Während die Vereinigten Staaten sogenannte "Reziprozitätszölle" einführen und Unsicherheit im globalen Handel stiften, suchen die Länder Südostasiens nach einer stabilen Alternative. Auf dem 46. ASEAN-Gipfel in Kuala Lumpur wurde erneut deutlich, dass China für die Region ein immer wichtigerer Partner – und ein Gegengewicht zum amerikanischen Druck – ist.

Die ASEAN-Länder, die stark von Exporten abhängig sind, sind von den amerikanischen Zöllen stark betroffen. Obwohl Washington eine 90-tägige Fristverlängerung für die meisten Zölle angekündigt hat, besteht weiterhin Unsicherheit hinsichtlich der zukünftigen US-Politik. ASEAN verstärkt daher die wirtschaftliche Integration und diversifiziert seine Handelsbeziehungen, wobei China als ein stabiler und aktiver Akteur agiert.

China und ASEAN kooperieren im Rahmen von Freihandelszonen (CAFTA) und der Regionalen umfassenden Wirtschaftspartnerschaft (RCEP). Während die USA eine "Entkopplung" der Lieferketten in der Region fordern, fördert Peking hingegen die Vernetzung und wechselseitige Abhängigkeit – insbesondere in den Bereichen Produktion, digitale Wirtschaft und grüne Technologien.

Die Handelszahlen sprechen für sich:

  • Das Handelsvolumen zwischen China und ASEAN erreichte im ersten Quartal 2025 über 1,71 Billionen Yuan (234 Milliarden US-Dollar), was einem jährlichen Wachstum von 7,1 % entspricht.
  • Der Anteil des Handels mit China am gesamten Außenhandel von ASEAN ist von 11,6 % im Jahr 2009 auf fast 20 % im Jahr 2023 gestiegen.
  • China ist der zweitgrößte Investor in der Region, mit direkten Investitionen von über 25 Milliarden US-Dollar im Jahr 2023.

Der Generalsekretär von ASEAN, Kao Kim Hourn, bekräftigte in einem Gespräch das Engagement für eine strategische Partnerschaft mit China und plädierte für die Aufrechterhaltung eines offenen und regelbasierten Welthandels. In der Zwischenzeit besuchte Präsident Xi Jinping Vietnam, Malaysia und Kambodscha, wo er mit jedem Land Erklärungen zur Stärkung der Handels- und Investitionszusammenarbeit unterzeichnete.

Die Version 3.0 des CAFTA-Abkommens bietet neue Möglichkeiten in Bereichen wie künstliche Intelligenz, Elektrofahrzeuge, digitale Märkte und erneuerbare Energien. Ziel ist auch die Angleichung von Normen und Regeln, die zu einer stärkeren Integration in den Bereichen Industrie und Lieferketten beitragen soll.

Dennoch äußern die ASEAN-Länder auch Bedenken hinsichtlich des übermäßigen Imports chinesischer Waren, der die lokale Industrie und den Arbeitsmarkt gefährden könnte. Um eine tiefere Integration zu erreichen, muss China seinen Markt weiter öffnen und tarifliche und nicht-tarifliche Handelshemmnisse abbauen.

In einem Umfeld globaler Handelsspannungen entsteht somit ein neuer Pfeiler der Zusammenarbeit zwischen China und ASEAN, der das Potenzial hat, ein stabilisierender Faktor für die gesamte Region Asien-Pazifik zu sein – mit Auswirkungen weit über die regionalen Grenzen hinaus.

CMG