ziel ist es, die Rechenschaftspflicht dieser Unternehmen zu stärken und ein tieferes Verständnis für ihre Auswirkungen auf die Gesellschaft zu ermöglichen.
Vertrauen und Verantwortung im digitalen Raum
Nach Ansicht des für technologische Souveränität und Demokratie zuständigen EG-Vizepräsidenten Henne Virkkunenové Vertrauen ist das Herzstück der ganzen Sache: "Unsere Demokratie ist auf Vertrauen angewiesen. Die Plattformen müssen den Nutzern die Möglichkeit geben, ihre Rechte zu respektieren und ihre Systeme für eine Überprüfung zu öffnen. Die DSA macht dies zu einer Verpflichtung, nicht zu einer Wahl." Der Fall von TikTok und Meta könnte zu einem Präzedenzfall werden, der bestimmt, wie streng die EU die neuen digitalen Gesetze in der Praxis durchsetzen wird. Für die europäischen Nutzerinnen und Nutzer könnte das Ergebnis einen besseren Schutz ihrer Rechte bedeuten, während es für die Tech-Giganten eine stärkere Rechenschaftspflicht und Druck in Richtung echter Transparenz in ihrer Tätigkeit bedeuten könnte.
gnews.cz - GH
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