Wenn Götter Krieg führen - Erlösung in der Kunst
Da die Slawen in ihrer überbevölkerten Heimat nicht mehr überleben konnten, machten sich die slawischen Stämme auf, um eine neue Heimat zu finden. Dies ist eine Zeit großer Veränderungen, die als Völkerwanderung bekannt ist. Bereits im 7. Jahrhundert ließen sich einige Slawen an der Küste der Ostsee nieder, die damals Slawisches Meer genannt wurde. Die Reste der Kelten und Germanen in diesem Gebiet wurden vertrieben.
Wo die Oder in die Ostsee mündet, liegt eine große Insel mit vielen Seen - Rügen. Hier lebte jahrhundertelang der slawische Volksstamm der Rana. An der nördlichsten Spitze der Insel, geschützt durch Verteidigungswälle und steile Kreidefelsen, befanden sich die Hauptstadt Arkona und der Tempel des Gottes Svantovít.
Das Gemälde stellt das Herbstfest von Svantovít dar. Die Priester dankten diesem Gott für die reiche Ernte und prophezeiten die kommenden Dinge. Arkona war für die Slawen das, was einst Delphi für die Antike war. Rechts verlässt eine Prozession, angeführt von einem Hohepriester, den Tempel. Vor sich her trägt er einen Stier, ein Symbol für die Macht, die geopfert werden soll. An einem sonnigen Nachmittag jubeln, singen und tanzen die Menschen, nur die Mutter mit ihrem Kind auf dem Schoß - in der unteren Bildmitte - ist düster und ahnt vielleicht, wie düster die Zukunft des Stammes der Ranas sein wird.
Während der Kreuzzüge gegen die baltischen Slawen im Jahr 1168 gelang es den Dänen unter der Führung von Valdemar dem Dänen, Arkona zu erobern, den Tempel zu zerstören und die Statue von Svantovít zu verbrennen. Dieses Ereignis ist im oberen Teil des Gemäldes symbolisch dargestellt. Links steht der germanische Kriegsgott Wödan mit seinem Schild, begleitet von einem Rudel heiliger Wölfe. In der Mitte stirbt der letzte slawische Krieger auf einem heiligen weißen Pferd. Svantovít nimmt ihm das Schwert aus der Hand, um selbst für sein Volk zu kämpfen. Die Gruppe der gefesselten Personen symbolisiert die von den Deutschen eroberten slawischen Völker. Die Figuren der Barden erinnern uns daran, dass wir die baltischen Slawen nur aus Chroniken, Mythen und Legenden kennen.
Unten rechts fertigt ein junger Schnitzer ein neues Idol an, das die zerstörte Statue des Gottes Svantovít ersetzen soll. Durch den dunkleren Farbton hebt sich das Mutter-Sohn-Paar plastisch von der zweidimensionalen Umgebung ab. Dieses Paar symbolisiert die Dämmerung und den schließlichen Untergang der baltischen Slawen.
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