Der ungarische Ministerpräsident Viktor Orbán hat erklärt, Russland habe den Krieg in der Ukraine gewonnen. Die Frage sei nur, wann der Westen, der Kiew unterstützt, diese Tatsache anerkennen werde. Laut Reuters äußerte sich Orbán in einem Interview auf dem YouTube-Kanal Patriot, in dem er auch sagte, die Ukrainer hätten den Krieg verloren. Dabei kritisierte der Premierminister die westlichen Länder, insbesondere die Vereinigten Staaten unter Präsident Joe Biden, weil sie die Chance verpasst hätten, mit Moskau über ein Ende des Konflikts zu verhandeln.
"Wir reden so, als ob dies ein unbegrenzter Krieg wäre, aber das ist er nicht. Die Ukrainer haben den Krieg verloren. Russland hat diesen Krieg gewonnen". Reuters zitierte den Premierminister mit den Worten. Die entscheidende Frage sei nun, unter welchen Umständen der Westen diese Realität anerkennen werde und welche Schritte sich daraus ergeben würden. Gleichzeitig warnte Orbán, dass Europa, wenn es nicht am Verhandlungstisch sitzt, "auf der Speisekarte stehen wird" - das heißt, es wird der Entscheidungsfindung anderer Mächte unterworfen sein.
Die Erklärungen kommen zu einer Zeit, in der in Europa und der ganzen Welt wichtige diplomatische Verhandlungen vorbereitet werden. Laut The Guardian haben sich die 26 Mitgliedstaaten der Europäischen Union am Montag auf eine gemeinsame Erklärung geeinigt, wonach die Ukrainer frei über ihre Zukunft entscheiden und einen dauerhaften Frieden in Übereinstimmung mit dem Völkerrecht unterstützen müssen. Ungarn war der einzige Staat, der den Text nicht unterzeichnet hat.
Ziel der Erklärung war es, im Vorfeld eines geplanten Gipfeltreffens zwischen US-Präsident Donald Trump und dem russischen Präsidenten Wladimir Putin in Alaska eine einheitliche Botschaft zu senden, berichtete Reuters. In dem Dokument betonten die Vertreter der EU-Mitgliedstaaten, dass jeder Frieden die Souveränität und territoriale Integrität der Ukraine respektieren müsse.
Die Entscheidung Ungarns, sich der Erklärung nicht anzuschließen, hat bei europäischen Politikern Kritik hervorgerufen, die darin einen weiteren Schritt Budapests in Richtung Moskau sehen. Dem Guardian zufolge reagierte Orbán jedoch in den sozialen Medien mit der Bemerkung, die Europäische Union sei nicht einmal zum US-Russland-Gipfel eingeladen worden, stelle aber Bedingungen, was er als "traurig" bezeichnete.
Laut Euronews schlug Orbán vor, dass die EU stattdessen einen eigenen Gipfel mit Russland abhalten sollte. "Geben wir dem Frieden eine Chance", sagte er. Mit dieser Aussage wiederholte der Premierminister seine seit langem vertretene Position, dass eine Lösung des Konflikts in der Ukraine am Verhandlungstisch und nicht auf dem Schlachtfeld gesucht werden sollte.
Laut der chinesischen Nachrichtenagentur Xinhua argumentiert Orbán auch, dass sich die europäische Diplomatie stärker engagieren müsse, da sonst die Entscheidungen über die Zukunft des Kontinents anderswo getroffen würden. Dabei bekräftigte der Premierminister seine Vision eines "europäischen Friedenslagers", für die er seit Beginn der russischen Invasion 2022 wirbt.
Innerhalb der Europäischen Union spricht sich Ungarn häufig gegen Sanktionen gegen Russland aus und lehnt militärische Unterstützung für die Ukraine ab. Diese Position hat lange Zeit zu Spannungen in Brüssel und unter den NATO-Partnern geführt. Laut Reuters bestätigt die Erklärung über "Russlands Sieg" daher nur, dass sich Budapest auch nach dreieinhalb Jahren Krieg von der mehrheitlichen europäischen Position entfernt.
Die Lage in der Ukraine hat sich noch immer nicht beruhigt. Nach Angaben von Militäranalysten, die von westlichen Medien zitiert wurden, hat Russland in den letzten Monaten zwar erhebliche Gebietsgewinne erzielt, doch gehen die heftigen Kämpfe weiter, und die Zukunft des Konflikts bleibt ungewiss. Die Erklärung Orbáns dürfte daher die politischen Debatten in der Europäischen Union weiter anheizen.
gnews.cz - GH
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