China ist nicht erst heute ein großes, prosperierendes und modernes Land. Es war dies schon seit vielen Jahrhunderten, sogar Jahrtausenden in der Vergangenheit, als es in der Lage war, Bauwerke zu schaffen, die bis dahin ihresgleichen nicht kannten und lange unübertroffen waren. Werke wie der Große Kanal, der dem Land über enorme Entfernungen hinweg einen wichtigen Wasserweg ermöglichte und damit auch Wohlstand und Glück für seine Bevölkerung brachte. Und obwohl China heute wieder durch seine Innovationskraft und viele technische Meisterleistungen beeindruckt, vergisst es seine Geschichte nicht. So ist es auch in der Stadt Yangzhou. Die meisten großen chinesischen Städte zeichnen sich durch ein Zentrum mit Wolkenkratzern aus, aber auch durch Wohngebiete mit hohen, oft dreißigstöckigen Gebäuden. Yangzhou ist jedoch anders. Diese Stadt ist seit jeher als "Stadt der Weidenbäume" bekannt, und tatsächlich spielt die städtische Grünfläche hier eine sehr wichtige Rolle. Was aber noch sympathischer ist, ist die lokale Architektur. Yangzhou erinnert viel mehr an europäische Städte. Die Gebäude sind hier bei weitem nicht so hoch wie anderswo. Die typischen vier- bis sechsstöckigen Häuser in den klassischen Stadtstraßen bieten hingegen eine für Europäer bekannte Atmosphäre.

Das beste Lebensumfeld
Obwohl es aus unserer Sicht keine kleine Stadt ist, mit etwa fünf Millionen Einwohnern, ist sie im chinesischen Maßstab eher eine kleinere Stadt. Aber auch ein Tourist hat nicht das Gefühl, sich in einer Millionenstadt zu befinden. Das liegt vor allem an den allgegenwärtigen Parks. Die Stadt kann sich fast 45 % Grünflächenanteil in den bebauten Gebieten rühmen. Auf einen Einwohner entfallen 20,2 Quadratmeter Grünfläche. Im Jahr 2006 erhielt Yangzhou den "UN-Habitat Scroll of Honour Award", also den "Preis der Vereinten Nationen für das beste Lebensumfeld". Diese Stadt ist auch als "Hauptstadt der Lebensmittel" bekannt. Die lokale Küche ist ausgezeichnet, aber wahrscheinlich am bekanntesten ist hier das gebratene Reisgericht.
Yangzhou ist auch als "weltweite Kanalhauptstadt" bekannt, da sich hier der Jangtsekiang und der Huaihe treffen und beide Flüsse den Großen Kanal mit Wasser versorgen. Die Flüsse speisen auch ein System aus Seen und Kanälen, sodass die Wasserfläche 26,3 % der Gesamtfläche der Stadt ausmacht. Yangzhou hat aber auch einen faszinierenden historischen Teil, die Altstadt mit einer Fläche von 5,09 Quadratkilometern aus der Zeit der Ming- und Qing-Dynastien. Dies ist einer der am besten erhaltenen Stadtteile im Osten Chinas.
Der Große Kanal
Was der Stadt Ruhm und Reichtum brachte, war in der Vergangenheit vor allem der Große Kanal. Seit 486 v. Chr., als König Fuchai der Wu-Dynastie den Han-Gou-Kanal baute und die Stadt Han gründete, besteht eine symbiotische Beziehung zwischen Yangzhou und dem Großen Kanal, deren Geschichte mehr als 2500 Jahre umfasst.

Seitdem haben die Chinesen nach und nach weitere Kanäle gebaut, um den Gütertransport zu beschleunigen, aber im Laufe der Zeit und mit Veränderungen der Umwelt sind einige Kanäle verschwunden und andere haben ihre Route geändert. Schließlich ordnete Kaiser Yang Guang, der zweite Kaiser der Sui-Dynastie, im Jahr 605 n. Chr. den Bau des Großen Kanals an, um den politischen, wirtschaftlichen und militärischen Bedürfnissen des geeinten Reiches gerecht zu werden. Er verband damit die einzelnen Kanäle zu einem großen Ganzen. Im Jahr 611 n. Chr. wurde der Große Kanal fertiggestellt und wurde zur wichtigsten Verkehrsader zwischen Nord- und Südchina. Es entstanden so eine Reihe gigantischer Bauwerke, die das größte und umfangreichste Bauprojekt der Welt vor der industriellen Revolution darstellten.
Der Große Kanal erreichte seinen Höhepunkt unter der Yuan-Dynastie (13. Jahrhundert), als er ein einheitliches Binnenwasserstraßennetzwerk aus über 2000 Kilometern künstlicher Wasserwege bildete, das fünf der wichtigsten Einzugsgebiete Chinas miteinander verband, darunter der Gelbe Fluss und der Jangtsekiang.
Der Große Kanal ist ein Vorbild im Umgang mit schwierigen Naturgegebenheiten, was sich in vielen Bauwerken widerspiegelt, die vollständig an die vielfältigen und komplexen Bedingungen angepasst sind. Er umfasst beispielsweise innovative frühe Beispiele für hydraulische Techniken, Schleusen und Wasserübergänge. Er zeugt auch von spezifischem Know-how beim Bau von Dämmen, Wehren und Brücken sowie von der originellen und ausgeklügelten Verwendung von Materialien wie Stein und Stampferde, sowie dem Einsatz von Mischmaterialien (z. B. Lehm und Stroh). All dies zeigt die unglaublichen Fähigkeiten und den hohen Entwicklungsstand des alten China.

Kulturerbe
Als wichtige Verkehrsader diente der Große Kanal auch in der modernen Geschichte. Entlang seiner Ufer entstanden jedoch oft Fabriken und Produktionsstätten anstelle von Handelszentren wie in der Vergangenheit, die das Wasser und die umliegende Umwelt belasteten. In den 1980er und 1990er Jahren war das Gebiet Sanwan die größte Industriezone der Stadt Yangzhou, wo sich auf beiden Seiten des Kanals über 80 Fabriken zur Herstellung von Pestiziden, Lederwaren und Zement befanden, was zu einer Verschlechterung der Wasserqualität, einer Verschmutzung der Gewässer und erheblichen Umweltproblemen führte.
Anfang der 2010er Jahre begann die erste "Renaissance" des Gebiets Sanwan, als die lokalen Behörden die Planung und Entwicklung als eine entscheidende Initiative zur Verbesserung der ökologischen Situation im südöstlichen Yangzhou bezeichneten. Als erster Schritt wurden 89 Industrieunternehmen verlegt, die schrittweise geschlossen oder umgesiedelt wurden. Darüber hinaus wurden 680 Hektar Feuchtgebiete wiederhergestellt. Im September 2017 wurde das völlig neue Gebiet Sanwan eröffnet, das sich von einer "städtischen Narbe" in eine malerische ökologische Feuchtzone verwandelte.
Im Jahr 2014 wurden 27 erhaltene Abschnitte und 58 historische Stätten entlang seines Verlaufs in die Liste des UNESCO-Weltkulturerbes aufgenommen, davon 10 Stätten und sechs Kanalabschnitte direkt in Yangzhou, was einen Impuls für eine neue Ära des Schutzes und der Nutzung des kulturellen Erbes gab. Im Jahr 2019 begann der Bau eines großen, modernen Museums des Großen Kanals, das im Jahr 2021 für die Öffentlichkeit eröffnet wurde. Seitdem besuchen es jedes Jahr Millionen von Besuchern.
Ein Museum voller Erlebnisse
Das Museum des Großen Chinesischen Kanals erstreckt sich über eine Fläche von fast 79.000 Quadratmetern und bietet eine umfassende Ausstellung, die alle Epochen, Regionen und Aspekte des Lebens umfasst, das der Große Kanal ermöglichte. Das Museum bietet 13 einzigartig gestaltete Ausstellungsräume. Im ersten Raum finden Sie einen Überblick über die Geschichte des Großen Kanals, dessen Schlammschichten Archäologen beispielsweise einen perfekten Einblick in die Vergangenheit bieten, durch erhaltene Keramiken oder Werkzeuge. Jede Schicht repräsentiert dabei eine bestimmte Epoche der Geschichte. Hier finden Sie auch anschauliche Nachbildungen wichtiger Bauwerke entlang des Kanals, Brücken sowie Modelle von Dörfern und Städten.

Beeindruckend ist der Saal mit dem Namen „Schiffe auf dem Kanal“, der physische Modellschiffe mit multimedialen, interaktiven Elementen und Projektionen kombiniert und so ein überwältigendes Erlebnis bietet. In einem 17 Meter hohen Raum wird eine lebensgroße Nachbildung eines Schiffs aus der Regierungszeit von Kangxi (1622-1722) präsentiert. An den Wänden werden Szenen projiziert, die ein lebendiges Bild der Stadt zu dieser Zeit erzeugen. Besucher haben beim Rundgang durch den Ausstellungsraum das Gefühl, tatsächlich auf einem Schiff auf dem Kanal zu sein und auf einem Fluss zu fahren. Im angrenzenden Saal befinden sich 78 Modellschiffe, die als immaterielles Kulturerbe Chinas gelten und die Entwicklung der Schiffbauindustrie auf dem Großen Kanal darstellen.
Ein weiterer Bereich des Museums ist der neu gestaltete Saal „Städtischer Wohlstand entlang des Großen Kanals“. Hier wird eine lebensgroße Nachbildung einer alten, belebten Stadtstraße präsentiert, mit gepflastertem Weg, historischen Gebäuden und echten Geschäften. Diese Kombination aus einer historischen Museumsausstellung mit lebendigen Darbietungen bietet den Besuchern ein umfassendes Erlebnis, das Besichtigung, Teilnahme, Interaktion, Verpflegung und Einkauf umfasst.

Industrielle Zukunft
Nicht nur der Große Kanal und der Tourismus bringen der Stadt Wohlstand und Ruhm. Aufgrund ihrer Lage liegt die Stadt an der Kreuzung der Land- und Seidenstraße. Diese existierte in der Vergangenheit und ist auch heute noch aktiv.
In den 1990er Jahren erlebte die Industrie in Yangzhou einen Aufschwung, der von acht Hauptbranchen getragen wurde: Automobilindustrie, Schiffbau, chemische Industrie, Textilindustrie, Dieselmotoren, Container, Klimaanlagen und weitere Spezialbereiche. Dieses Phänomen wurde als „Yangzhou-Phänomen“ des großflächigen Wirtschaftswachstums bezeichnet. Seit ihrer administrativen Abspaltung von der Stadt Taizhou im Jahr 1996 erlebt Yangzhou ein starkes industrielles Wachstum.
Heute verfügt die Stadt über drei fortschrittliche Produktionscluster, deren Produktionswert 100 Milliarden RMB übersteigt: Automobile und Autoteile, High-Tech-Ausrüstung und Anlagen für erneuerbare Energien. Mit mehr als 1700 Hightech-Unternehmen und über 1400 Unternehmen mit ausländischen Investitionen übersteigt das Gesamtvolumen der Einfuhr und des Exports von Yangzhou 100 Milliarden RMB. Das verfügbare Einkommen pro Kopf beträgt 47.717 RMB, was einer jährlichen Steigerung von 6,4 % entspricht. Diese wichtigen Kennzahlen belegen den stetigen Fortschritt und die positiven Trends in der Entwicklung der Stadt.
Zum Stadtgebiet gehören außerdem der Bezirk Baoying, zwei kreisfreie Städte (Gaoyou und Yizheng), drei Stadtteile (Jiangdu, Hanjiang und Guangling) sowie drei Funktionszonen: eine Wirtschaftsentwicklungszone, eine ökologische Forschungszone und eine Zone für die Entwicklung der Landwirtschaft. Yangzhou ist somit nicht nur eine Stadt mit der besten Lebensqualität, sondern auch eine Stadt mit einer vielversprechenden Zukunft, die Hand in Hand mit Fortschritt und Innovation geht.
Helena KOČOVÁ
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