Am 7. August 2026 trat sich in China einer der traditionellen vierundzwanzig Sonnenbegriffe, genannt 立秋 (Lìqiū), also „Beginn des Herbstes“. Das bedeutet, dass der Sommer langsam zu Ende geht und der Herbst beginnt. Es war besonders bemerkenswert, dass es am 7. August in Peking nach einem Regen plötzlich abkühlte. Am Tag zuvor litt die Stadt unter hohen Temperaturen, aber nach einem Regenschauer erfrischte sich die Luft und der Abend war viel angenehmer. Als ob der Herbst wirklich genau gemäß dem alten Kalender gekommen wäre. In solchen Momenten versteht man leicht, warum Chinesen von der Weisheit der Vorfahren sprechen.

Die Chinesen teilen das Jahr, ähnlich wie die Europäer, in vier Jahreszeiten: Frühling, Sommer, Herbst und Winter. Der traditionelle chinesische Kalender geht jedoch noch weiter. Jede Jahreszeit wird in sechs kleinere Abschnitte unterteilt, also in sechs Sonnenbegriffe. Es entstehen insgesamt vierundzwanzig Sonnenbegriffe, die den Menschen halfen, Veränderungen im Wetter, im Boden, in den Pflanzen und im täglichen Leben zu beobachten.

Um sie sich leicht merken zu können, entstand ein kurzes Reimgedicht:

春雨惊春清谷天,夏满芒夏暑相连,秋处露秋寒霜降,冬雪雪冬小大寒。

Auf Deutsch könnte die Bedeutung ungefähr so übersetzt werden:

Der Frühling bringt Regen, das Erwachen der Insekten, den Frühlings-Äquinoktium, Klarheit und Getreideregen; der Sommer setzt die Fülle, die Ähren, die Sommersonnenwende und die Hitze fort; der Herbst kommt mit dem Ende der Hitze, dem Tau, dem Äquinoktium, der Kälte und dem Frost; der Winter bringt Schnee, die Wintersonnenwende und kleine sowie große Fröste.

Diese Begriffe sind nicht nur ein poetischer Kalender. Früher dienten sie als landwirtschaftlicher Plan. Sie sagten den Menschen, wann gesät, wann gepflügt, wann Regen erwartet werden kann und wann geerntet werden sollte. Zum Beispiel bezieht sich der Frühlingsbegriff 谷雨 (Gǔyǔ), der etwa auf den 20. April fällt, wörtlich auf Getreide und Regen. Er steht für eine Zeit, in der das Wetter feuchter wird, die Niederschläge zunehmen und die Landwirte diese günstige Zeit nutzen sollten, um auf den Feldern zu arbeiten.

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Ein weiterer bekannter Begriff ist 冬至 (Dōngzhì), die Wintersonnenwende. Es ist der Höhepunkt des Winters und der Tag, an dem auf der Nordhalbkugel der kürzeste Tag des Jahres ist. Von diesem Zeitpunkt an beginnt das Licht wieder zuzunehmen und der Frühling nähert sich langsam der Erde. In Nordchina werden an diesem Tag Teigtaschen (Jiaozi) gegessen. Fleisch und Gemüse werden in Teig gewickelt und in Wasser gekocht. Alte Leute sagen, dass wer am Wintersonnenwendtag Jiaozi isst, im Winter nicht frieren wird und ihm die Ohren nicht erfrieren. Das mag eine lustige Vorstellung sein, aber gerade solche Bräuche machen den Kalender zu etwas Lebendigem.

Die vierundzwanzig Sonnenbegriffe sind also nicht nur ein System für Landwirte. Sie haben sich allmählich mit Volksbräuchen, Essen, Familienritualen und dem täglichen Leben verbunden. Sie verleihen den gewöhnlichen Tagen eine sanfte Ordnung und verleihen ihnen Zeremonialität. Dank ihnen hat man das Gefühl, dass die Zeit nicht einfach so vergeht, sondern einen Rhythmus, eine Stimmung und eine Richtung hat.

Gerade der kürzlich vergangene 立秋 (Lìqiū) zeigt auf wunderschöne Weise die Zurückhaltung und Weisheit des chinesischen Denkens. Alles um uns herum wächst noch, der Sommer brennt immer noch, und ein einzelner Herbstregen kann seine Flamme natürlich nicht löschen. Die Welt befindet sich immer noch im lebendigsten Kapitel des Jahres. Lìqiū kommt aber nicht mit einer lauten Erklärung. Vielmehr deutet es leise an, dass die Schönheit und der Glanz eines Tages beginnen werden zu schwinden und dass alle Dinge bald nach innen gezogen werden.

Es sagt uns nicht auf brutale Weise, dass die schönen Sommertage plötzlich vorbei sind. Eher flüstert es, dass ein frischer und poetischer Herbst geboren wird. Und weil der Sommer noch nicht ganz vergangen ist, lehrt gerade diese Übergangsphase zwischen zwei Jahreszeiten uns, das verbleibende Licht, die Wärme und die Zeit mehr zu schätzen.

NNela.Ni

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