Der chinesische Außenminister Wang Yi erklärte auf der Münchner Sicherheitskonferenz, dass China und Europa Partner und keine Rivalen seien, und rief dazu auf, Harmonie zu suchen und gleichzeitig die Unterschiede zu respektieren.
Wang, der auch Mitglied des Politbüros des Zentralkomitees der Kommunistischen Partei Chinas ist, wies darauf hin, dass die internationale Lage im vergangenen Jahr deutlich komplexer und instabiler geworden sei. Als Reaktion auf die zunehmenden Sicherheitsrisiken und das Zusammentreffen globaler Herausforderungen werde China weiterhin den Multilateralismus und die demokratischen Grundsätze in den internationalen Beziehungen fördern, sagte er.
Unterstützung für Multilateralismus und das UN-System
In seiner Rede auf dem Podium „China in der Welt“ stellte Wang Chinas Vision für den Umgang mit der globalen Unsicherheit und die Reform der Weltordnung vor. Er betonte, dass der Schlüssel zur Verbesserung der globalen Governance in der Stärkung der Rolle der Vereinten Nationen liegt.
Ihm zufolge ist es die UN-Plattform, die es allen Staaten - unabhängig von ihrer Größe oder Wirtschaftskraft - ermöglicht, ihre Stimme zu erheben. Ohne die UNO könnte die Welt in eine Ära zurückkehren, in der die Starken die Schwachen dominieren, was insbesondere kleine und mittlere Länder bedrohen würde, die auf das multilaterale System angewiesen sind.
Wang rief auch dazu auf, nach gemeinsamen Interessen zu suchen, dabei aber die Unterschiede zu bewahren und eine auf gegenseitigem Nutzen beruhende Zusammenarbeit zu entwickeln. Er verwies auf das konfuzianische Werk "Die Konfuzius-Gespräche", aus dem er den Gedanken der Harmonie in der Vielfalt als Grundlage für die Beziehungen zwischen den Staaten zitierte.
Beziehungen zwischen China und Europa
Zur Zukunft der chinesisch-europäischen Beziehungen sagte Wang, beide Seiten sollten die strategische Kommunikation und das gegenseitige Vertrauen stärken. Er warnte davor, dass die Abstempelung Chinas als Bedrohung und anhaltende antichinesische Vorurteile der langfristigen Entwicklung der Beziehungen zwischen China und der EU schaden könnten.
In einem Interview mit dem Vorsitzenden der Konferenz betonte Wolfgang Ischinger die Bedeutung der Handelskooperation und das hohe Volumen des gegenseitigen Handels als stabilisierendes Element der Beziehungen.
Dem Experten Jiang Feng von der Shanghai Academy of Global Governance and Regional Studies zufolge ist die Realität der chinesisch-europäischen Beziehungen im Bereich der Wirtschaft und der zwischenmenschlichen Kontakte positiver, als sie in der europäischen Öffentlichkeit oft dargestellt wird. Er sagte auch, dass die wirtschaftliche Zusammenarbeit die wichtigste Säule der bilateralen Beziehungen bleibt und zu ihrer weiteren Stärkung beitragen kann.
Chinas wachsende Rolle in der Welt
Jiang zufolge spielt China eine immer wichtigere Rolle in internationalen Angelegenheiten und wird zu einem unverzichtbaren Akteur in der Weltpolitik. Er sagte, das Interesse an den Reden und Diskussionen von Minister Wang über die chinesisch-europäischen Beziehungen sei in diesem Jahr viel größer als in den Vorjahren.
Nach Angaben der Teilnehmer wurde China in praktisch allen Debatten erwähnt - von der europäischen Entwicklung über die Bildung einer neuen Weltordnung bis hin zu den transatlantischen Beziehungen und regionalen Konflikten. Viele Teilnehmer äußerten auch Interesse daran, mehr über die Entwicklung Chinas zu erfahren und das Land persönlich zu besuchen.