Am 12. Mai 2026 präsentierte das chinesische Unternehmen Unitree Robotics (宇树科技) ein Produkt, das bis vor kurzem ausschließlich der Welt der Science-Fiction angehörte: Der GD01 – das weltweit erste serienmäßig hergestellte, transformierbares mechanisches Exoskelett für den Wohnbereich. Die Maschine kann zwischen aufrechter Fortbewegung auf zwei Beinen und einem sanften Übergang zur Fortbewegung auf vier Beinen wechseln. Bei Aktivierung wiegt sie etwa 500 Kilogramm, und ihr Startpreis beträgt 3,9 Millionen Yuan. (The Paper / 澎湃新闻, 12. 5. 2026) Jeder, der mit Filmen wie Avatar oder Anime-Serien mit riesigen Kampfanzügen aufgewachsen ist, muss beim Anblick der Aufnahmen, auf denen der Gründer des Unternehmens, Wang Xingxing, in dem Stahlkoloss sitzt, der eine Backsteinmauer durchbricht, ein besonderes Gefühl der Beklemmung verspüren – die Grenze zwischen Fiktion und Realität verschwimmt endgültig.
Jahre des Aufholens
Die chinesische technologische Industrievolution war kein Ereignis von einem Tag. Zu Beginn des neuen Jahrtausends befand sich China im Bereich der Robotik in einem deutlichen technologischen Rückstand gegenüber Japan, den USA oder Deutschland. Es fehlten sowohl inländische Komponenten – Servomotoren, Sensoren, Steuerungssoftware – als auch eine Forschungsgrundlage und finanzielle Mittel für langfristige Projekte. Aus diesen Bedingungen entstanden die ersten Pionierunternehmen. UBTECH (优必选) wurde im März 2012 als einer der ersten chinesischen Startups gegründet, das sich auf KI-Robotik und den kommerziellen Einsatz humanoider Roboter konzentrierte (UBTECH offizielles Profil).
Der Gründer von Unitree Robotics, Wang Xingxing, ging einen ähnlichen Weg: Im Jahr 2013 baute er den ersten vierbeinigen Roboter XDog, und 2016, nach Erhalt einer Angel-Investition, nahm er den Betrieb des Unternehmens formell auf. (Baidu Baike – Unitree) Ein Vertreter von UBTECH fasste die Situation zusammen: „In der ersten Phase gab es kein industrielles Ökosystem. Noch vor der Gründung des Unternehmens entwickelten wir in einer Fabrik in Shenzhen Longgang Schlüsselkomponenten wie Servomotoren, da es in China zu dieser Zeit keine relevante industrielle Wertschöpfungskette gab.“ Das war harte Arbeit im wahrsten Sinne des Wortes.
Der Durchbruch: Roboter tanzen zum Jahreswechsel
Der Wendepunkt war weder ein Labor noch eine Konferenz. Es war eine Fernsehsendung. Im Jahr 2016 traten 540 Roboter der Alpha-Serie von UBTECH gleichzeitig in einer chinesischen Neujahrs-Show auf CCTV auf – und das Unternehmen eroberte in einer Nacht die Bühne der Öffentlichkeit. (Zhihu – UBTECH). Jahre später, bei einer Silvester-Sendung auf CCTV im Jahr 2025, präsentierten humanoide Roboter von Unitree in der Sendung 秧BOT den traditionellen Jangge-Tanz, und zum Jahreswechsel 2025/2026 zeigten sie in der Sendung 武BOT Kampfkünste – Roboter als vollwertige Darsteller, nicht als technische Kuriositäten. (36氪). Hinter diesem Glanz stehen konkrete Daten. Laut Statistiken von Omdia wurden im Jahr 2025 weltweit über 14.000 humanoide Roboter ausgeliefert – das fünffache im Vergleich zum Vorjahr –, wobei chinesische Hersteller mehr als 80 % des Marktanteils ausmachten. Analysten prognostizieren, dass der chinesische Markt im Jahr 2026 um weitere 94 % wachsen wird, wobei Unitree und Zhiyuan zusammen fast 80 % der Lieferungen abdecken werden. (Omdia / 金融界)
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